08.02.2012 · Heiko Butscher läuft allen davon. Der neue Eintracht-Verteidiger ist konditionell in bestechender Form. Sonny Kittel hat alle Formalitäten erfüllt, um gegen Düsseldorf dabei zu sein.
Von Ralf WeitbrechtEinsam zieht er seine Runden. Mit der Präzision eines Uhrwerks spult Heiko Butscher sein Pensum runter. Butscher, Fußballprofi der Frankfurter Eintracht, ist allein auf weiter Flur. Während die anderen Kameraden im gesteigerten Trab den Anweisungen ihrer Pulsuhren Folge leisten, ist Butscher am schnellsten unterwegs. Eine Überraschung freilich ist das nicht. Schließlich verfügt der neue Linksverteidiger in diesen frostig-kalten Wintertagen über die besten Ausdauerwerte aller Eintracht-Spieler. Am vergangenen Sonntag, beim 2:1-Heimsieg des Tabellenzweiten der zweiten Bundesliga gegen Aufsteiger Eintracht Braunschweig, ist Butscher exakt 12,08 Kilometer gelaufen. Christian Kolodziej, der Konditionstrainer der Eintracht, kennt Butschers Wert aus dem Effeff.
Dass Fußball auch und vor allem ein Laufspiel ist, bekommen die wenigen Trainingszuschauer während der Übungseinheit am Mittwoch zu sehen. Um neben einigen lockeren Spielformen konditionelle Reize zu setzen, lässt Eintracht-Cheftrainer Armin Veh seine Mannschaft ordentlich laufen. Das Programm ist fest umrissen: 4x4 Minuten, mit einer Herzfrequenz von 85 bis 95 Prozent. Und während einige aus dem Kader ein dosiertes Tempo anschlagen, um in diesen submaximalen Bereich vorzustoßen, ist Butscher schneller als alle anderen. „Er muss einfach mehr tun, um dort hinzukommen“, weiß Konditionstrainer Kolodziej. „Aber nicht, weil er nicht gut drauf wäre. Sondern weil er die mit Abstand besten Werte hat.“ Dass der 31 Jahre alte Verteidiger körperlich gut drauf ist, wussten sie bei der Eintracht schon vor der winterlichen Verpflichtung des langjährigen Freiburgers. „Im Profifußball gibt es zwischen allen Konditionstrainern ein freundschaftliches Netzwerk, in dem die Daten bereitwillig ausgetauscht werden“, sagt Kolodziej.
Butschers Fitness ist also keine Überraschung. „Zwölf Kilometer für einen Außenverteidiger sind ein sehr guter Wert. Aber man hat ja auch gesehen, dass wir unheimlich viel über die linke Seite gekommen sind.“ Auf ein ähnliches Pensum in den Reihen der Eintracht kommen auch noch die traditionell fleißigen Mittelfeldspieler Alexander Meier, Benjamin Köhler, Matthias Lehmann und Sebastian Rode. Übrigens: Die Wahrscheinlichkeit, dass Butscher nach seinem starken Debüt gegen Braunschweig auch am kommenden Montag beim Topspiel in Düsseldorf auf dem linken Verteidigerposten zum Einsatz kommt, ist mehr als groß. Constant Djakpa, Butschers interner Konkurrent, hat es am Mittwoch mit der Disziplin schleifen lassen. „Er ist zu spät zum Training gekommen“, sagt Chefcoach Veh. Gar nicht erschienen sind zu der neunzigminütigen Übungseinheit bei klirrender Kälte Sebastian Jung und Gordon Schildenfeld. Beide Defensivspieler leiden witterungsbedingt unter Erkältungen.
In bester Laune hat sich derweil Sonny Kittel präsentiert. Der Youngster, der am Sonntag wegen einer Schludrigkeit um einen Startplatz in der Frankfurter Anfangsformation gekommen ist, hat am Mittwoch erwartungsgemäß ohne jegliche Komplikationen die sportmedizinische Untersuchung absolviert. Die war nötig, um Eingang auf der Spielberechtigungsliste der Deutschen Fußball Liga zu finden, auf der Kittel vor der Partie gegen Braunschweig eben nicht stand. Die Eintracht hatte schlichtweg vergessen, den wegen eines Kreuzbandrisses längerfristig ausgefallenen offensiven Mittelfeldspieler im Sommer des vergangenen Jahres für die Saison 2011/12 anzumelden. „Jetzt ist alles gut“, sagt Kittel. Knapp zwei Stunden lang hat er im Sportmedizinischen Institut in der benachbarten Otto-Fleck-Schneise die nötigen Untersuchungen über sich ergehen lassen. „Alles ist nun geklärt.“ Offen ist nur, ob Trainer Veh seinem hoffnungsvollen Talent auch beim Kräftemessen mit Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf von Beginn an eine Chance gibt. Ein Grund zur Eile besteht nicht. Der mit Spannung erwartete Vergleich der beiden Meisterschaftsanwärter wird erst am kommenden Montag um 20.15 Uhr angepfiffen.