In der Arena im Stadtwald sind sie erwartungsgemäß in Deckung geblieben. „Kein Kommentar. Wir geben keine Wasserstandsmeldungen ab.“ Natürlich hat Heribert Bruchhagen auch am Donnerstag die einschlägigen Zeitungen und Magazine studiert und gelesen, dass die Verpflichtung des Fußballprofis Olivier Occean unmittelbar bevorstehen soll. Weg von dem einen Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth, hin zu dem anderen Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Frankfurt. Allein: Eine finale Bestätigung dieses Transfers, der dem Vernehmen nach so gut wie fix sein und dem 30 Jahre alten Kanadier Planungssicherheit für die kommenden drei Jahre geben soll, steht noch aus. Wie im Übrigen auch die des Japaners Takashi Inui, dessen Weggang vom VfL Bochum zur Eintracht vorbehaltlich einer noch zu absolvierenden sportmedizinischen Untersuchung endlich perfekt ist.
Olivier Occean bei der Eintracht? Dass Aufstiegstrainer Armin Veh neue Stürmer braucht, ist unbestritten. Derzeit ist Mohamadou Idrissou allein auf weiter Flur. Mit Erwin Hoffer steht dem Kameruner zwar ein zweiter Angreifer nominell zur Seite. Doch der Österreicher befindet sich demnächst in einem vertragslosen Zustand. Das Ausleihgeschäft mit dem abgebenden Verein SSC Neapel läuft zum 30. Juni aus. Eine Verlängerung, die von Seiten der Eintracht gewünscht ist, steht noch aus. Im Zusammenspiel mit Hoffers Berater Max Hagmayr ist Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner um eine schnelle Lösung mit den Italienern bemüht. Doch die Gesprächsführung gestaltet sich derzeit schwierig.
Da wird es schon einfacher gewesen sein, dem Kanadier Occean den anstehenden Wechsel zurück ins Rhein-Main-Gebiet sportlich und wirtschaftlich schmackhaft gemacht zu haben. Occean, der in Anlehnung an den gleichnamigen, mit einem „c“ weniger geschriebenen Sänger den Spitznamen „Billy“ trägt, kennt sich aus in Hessen. Vor seinem Engagement am Fürther Ronhof spielte er für die Offenbacher Kickers. Auf Biebers Höhen - und nicht nur dort - hat Occean Spuren hinterlassen. Sechzehn Tore erzielte der bullige, wuchtig daherkommende, nur schwer zu stoppende Angreifer für den OFC. Zwar reichte es nicht, die Kickers damit zurück in die zweite Liga zu schießen. Doch für den persönlichen Karrieresprung genügte es allemal. Der allmächtige Fürther Präsident Helmut Hack fand Gefallen an dem im französischen Teil Kanadas aufgewachsenen Stürmer und holte ihn für eine Ablöse von 200.000 Euro ins Frankenland. Trainer Mike Büskens sagte nach der Verpflichtung im Sommer 2011: „Olivier hat etwas, das unsere anderen Stürmer nicht haben.“
Er spricht fünf Sprachen
Der Mann mit dem gewissen Etwas also. Einer, der fünf Sprachen spricht und vor seiner Zeit bei den Kickers vier Jahre lang, von 2006 bis 2010, im hohen Norden am Ball gewesen ist. In der norwegischen Liga verdiente er bei Lilleström SK sein Geld und empfahl sich schon in Skandinavien mit seiner hervorstechendsten Eigenschaft: dem Toreschießen. In 91 Begegnungen erzielte er 34 Tore. Zuletzt waren es siebzehn Treffer, die Occean zur Meisterschaft für die Spielvereinigung Greuther Fürth beisteuerte. Als einer der erfolgreichsten Zweitligaschützen leistete Occean neben dem Frankfurter Alexander Meier und dem Paderborner Nick Proschwitz, die gleichfalls jeweils 17 Mal erfolgreich waren, damit entscheidende Aufstiegshilfe für die nur scheinbar unaufsteigbaren Fürther.
Eintracht-Trainer Veh, noch im Urlaub und telefonisch nicht erreichbar, hat Gefallen an Stürmern vom Schlage eines Occean. Vom Habitus her erinnert ihn den Kanadier an einen seiner Lieblingsspieler - Olivier Djappa. Der Kameruner sorgte einst in Hessen bei Borussia Fulda für Furore, erzielte aber auch für den SSV Reutlingen mit beängstigender Präzision Tor um Tor. Trainer damals: Armin Veh. Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen. Veh ist 51, Djappa 42 - und weil Occean „erst“ 30 ist, kann er in der Bundesliga noch eine wichtige Rolle spielen und Tore wie beispielsweise im Februar erzielen. Damals nutzte Occean die Chance, die Spielvereinigung Greuther Fürth mit seinem Treffer zum 1:0 bei 1899 Hoffenheim in das Halbfinale des DFB-Pokals zu schießen.
Wenn die Eintracht nach der siebenwöchigen Urlaubszeit am 3. Juli wieder die Arbeit aufnimmt, dürfte Trainer Veh neben vielen altbekannten Gesichtern also einige neue zu sehen bekommen. So werden neben den schon als Verpflichtung gemeldeten Stefan Aigner (TSV München 1860), Stefano Celozzi (VfB Stuttgart), Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern) und Bastian Oczipka (Bayer 04 Leverkusen) auch Martin Lanig (1. FC Köln), Takashi Inui (VfL Bochum) und eben Olivier Occean erwartet. Fehlt nur noch Verstärkung für die Defensive.