21.02.2012 · Pirmin Schwegler kämpft nach überstandener Verletzung um seine Rückkehr in den Kader der Eintracht, der ihr Kapitän lieb und teuer ist.
Von Josef SchmittEs ist ein gutes Jahr her, dass die Frankfurter Eintracht den erst in diesem Sommer auslaufenden Vertrag mit Pirmin Schwegler vorzeitig verlängern wollte. Es war ein Mosaikstein, der später zum Abstieg führte, als dies nicht gelang. Schwegler aber geht immer noch seinem Beruf in Frankfurt nach. Der neue Trainer Armin Veh hatte zu Beginn dieser Spielzeit darauf bestanden, den Schweizer Nationalspieler auch gegen eine hohe Ablösesumme nicht abzugeben und ihn zudem noch zum Kapitän befördert. Und der Spieler selbst hatte die Rolle als Anführer der neuen Eintracht angenommen und schnell Gefallen daran gefunden. In diesen Tagen und Wochen bemühen sich beide Seiten nun abermals um eine Vertragsverlängerung über 2012 hinaus. „Es tut sich was“, sagte Schwegler am Dienstag nach dem Training mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Sportdirektor Bruno Hübner bestätigte später, „dass die Gespräche ganz gut laufen“. Innerhalb der nächsten beiden Wochen hofft er auf eine Einigung. „Aber bevor die Unterschrift nicht drunter ist, haben wir noch nichts geschafft“, sagt Hübner. Und doch deutet einiges daraufhin, als könne die Eintracht ihren wohl umworbensten Profi langfristig binden, zumindest wenn der Aufstieg gelingt.
Dazu will Schwegler mit aller Kraft auf dem Platz beitragen. Ob schon beim Auswärtsspiel an diesem Sonntag in Paderborn, ließ er offen. Den im Trainingslager erlittenen Bruch des großen Zehs am linken Fuß hat der Spielmacher überwunden. Die Schmerzen sind weg, Medikamente muss er nicht mehr nehmen, nur ein Tapeverband schützt noch den lädierten Zeh. Nach und nach kämpft er sich nun wieder heran an das konditionelle Niveau der Mannschaft, am Dienstag in einer Übungseinheit mit all jenen Kollegen, die ebenfalls nach überstandenen Verletzungen noch Nachholbedarf haben. Martin Amedick hat auf dem Platz gestanden, Sonny Kittel, Mohamadou Idrissou, Bamba Anderson, Aykut Özer, dazu noch auf freiwilliger Basis Rob Friend und die beiden U23-Spieler Elia Soriano und Anthony Jung. Mitten drin Schwegler. Auf einen Bankplatz im jüngsten Heimspiel gegen den FSV hatte er nach bis dahin erst zwei Trainingseinheiten am Ball verzichtet, „weil ich noch nicht ganz so weit war.“ In Paderborn wird er nach fünf weiteren Trainingseinheiten in dieser Woche weiter sein. „Wenn ich hundert Prozent bringen kann, kann ich der Mannschaft weiterhelfen“, sagt er selbstbewusst.
Achtzig Prozent Leistungsvermögen würden reichen, „um auf der Bank zu sitzen“. Die Verletzung behindert ihn nicht mehr, nur wenn er den Ball genau mit dem lädierten Zeh trifft zwickt's noch ein wenig, „aber nicht schlimm“. Gedanken über die Verletzung mache er sich längst nicht mehr, die Konzentration aufs Spiel sei nicht eingeschränkt. Die letzte Entscheidung wird der Trainer fällen müssen. Es wird keine leichte sein, denn Schweglers Vertreter Matthias Lehmann hat sich zuletzt kontinuierlich gesteigert und seinen Teil zum jüngsten Aufschwung beigetragen. „Bei uns ist auf jeden Verlass, die Jungs haben wirklich gut gespielt“, sagt Schwegler ganz im Sinne seiner Rolle als Kapitän, „das macht uns stark“. Ungeduldig will der Vierundzwanzigjährige nicht werden bei seinem Comebackbemühungen, sondern sich ganz im Sinne des „großen Ganzen“ in den Dienst der Mannschaft stellen. „Ich werde sicher noch gebraucht in den letzten zwölf und hoffentlich nicht vierzehn Spielen“, sagt er, ohne damit Ansprüche gleich für das nächste Spiel anmelden zu wollen, „der Mannschaftserfolg steht über allem“.
Mit dem zuletzt auch wegen seines Fehlens veränderten Spielsystem kann er sich gut anfreunden. In einer Ordnung mit zwei sogenannten „Sechsern“, zuletzt waren dies Sebastian Rode und Lehmann, könnte der Einzelne etwas offensiver agieren. „Das wäre auch für mich schön“, sagt Schwegler. Grundsätzlich sei das System „situationsabhängig“, meint der Kapitän der Eintracht. In der Vorrunde habe das 4-1-3-2 „gepasst“, zuletzt habe die Eintracht mit dem 4-2-3-1 erfolgreich gespielt. „Ich spiele sowieso, was gefordert wird“, sagt er und hofft, dass er es bald wieder darf.