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Eintracht Frankfurt Der Schlüssel passt nicht

 ·  Vehs Mut bleibt ohne Erfolg: Die Eintracht bekommt beim 0:3 in Dortmund Reus nicht in den Griff und Grenzen aufgezeigt. Inuis Platzverweis macht die nächste Aufgabe in Freiburg schwieriger.

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Klare Ansage. „Borussia Dortmund war in fast allen Belangen besser. Hier war heute für uns nichts drin. Punkt. Aus.“ In wenigen Worten nur hat Heribert Bruchhagen das ganze Malheur der Dienstreise in den Westen zusammengefasst. Keine Tore. Keine Form wie noch beim Auswärtssieg in Hamburg. Und folgerichtig keine Punkte. Dass es am Ende 0:3 beim wiedererstarkten Meister BVB hieß, war mehr als korrekt: „Wir mussten uns zusammenreißen, dass wir nicht die Hütte vollkriegen.“ Für Alexander Meier, den noch immer erfolgreichsten Torschützen der Frankfurter Eintracht, stand nach der Dortmunder Demonstration vor 80500 Augenzeugen außer Frage: „Wir müssen hier nicht drum rum reden. Wir haben klar und verdient verloren.“

Knackpunkt war der sogenannte Doppelschlag. Zwei Minuten nur benötigte Nationalspieler Marco Reus, um im ganz speziellen Spitzenduell Reus gegen Eintracht Frankfurt die beiden entscheidenden Treffer zu setzen. „Von diesem frühen Rückschlag haben wir uns nicht mehr erholt“, sagte später Bruno Hübner. Auch der Sportdirektor der Eintracht hatte sich ebenso wie Trainer Armin Veh schon etwas ausgerechnet. „Aber wir hätten einfach früher wach werden müssen“, klagte Hübner. „So war es nach dem 0:2 ungemein schwer.“ Mehr noch: Es war unlösbar und nicht mehr zu korrigieren. Selbst wenn Sebastian Rode vor und Srdjan Lakic nach der Pause mehr Glück bei ihren Aktionen gehabt und ein mögliches Tor erzielt hätten, wäre es eine Herkulesaufgabe geworden, diesen BVB noch abzufangen. „Wir hätten insgesamt viel mehr machen müssen“, sagte Bastian Oczipka, der Frankfurter Linksverteidiger. „Die zwei Tore haben Dortmund in die Karten gespielt.“

Das nächste Spitzenspiel wartet schon

Um überhaupt eine Chance bei „unserem ganz, ganz großen Bruder“ zu haben, hatte Veh seine Leute taktisch anders als sonst ausgerichtet. „Wir wollten hoch stehen und über die Seiten spielen“, sagte der Fußballlehrer in seiner Analyse. Pech nur: Das Spiel über die Flanken fand so gut wie nicht statt. Stefan Aigner auf rechts blieb wirkungslos wie lange nicht mehr. Und Takashi Inui auf links verzettelte sich in kleineren Scharmützeln, die neun Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit in der zweiten Gelben Karte und damit einem Platzverweis gipfelten. Veh verzichtete darauf, sich kleinteilig in irgendwelchen Spielaktionen zu verlieren. Stattdessen machte der Trainer das, was geboten war: Er lobte eine „super Dortmunder Mannschaft“, blickte zu vorgerückter Abendstunde zu seinem Kollegen Jürgen Klopp rüber und ergänzte: „Eigentlich müsst ihr viel mehr Punkte haben.“ Die Eintracht hat immer noch 37 Zähler. Der kühne Plan, ausgerechnet beim Meister die Marke von vierzig Punkten zu knacken, war auch wegen der Treffer von Reus zum Scheitern verurteilt. „Wir wussten, dass es schwer werden würde“, sagte Veh. „Wenn wir tief stehen, haben wir gar keine Chance.“ Doch dem eigentlich löblichen Plan der Frankfurter, mit gewohnter Offensivkraft in die Partie zu gehen, begegneten die Dortmunder mit geballter Angriffswucht. Reus und sein kongenialer Vorarbeiter Mario Götze setzen die Eintracht von Beginn an mächtig unter Druck. Etliche Abspielfehler der eigentlich ballsicheren Frankfurter waren die Folge. „Wir wurden in der Mitte sofort gepresst“, sagte Kapitän Schwegler. Der Schweizer sah zwar einige gute Ansätze bei sich und den Kollegen. „Aber die Dortmunder haben einfach eine Qualität, die nicht auf unsere Höhe ist. Wir haben alles versucht“, versicherte Schwegler. „Aber es ist in die Hose gegangen.“ Die herausragende Partie des 22. Spieltags - der Tabellenzweite traf auf den Rangvierten - stand nach Ansicht von Schwegler schon vorab unter keinem guten Stern. „Im Normalfall können wir uns nicht mit Dortmund messen.“ Trotzdem gab es Lob von höchster Borussia-Stelle. Meistertrainer Klopp nutzte die Gunst der Stunde, um die bisherige Leistung der Eintracht zu würdigen: „Frankfurt hat eine unfassbar gut Saison gespielt und war ein richtig starker Gegner. Aber wir haben das taktisch dramatisch besser als noch gegen den HSV gemacht.“

Veh wird taktisch „dramatisch“ nichts ändern, wenn es zum nächsten Spitzenspiel binnen Wochenfrist geht. Auch am kommenden Freitag, dann beim SC Freiburg, wollen die Frankfurter an ihrer offensiven Grundausrichtung festhalten. Als der Coach in Dortmund gefragt wurde, ob die Partie beim Tabellenfünften richtungweisend sei, erwiderte er mit süffisantem Unterton: „Das ist doch ein Schlüsselspiel, oder? Wir von der Eintracht haben jede Woche ein Schlüsselspiel. Wir müssen nur gucken, dass wir den passenden Schlüssel finden.“ Gegen Dortmund glückte dies nicht. Der Meister war dem Aufsteiger wirklich in fast allen Belangen überlegen.

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17.02.2013, 17:39 Uhr

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