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Eintracht Frankfurt Armin Veh geht in die Offensive

Der Eintracht-Trainer drängt nachhaltig auf die Verpflichtung eines neuen Stürmers und reagiert allergisch auf das Verhalten des Klubs nach den jüngsten Krawallen.

© dpa Vergrößern Mehr als nur „angesäuert“: Armin Veh ist unzufrieden – mit der Personalpolitik der Eintracht und den Reaktionen auf die hässlichen Randerscheinungen.

Es ist fast genau ein Jahr her, da hat Armin Veh versucht, intern wie extern aufzurütteln. Dem Trainer der Frankfurter Eintracht war damals im Aufstiegskampf die Stimmung zu lethargisch, die Ansprüche an die Mannschaft waren ihm zu selbstverständlich. Seine Worte fielen auf fruchtbaren Boden, danach ging ein Ruck durch den Klub. Mit einer erfolgreichen Rückrunde schaffte die Eintracht den Aufstieg souverän und sorgte für jede Menge Begeisterung. Diese Begeisterung rund um die Mannschaft hat sich in der Bundesliga im ersten halben Jahr fortgesetzt. Nun aber befürchtet der Trainer einen Rückfall in alte Zeiten und wählte wieder deutliche Worte. Er ging noch einmal in die Offensive.

Während alle anderen rund um die Eintracht seit den Vorkommnissen beim Auswärtsspiel in Leverkusen - wo „Problembesucher“, wie sie von Vorstandschef Heribert Bruchhagen bezeichnet wurden, dem Klub mit einem Feuerwerk schweren Schaden zugefügt haben - nur noch über dieses Thema diskutieren, brennen Veh sportliche Probleme unter den Nägeln. Der Trainer will unbedingt noch einen neuen Stürmer und kann das Zögern in der Vereinsführung nicht mehr nachvollziehen. Und will es auch nicht mehr hinnehmen. „Wollen wir weiterkommen oder wollen wir verwalten?“, fragte er am Dienstag, „ich will weiterkommen.“

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Das Geld ist noch immer knapp bei der Eintracht

Noch im Trainingslager in Abu Dhabi hatte Veh das Thema eines neuen Angreifers durchaus moderat angesprochen. Gewünscht hatte er eine neue stürmische Kraft durchaus, „aber nicht unter allen Umständen“. Sollte heißen: Die sportliche Notwendigkeit und das damit verbundene finanzielle Engagement müssten abgewogen und in Einklang gebracht werden. In den vergangenen Tagen aber hätten sich die Voraussetzungen geändert. In Benjamin Köhler, der zum 1.FC Kaiserslautern gegangen ist, Rob Friend, der voraussichtlich in seine kanadische Heimat zu den Vancouver Whitecaps wechseln wird, und Dorge Kouemaha, der zu Gaziantepspor in die Türkei gehen soll, gehören aktuell drei Offensivspieler nicht mehr dem Kader an. Beim ersten Training der Woche am Dienstag hatte auch noch Olivier Occean wegen einer Stirnhöhlenvereiterung gefehlt. Einziger nomineller Angreifer im Trainingsspiel war Jimmy Hoffer. „Was ich vorher nicht gesagt habe, sage ich jetzt: Es ist absolut notwendig, einen Stürmer zu holen“, sagt Veh, „wenn das nicht passiert, ist das auch ein Zeichen.“

Aus seiner Sicht ein Zeichen, dass es mit der sportlichen Weiterentwicklung bei der Eintracht nicht weit her wäre. Und schon gar kein Zeichen für umworbene Spieler wie Sebastian Rode oder Sebastian Jung, die in den aktuellen Vertragsverhandlungen auf Perspektiven dringen. Er akzeptiere, wenn ein Spieler wie Srdjan Lakic vom VfL Wolfsburg für den Klub nicht zu finanzieren sei, sagt Veh. „Aber es gibt ja auch noch andere Stürmer.“ Mit dem Mönchengladbacher Igor de Camargo hat es Gespräche gegeben, dies wurde von dessen Berater bestätigt. Allerdings scheint die Eintracht nicht weitergekommen zu sein. Und langsam drängt die Zeit, schließt die winterliche Transferperiode doch am Donnerstag der kommenden Woche. Veh ist der Überzeugung, dass die Chancen auf den sportlichen Erfolg, in diesem Fall einer möglichen Qualifikation für den Europapokal, mit einem zusätzlichen guten Angreifer „deutlich steigen“ würden. Sportdirektor Bruno Hübner, ein Bruder im Geiste, bemüht sich seit Wochen um eine Lösung - bisher vergeblich.

Das Geld ist trotz der Entlastung des Etats durch die Abgänge weiter knapp bei der Eintracht, es gibt Stimmen in Vorstand und Aufsichtsrat, die ein größeres Risiko durchaus scheuen und den Kurs der finanziellen Solidität unbedingt beibehalten wollen. Gerade auch mit Blick auf die zu erwartenden Strafen und Einbußen wegen der jüngsten Fan-Ausschreitungen. Dass auf wirtschaftlichem Gebiet ein Zusammenhang zwischen dem spielenden Personal und den störenden Chaoten hergestellt werden könnte, nervt Veh besonders. Gehe es wirklich darum, „ist das nicht mehr mein Problem“, sagte er und ließ die Interpretation dieser Aussage offen. Seine Meinung über die Störer ist unmissverständlich. „Das sind Leute, die der Fußball und die Eintracht nicht interessiert“, sagte er, „da stehen welche, die wissen gar nicht, wer bei uns spielt.“ Dementsprechend seien die Reaktionen auf die Vorkommnisse „völlig überhöht“ und Kollektivstrafen einfach nur „Blödsinn“. Jeder habe gesehen, „dass das nichts bringt“. Da ist einer wirklich sauer auf die jüngste Entwicklung. „Zu sagen, ich sei angesäuert, ist milde ausgedrückt“, gibt Veh zu.

Quelle: F.A.Z.

 
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