14. November 2012: Es hätte der Tag der Tage werden können. Doch Sebastian Jung hat es verschmerzt, dass er noch nicht dabei gewesen ist. Ein bisschen geschnuppert, das hat er aber schon. Der erste Fußballprofi der Frankfurter Eintracht, der es seit einigen Jahren wieder einmal geschafft hat, in den Kader der Nationalmannschaft berufen zu werden. Dass die Wahl ausgerechnet auf den 22 Jahre alten ehemaligen Bäckergesellen aus Königstein gefallen ist, verwundert nicht. 2012 ist das nachhaltigste und bisher prägendste Jahr im Leben des Rechtsverteidigers gewesen. Erst der Aufstieg und die damit verbundene Rückkehr in die Bundesliga. Dann der mitreißende, Spaß machende Fußball der Eintracht, der die Mannschaft zum Ende der Hinrunde bis hoch auf Tabellenplatz vier geführt hat. Sebastian Jung, bodenständig, bescheiden, geerdet, hat großen Anteil daran.
Dass seine Karriere einen entscheidenden Kick bekommen hat, liegt nicht nur an ihm selbst. Auch das Verhältnis zu seinem Trainer spielt eine besondere Rolle. Armin Veh ist es gelungen, die meisten seiner Spieler besser zu machen. Jung ist noch stabiler, noch schneller, noch flankensicherer geworden. Und er hat sich damit für andere Klubs interessant gemacht. Im Sommer war es der AS Rom, der sich so schnell wie möglich die Dienste des Blondschopfs sichern wollte. Im Winter wurde Jung mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht. Stets ging Jung in Deckung. Stets betonte er, nichts zu überstürzen. „Die Eintracht ist und bleibt mein erster Ansprechpartner.“ Eine Ausstiegsklausel macht es möglich, dass er im Sommer 2013 die Eintracht verlassen kann. Gegen Zahlung einer vergleichsweise bescheidenen Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro wäre Jung weg.
Das Nahziel Klassenverbleib ist zum Greifen nah
Doch will er das überhaupt? Bei der Eintracht wissen sie um ihr Juwel. Gemeinsam mit Sebastian Rode bildet Jung das Herzstück der Eintracht. Trainer Veh hat dies immer wieder betont, und wer im Wochenrhythmus die beiden Jungspunde auf den erstklassigen Fußballplätzen spielen sieht, kann das mit dem Herzstück nur bestätigen. Veh weiß: „Wir müssen den Spielern eine Perspektive bieten. Im Moment bastelt die Mannschaft ja selbst daran.“ Das Nahziel Klassenverbleib ist mit jetzt schon dreißig gewonnenen Punkten zum Greifen nah. Das vor allem von den Fans vehement herbeigesehnte Fernziel Europa nimmt dezente Konturen an. Europapokalspiele der Eintracht? Das wäre was. Das wäre eine Perspektive für einen wie Jung, dem ein sportlich solides Umfeld sehr wichtig ist.
Großartige Perspektive
Michael Emmerich (michemm)
- 31.12.2012, 13:48 Uhr