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Eintracht Frankfurt : Balleroberer und Brückenbauer

  • -Aktualisiert am

Zuweilen etwas ungestüm: Gelson Fernandes hat einen Hang zur Farbe Gelb - womit keineswegs nur sein Schuhwerk gemeint ist. Bild: firo Sportphoto

Gelson Fernandes hat bei der Eintracht eine Schlüsselrolle: Der Schweizer schließt die Lücken vor der Abwehr und ist dank seines Sprachtalents auch Kovacs Integrationsbeauftragter.

          Schlechte Stimmung scheint es bei Gelson Fernandes nicht zu geben. Der 31 Jahre alte Eintracht-Profi ist nicht nur ein beruflicher Wandervogel – die Frankfurter sind schon sein zehnter Arbeitgeber in Europa –, sondern auch ein sympathischer Spaßvogel mit ausgeprägtem sonnigen Gemüt: „Ich bin fast immer am Lachen“, sagte der defensive Mittelfeldspieler am Dienstag. Und: Fernandes, der mit seinem Leben „glücklich“ ist und das nach Kräften ausstrahlt, bringt die Menschen auch zum Lachen.

          Wer sich mit dem Schweizer Nationalspieler, der auf den Kap Verden geboren wurde, unterhält, erlebt einen bodenständigen, offenen, sehr lebendigen und humorvollen Fußballprofi. Das ist selbst dann der Fall, wenn das Thema ein bisschen ernster wird.

          Auf dem Weg zu einem unerwünschtem Rekord

          Als Ab- und Aufräumer vor der Abwehr versteht Fernandes keinen Spaß. Seinen Auftrag, das Spiel des Gegners zu zerstören und ihm die Bälle zu klauen, setzt er konsequent und, falls nötig, mit Härte um. „Ich habe immer viele Gelbe Karten kassiert – aber nicht mehr als sieben oder acht pro Saison“, berichtet er. Aktuell steuert der resolute Zweikämpfer auf einen neuen Höchstwert in seiner abwechslungsreichen Karriere zu: Bisher verging kein Spiel, in dem er vom Schiedsrichter aufgrund eines Regelverstoßes nicht bestraft worden ist. In zwei der drei Bundesliga-Begegnungen lief Fernandes mit seinem Temperament Gefahr, die Gelb-Rote Karte zu bekommen. Niko Kovac blieb nichts anderes übrig, als ihn vom Platz zu holen.

          Hält die Kartenflut bei Fernandes an, prophezeit ihm sein Trainer Kovac viele Spielpausen. „Ich weiß, dass ich aufpassen muss“, sagt Fernandes. „Sonst gerate ich auch in das Blickfeld der Schiedsrichter.“ Nur manchmal bleibe ihm gar nichts anderes übrig, als ein Foul zu begehen – wie im Duell mit Wolfsburg (0:1), als er mit entsprechendem Körpereinsatz zielgerichtet einen Konter unterband. „Ich schließe die Lücken für die Mannschaft. Ich spiele nicht für mich“, betonte er.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Die Frage, ob das Spiel in der Bundesliga womöglich zu schnell für ihn sei, verneint Fernandes. „Ich hatte überall Gelbe Karten – auch in Italien, wo langsamer gespielt wird.“ Den Rekord an Gelben Karten hält der ehemalige Erstliga-Profi Tomasz Hajto mit 16. Ihm dicht auf den Fersen war in der Vorsaison der Frankfurter Omar Mascarell (12). Eine neue Bestmarke im negativen Sinne will Fernandes auf keinen Fall aufstellen. „Ich mache den Rekord nicht.“

          „Es gibt hier viele gute Typen.“

          Die Eintracht, so lautet die Einschätzung des Balleroberers, wird nach den beiden zurückliegenden Stationen in Rennes und Freiburg wohl sein letzter großer Verein auf der Reise durch den Profifußball sein. Nicht ohne Stolz verweist er darauf, in großen Ligen wie England, Italien, Frankreich und Deutschland seinen Dienst am Mann verrichtet zu haben.

          Die Bundesliga-Zeit in Frankfurt will der Vorkämpfer, der europaweit über 300 Erstliga-Spiele absolviert hat, noch einmal genießen. An einem Standort, an dem sich der Fußballreisende Fernandes wie zu Hause fühlt. „Es gibt hier viele gute Typen“, sagt Fernandes. „Der Verein hat viel gemacht, damit sich hier jeder geborgen fühlen kann.“

          Sprachtalent mit Blick für die Realität

          Der kommunikative Schweizer käme auch für die Rolle des Integrationsbeauftragten in Betracht. Fernandes spricht sieben Sprachen, das ist Ausdruck seines vielseitigen Fußballlebens. Als offizielle Dienstsprache bei der Eintracht, bei der am Dienstag Torwart Lukas Hradecky im Team-Training geschont wurde, gibt er Deutsch an. Beliebt sei aber auch Italienisch, „einige Spieler denken, sie sind in Italien“, sagt Fernandes und grinst.

          Mit der Nationalmannschaft wird die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Russland sein. An vier großen internationalen Turnieren nahm er schon teil, zur Marke von 70 Länderspielen fehlt ihm nicht mehr viel. Nach seiner aktiven Laufbahn wird er in die Welt der Berge zurückkehren, die Schweiz ist seine Heimat. Davor wird er mit seinen Stärken aber noch fleißig den Spielmachern bei der Eintracht zuarbeiten. „Jonathan Guzman und Mijat Gacinovic können es technisch besser“, sagt Fernandes. Er hat nicht nur Sinn für Humor, sondern auch den Blick für die Realität und seine Möglichkeiten: „Ich mache nicht den Aufbau wie Xabi Alonso.“

          Quelle: F.A.Z.

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