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Eintracht Frankfurt Das Trauma von Rostock

 ·  Tragödie statt Triumph: Genau vor zwanzig Jahren, am 16. Mai 1992, erlebt die Eintracht ihre schwärzeste Stunde. Ein Fehler des Schiedsrichters kostet die Meisterschaft.

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Es gibt Tage, die vergisst man nicht. Wichtige Tage. Und es gibt Tage, da spürt man auch zwanzig Jahre später noch das Gefühl im Bauch, das man damals hatte. Große Tage. Traurige Tage. Rostock! Ein Wort reicht, und alles ist wieder da. Rostock, 16. Mai 1992, die Frankfurter Eintracht kann deutscher Fußballmeister werden, muss Meister werden beim Absteiger. Aber sie schafft es nicht, die Wundermannschaft um Bein und Stein und Möller verliert 1:2, und jeder, dessen Fußballerherz für die Eintracht schlägt, weiß, was er an jenem so furchtbaren Tag erlebt und erlitten hat. Ja, erzählt einer, ich bin damals von Frankfurt nach München mit dem Zug gefahren, es stand 1:1, wir saßen vor dem Radio, und da hat der Reporter gesagt: Elfmeter! Elfmeter für die Eintracht! Und dann ist der Zug in einen Tunnel gefahren, und der Empfang war weg, und als der Zug wieder aus dem Tunnel herauskam, da hat der Reporter nicht gesagt: 2:1 für die Eintracht, sondern: doch kein Elfmeter, doch kein Elfmeter.

Berg! Noch so ein Wort, das kein Eintracht-Fan vergessen hat in all den Jahren. Alfons Berg hieß der Schiedsrichter, der in Rostock eine Viertelstunde vor Schluss den Elfmeter nach einem Foul an Ralf Weber nicht gab, dem eindeutigsten Foul der ganzen vermaledeiten Saison. Nach dem Spiel haben sie Berg einen Fernseher hingestellt und die Szene vorgespielt, und dann hat er gesagt: „Ja, ich hätte pfeifen müssen, es war ein klarer Elfmeter, ich habe Mitleid mit der Eintracht.“ Die Frankfurter Spieler und Stepi, der Trainer, haben damals wie Gentlemen reagiert auf diese unglaubliche Niederlage, auf diesen Totalverlust aller Hoffnungen. Sogar der allzeit jähzornige Torhüter Uli Stein, dem man zugetraut hätte, dass er den Schiedsrichter direkt in der Ostsee verklappt, blieb ruhig, fast diplomatisch. Nur einer rastete völlig aus: Weber! Auch das ein Name, der mit diesem Frankfurter Schicksalstag auf ewig verbunden ist. Ralf Weber trat noch eine Fernsehkamera kaputt, ehe er von Weinkrämpfen geschüttelt vom Platz wankte.

Lebbe geht weider? Damals noch nicht.

Vor der Partie hatten die Frankfurter den Flieger vollgepackt mit Champagner, es sollte ein Riesenfest werden, diese erste Frankfurter Meisterschaft seit 1959. Und auch die so weit mitgereisten Fans hatten sich ordentlich eingedeckt für die Rückfahrt mit dem Sonderzug. Alles war bereitet für den großen, den größten Eintracht-Tag. Auch in Frankfurt, im Ballsaal eines Hotels am Flughafen, waren in aller Heimlichkeit Vorbereitungen getroffen worden. Die Tische wurden geschmückt, das Buffet dekoriert, die Boxen gerichtet, aus denen am Abend die Musik für die Champions dröhnen sollte. Auch ein paar junge Reporter waren da, die nicht mit nach Rostock gedurft hatten, sie sollten hier warten und dann die famose Stimmung, die Super-Party beschreiben. Auch sie saßen vor dem Radio, und ab und zu riefen sie bei den Kollegen im Stadion an: Warum gibt der keinen Elfer? Und dann: Alles aus und vorbei. Und keiner hatte eine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Von einem Augenblick auf den anderen passte nichts mehr im Ballsaal. Musik, Häppchen, Champagner, Jubelbilder, Vorfreude - alles ohne Zweck und Sinn. Und nun? Kein leuchtender Ballsaal mehr, nur noch ein öder, blöder Riesenraum in einem betongrauen Flughafenbunker. Die Leere, die alle Eintracht-Fans in diesen Minuten spürten, hier war sie mit Händen zu greifen. Irgendwann am Abend kamen die Verlierer von Rostock an. Alle rissen sich zusammen, so gut es ging.

Lebbe geht weider? Damals noch nicht. Sein bester Spruch ist Trainer Dragoslav Stepanovic erst ein paar Jahre später eingefallen. Am 16. Mai 1992 ging gar nichts weiter. Die Zeit stand still an jenem Abend. Statt den Titel zu feiern, musste ihn die Eintracht begraben.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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