Den Versuch, mit überschaubaren finanziellen Mitteln eine schlagkräftige Truppe für die Bundesliga zusammenzustellen, ist der Eintracht zumindest so gut gelungen, dass sie nach den ersten beiden Spieltagen zu den großen Überraschungen im Kreis der achtzehn Erstliga-Teams zählt. Tabellenzweiter, ungeschlagen, Bayern-Verfolger Nummer eins - die Zischenbilanz vor der Länderspielpause kann sich sehen lassen. Zu den zehn neuen Gesichtern, die für vergleichsweise kleines Geld unter Vertrag genommen wurden, zählt Bastian Oczipka.
Auf den Linksverteidiger stießen Trainer Armin Veh und Sportdirektor Bruno Hübner früh während ihrer Einkaufstour: Sie fanden ihn im Verkaufsprospekt des Konkurrenten Bayer Leverkusen, der für den Blondschopf keine richtige Verwendung mehr sah, nachdem ihn ein Knöchelbruch für Monate außer Gefecht gesetzt hatte. Veh und Hübner lockten ihn mit der Option, in ihrem Team auf Anhieb zur ersten Wahl zählen zu können, an den Main. Bei den Frankfurtern unterschrieb er einen Vertrag bis Sommer 2015. Stand jetzt lässt sich dazu soviel festhalten: Die 500.000 Euro Ablöse waren wohl nicht die schlechteste Investition.
Auf einer Wellenlänge
Oczipka leistete beim Auftaktsieg gegen seinen alten Klub als auch bei der 4:0-Gala in Hoffenheim seinen Beitrag. Gegen Bayer bereitete der Dreiundzwanzigjährige mit einem Solo den Ausgleich des Kollegen Stefan Aigner vor, während er bei der TSG erst einen Strafstoß (zum 3:0 durch Meier) herausholte und in der Schlussminute auch noch Martin Lanig perfekt bediente. „So kann es weitergehen.“ Veh war der flinke Linksfuß erstmals in seiner Zeit als Trainer des Hamburger SV aufgefallen, als Oczipka für den Lokalrivalen FC St. Pauli auflief - unter anderem mit Carlos Zambrano, der auch jetzt bei der Eintracht an seiner Seite steht. In der zweiten Liga machte er wiederholt Eindruck: Als passsicherer Außenverteidiger, der gut flanken kann und in der Rückwärtsbewegung den Überblick so leicht nicht verliert. Der Abiturient, der drei Kurzeinsätze in der Champions League für Leverkusen absolvierte, spielt im Konzept von Veh als sprintstarker Mann für die linke Seite eine tragende Rolle, im internen Wettstreit hängte er Constant Djakpa ab. „Natürlich kann Vehs Taktik auch mal schief gehen“, sagt Oczipka, „aber wir wollen Risiko spielen, wir wollen uns nicht hinten reinstellen, wir wollen das Spiel machen.“
Auch rhetorisch liegen er und sein Chef damit auf einer Wellenlänge. Die Entscheidung nach Frankfurt zu gehen, bezeichnet Oczipka als „sehr guten Entschluss“. Er durchlief die Jugendteams bei der SSG Bergisch Gladbach, ehe er sich mit zehn Jahren Leverkusen anschloss und dort im Jugendinternat seine Ausbildung absolvierte und Abitur machte. Vom jüngsten Ortswechsel verspricht er sich für seine Karriere entscheidenden Antrieb. „Man merkt seit dem Start, dass wir eine hungrige Mannschaft haben, mit der wir einiges erreichen können. Da ich einer von vielen Neuen bin, ist mir die Eingewöhnung leicht gefallen.“ Eine Wohnung in Nähe der Alten Oper ist eingerichtet, Freundin Nadine hat ihren Job in Köln aufgegeben und sich für ein Studium in Frankfurt eingeschrieben. Den großen Zusammenhalt des Teams bezeichnet er als einen „Trumpf, der uns weiterhelfen wird. Wir haben ein richtig gute Truppe.“ Die auch abseits des Arbeitsplatzes gemeinsame Interessen verfolgt. Zuletzt trafen man sich in einem Ausflugslokal am Stadtrand, inklusive Familien und Hunde. Dabei ging es in großer Runde fröhlich und friedlich zu. Sportlichen Biss zeigt das Eintracht-Rudel bislang nur auf dem Platz.