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Eintracht Frankfurt : Der ungeliebte Montag

Danke für die Unterstützung: Auch nach dem ersten Montagsspiel der Bundesliga-Geschichte wollen die Eintracht-Spieler in die Fankurve gehen. Bild: Reuters

Auch Eintracht-Trainer Niko Kovac äußert sich ablehnend über die Terminierung am ersten Tag der Woche. Gegen Leipzig könnte Abraham zurückkehren – Mascarells Einsatz ist fraglich.

          Ein Spitzenspiel ohne Spitzenkulisse? So etwas gibt es an diesem Montag in Frankfurt zu sehen. Am Sitz der Deutschen Fußball Liga, die insgesamt fünf Bundesligaspiele in dieser Saison an einem Montag austragen will, bleiben in der Arena etliche Plätze leer. Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig – bevor der zerklüftete 23. Spieltag am Freitag in Berlin begann und an diesem Montag in Frankfurt beschlossen wird, war die Eintracht Vierter und RB Zweiter. „Ein Abendspiel ist ein Abendspiel“, sagte am Sonntag Eintracht-Trainer Niko Kovac. „Egal, ob es am Freitag oder am Montag stattfindet.“

          Montags aber ist alles anders. Etliche Aktionen der Anhänger sind geplant. Kovac signalisierte schon am Vortag Verständnis dafür. „Ich kann die Fans verstehen. Sie müssen arbeiten, sie kommen am Montagabend nicht mehr nach Hause.“ Auch dies mag erklären, warum bisher lediglich 43000 Tickets verkauft worden sind, davon 540 nach Leipzig. „Es ist traurig, dass keine 50000 Zuschauer da sind“, sagte Kovac – und hat recht. Die einstige Rekordmarke aus der Hinserie, als die Eintracht im Schnitt 50000 Besucher in erstklassiger Umgebung begrüßte, ist längst perdu. Und jetzt wird auch noch an einem ungeliebten Montag gespielt. „Die Fans“, sagte Kovac, „fühlen sich in ihren Grundrechten angegriffen. Auch ich möchte, dass Montagsspiele nicht in der Bundesliga stattfinden“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer mit klarer Diktion.

          Abraham vor Rückkehr

          Premiere also in der Eliteklasse. Wenn Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie um 20.30 Uhr anpfeift, wird gemeinhin damit gerechnet, dass David Abraham wieder dabei ist. Der Kapitän war seit Mitte Dezember nicht mehr für die Eintracht aktiv im Einsatz. Doch endlich spürt der 31 Jahre alte Argentinier nichts mehr von dem Hämatom an der Wade, das er sich im Auswärtsspiel beim Abstiegskandidaten Hamburg zugezogen hatte. „David hat in dieser Woche alle Einheiten mitmachen können. Wenn er spielbereit ist, ist er eine ganz große Alternative“, kündigte Kovac finale Gespräche mit Abraham an. Weitere Gespräche will der Eintracht-Trainer auch noch an diesem Montag führen. Kovac will seine Spieler mental auf das vorbereiten, was am Abend von den Rängen zu erwarten ist – oder eben nicht.

          Über die Qualitäten des Gegners braucht Kovac seine Spieler nicht großartig zu informieren. Es ist nicht erst seit gestern bekannt, dass der Meisterschaftszweite auch in dieser Saison eine gute Rolle spielt. „In Neapel, beim Tabellenführer der italienischen Liga, gewinnt man nicht so einfach“, sagte Kovac anerkennend über den 3:1-Auswärtserfolg von RB beim SSC. Der Sieg in der Europa League, so Kovac, sei auch die Frucht dessen, wofür die Marke Leipzig steht: sehr schnellen, konterstarken Fußball, geprägt von einem eigenen Spielstil. „Sie mögen nicht so gern den Ball haben, denn entscheidend ist ihr Umschaltspiel. Sie überraschen den Gegner, wenn dieser unorganisiert ist.“

          Mascarell fraglich

          Unorganisierte Frankfurter? Hat man in den vergangenen Wochen nur ein einziges Mal gesehen – auswärts bei dem 0:3-Debakel in Augsburg. Doch das ist längst verarbeitet, und seitdem hat die Eintracht sowohl in der Liga als auch im DFB-Pokal weitere Ausrufezeichen gesetzt. „Wenn wir die Stärken des Gegners eliminieren, können wir etwas holen“, sagte Kovac, der zugleich die Gelegenheit nutzte, die Vorzüge seiner Mannschaft anzupreisen. „Mit unserem Spielstil haben wir uns in der Bundesliga einen ordentlichen Namen gemacht. Den wollen wir auch gegen Leipzig durchziehen.“ Eine der Stärken der Eintracht: Wer gegen die Kovac-Elf Tore erzielen will, muss sich etwas einfallen lassen.

          Vor allem dies: Die Wege zum Torerfolg führen fast immer über die Flügel. Die Mitte ist oft bestens abgesichert. Lediglich sieben Gegentore durch das Zentrum sind Ligarekord in dieser Saison. Und wenn David Abraham spielt, ist die Zentrale besonders gut geschützt. Auch dies spricht für einen sofortigen Einsatz des Abwehrchefs, der auch die Kreise des schnellen Nationalstürmers Timo Werner einengen soll. Fraglich indes, ob Omar Mascarell vor der Abwehrkette Sicherungsdienste übernehmen kann. Der Spanier hatte zuletzt gegen Köln einen Schlag auf den Spann bekommen und klagt seitdem über starke Schmerzen. „Ich hoffe, dass es mit ihm noch klappt“, sagte Kovac.

          Auch wenn sich der Frankfurter Trainer am Sonntag höchst lobend über Gegner RB Leipzig äußerte und besonders an die vergangene Saison erinnerte, in der von den Sachsen „phantastischer Fußball gespielt wurde“, weiß er um die Chance, die der ungeliebte Spieltermin am Montag bietet. Die Eintracht kann tabellarisch, vor allem aber punktemäßig einen ordentlichen Sprung machen. „Wir können zwischen Platz sechs und Platz sieben eine kleine Kluft schlagen“, sagte Kovac. „Wir wollen Leipzig von der ersten bis zur letzten Minute fordern. Weniger aber als hundert Prozent werden dafür nicht reichen.“

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