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Eintracht Frankfurt Ausgezeichnete Nachwuchsarbeit

22.02.2012 ·  Die Frankfurter Eintracht verfügt über ein Leistungszentrum, das schon wieder mit einer Bestnote bedacht worden ist. Talente wie Sonny Kittel sind dort gereift.

Von Ralf Weitbrecht
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Das größte Lob kam von einem, der schon gar nicht mehr da ist. Christoph Daum, sieben Spiele lang Trainer der Frankfurter Eintracht, stellte Sonny Kittel eine besondere Karriere in Aussicht. „Ein Riesentalent. Der kann mal besser als Mesut Özil werden.“ Doch während Nationalspieler Özil sein Geld bei den „Königlichen“ von Real Madrid verdient und Fußballlehrer Daum nach dem Abstieg der Eintracht und einer kurzen schöpferischen Pause einen neuen Job jenseits der Landesgrenze beim FC Brügge fand, hält Kittel der Eintracht die Treue. Was nicht verwundert, gehört der vor kurzem 19 Jahre alt gewordene Hesse doch zu den Rohdiamanten der Frankfurter.

Kittel ist einer aus der kleinen, überschaubaren Garde sogenannter Eigengewächse. Ein Spieler, der am Riederwald groß geworden ist und aufgrund vielfältigster Fertigkeiten das Rüstzeug besitzt, sich nachhaltig bei den Profis durchzusetzen. Nachwuchsarbeit - das war und ist schon immer eine Domäne der Eintracht. Und gerade das Leistungszentrum versteht es seit Jahr und Tag, erfolgversprechende Talente herauszubringen. Patrick Ochs, Marco Russ, Sebastian Jung - sie alle entspringen dem Nachwuchsschuppen im Frankfurter Osten. Während Ochs und Russ vor Saisonbeginn im vergangenen Sommer dem Lockruf des Geldes gefolgt und in die niedersächsische Provinz zum erstklassigen VfL Wolfsburg gewechselt sind, hat einer wie Jung die Chance genutzt, seinen Stammplatz als rechter Außenverteidiger zu festigen. Im aktuellen Ensemble von Trainer Armin Veh gehört der 21 Jahre alte, offensiv ausgerichtete Abwehrspieler zu den gesetzten Stammkräften. Von 22 bislang absolvierten Punktspielen ist Jung 22 Mal dabei gewesen - wie auch Gordon Schildenfeld und Sebastian Rode.

„Der Junge ist überdurchschnittlich begabt“

Dass Kittel erst zwei Einsätze aufweist, liegt vor allem in seiner langwierigen Verletzung begründet. Wegen eines Kreuzbandrisses war der flinke Mittelfeldspieler erstmals in dieser Saison für die Heimpartie gegen Eintracht Braunschweig vorgesehen. Doch aus Schusseligkeit wurde vergessen, für Kittel eine Spielgenehmigung zu beantragen. Seit jenem Missgeschick am 5. Februar gab es die beiden Spiele in Düsseldorf und gegen den FSV - und bei beiden hat Veh seinen Youngster ins Rennen geschickt. Neun Minuten Spielpraxis gab es für Kittel bei der Fortuna, 25 gegen den Stadtrivalen aus Bornheim, gewürzt mit seinem ersten Tor bei den Profis.

Nicht nur Daum, auch Veh hält große Stücke auf den kleinen Kittel. „Der Junge ist überdurchschnittlich begabt. Das ist einer, der einfach kicken kann.“ Einer, dem unlängst die Fritz-Walter-Medaille in Silber in der Kategorie U18 verliehen wurde. Kittel, seit 2000 im Leistungszentrum der Eintracht ausgebildet, hat alle Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen. Sein Lizenzspielervertrag ist bis zum Juni 2014 gültig.

Für die kommenden Aufgaben gerüstet

Ob Kittel den Sprung in die Stammelf schafft, hängt von mehreren Faktoren ab. Die beiden wichtigsten: Die Leistung muss stimmen, und der Trainer muss den Spieler fördern. Veh will dies tun - und trifft damit ganz den Geschmack der Funktionäre vom Riederwald. Die wünschen sich, dass möglichst viele Nachwuchskräfte den Wechsel von den Amateuren zu den Profis schaffen. Dazu passt, dass das Leistungszentrum jüngst eine Auszeichnung mit drei Sternen erhalten hat. Eine Prämierung, die die Verantwortlichen am neuen Riederwald schon kennen. Bei der von Deutscher Fußball Liga und Deutschem Fußball-Bund initiierten Zertifizierung wurde vor allen Dingen die „exzellente Durchlässigkeit“ hervorgehoben. Nach dem VfB Stuttgart ist die Eintracht der Klub, der die meisten Jugendspieler zu den Profis hochbringt. Dazu zählen auch Spieler, die den Sprung bei anderen Vereinen geschafft haben, etwa Jan Kirchhoff (Mainz 05), Marko Marin (Werder Bremen) oder Timothy Chandler (1. FC Nürnberg).

Bei der Eintracht ist nach Jung aktuell nur noch Kittel in die Nähe der Profis gekommen. Marcel Titsch-Rivero und Marcos Alvarez spielen in der Regionalliga bei der U23 der Eintracht. Cenk Tosun hat man vor einem Jahr in die Türkei ziehen lassen, wo der torgefährliche Angreifer bei Gaziantepspor zunächst für Aufsehen sorgte. In dieser Saison läuft es alles andere als wunschgemäß für Tosun. Um sich ein Bild vom Leistungsstand des Nachwuchses zu machen, nimmt Eintracht-Cheftrainer Armin Veh die Jungen immer mal mit ins Trainingslager. So durften Mitte Januar Elia Soriano und Anthony Jung von der U23 zu den Profis mit nach Qatar. Im Sommer, so ist es vertraglich vereinbart, rücken Alexander Hien, Julian Dudda und Erik Wille in den Lizenzspielerkader auf.

Bis dahin will die Eintracht wieder erstklassig sein. Nötig sind dafür weitere überzeugende Auftritte in der zweiten Liga - zum Beispiel an diesem Sonntag (13.30 Uhr) bei Verfolger SC Paderborn. Gestärkt durch den jüngsten Coup im Derby, als die Eintracht beim 6:1 gegen den überforderten FSV eine der besten Saisonleistungen zeigte, fühlt sich Vehs Mannschaft für die kommenden Aufgaben gerüstet. Sein Assistent Reiner Geyer sagte am Mittwoch: „Keine Kranken, keine Verletzten. Bei uns ist derzeit alles gut.“

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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