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Eintracht Frankfurt Ansporn für den Antreiber

Eintracht-Kapitän Schwegler kehrt in die Schweizer Nationalelf zurück. Kacar tritt nach geplatztem Transfer nach, und Veh plant fürs Spiel in Hamburg wieder mit Jung.

© picture alliance / dpa Vergrößern Internationaler Treffpunkt: Schwegler behauptet sich im Trikot der Nationalelf auch gegen den Engländer Rooney.

Wohl gefühlt, sagt Armin Veh, habe er sich in seiner Zeit in Hamburg schon. Die Wohnung an der Elbchaussee sei sehr schön gewesen, und die Stadt habe allerhand attraktive Ecken gehabt, die auch seiner Frau gut gefallen hätten. Gemeinsam unternahm das Ehepaar mit Hund Jerry viele Spaziergänge im Grünen. Doch das Glück des Fußballlehrers, der am Freitag seinen 52. Geburtstag feierte, währte in der hanseatischen Idylle nicht allzu lange: „Weil es ja auch noch was anderes gab“, wie er in der Vorausschau auf den 20. Spieltag sagte: Ernüchternde Erlebnisse und Ergebnisse mit und beim HSV.

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Bei dem Bundesliga-Traditionsklub wurde Veh am 8. März 2011 nach nur neunmonatiger Zusammenarbeit entlassen. Vorausgegangen waren seiner Demission Wochen der Auseinandersetzung mit dem Aufsichtsrat, dessen Mitglieder damals den Verein durch andauernde Eifersüchteleien und Querelen nahezu handlungsunfähig machten. „Es gab immer nur Streit und Theater“, erzählte Veh rückblickend, „seit diesen Tagen weiß ich endgültig, wie es im Fußball nicht geht“ Acht Wochen nach der Trennung heuerte er bei der Eintracht an. Mit dem Team kehrt er an diesem Samstag erstmals beruflich nach Hamburg zurück. „Ich freue mich darauf.“

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„Das ist alles sehr enttäuschend gelaufen“

Auch in Frankfurt lieferte sich der streitbare Coach wiederholt Diskussionen mit seinen Vorgesetzten in den Kontrollgremien der Eintracht Fußball AG. Zuletzt am Mittwochabend, als der von ihm und Sportdirektor Bruno Hübner angestrebte Transfer Gojko Kacars in letzter Minute platzte - auf Intervention der Räte, die in Anbetracht der angespannten Kassenlage eine solide Finanzierung des Geschäfts nicht gewährleistet sahen. „Wir haben diskutiert“, bestätigte Veh, der nach eigenem Bekunden aber „kein Problem“ mit der ablehnenden Haltung der Bosse hat: Wenn es „hundertprozentig notwendig“ gewesen wäre, hätte er sich intern deutlicher für das umstrittene Geschäft mit dem Mittelfeld-Allrounder eingesetzt. „Dass ich hartnäckig sein kann, ist ja bekannt.“

Am Freitag meldete sich auch der Profi zu Wort, der nach eigenem Bekunden schon auf dem Weg nach Hessen war. „Das ist alles sehr enttäuschend gelaufen. Frankfurt hat mir ein Angebot gemacht, und wir waren uns einig - und dann hat der Verein sein eigenes Angebot wieder zurückgezogen“, meinte der serbische Nationalspieler. Sein Onkel und Berater Milan nannte in einem Gespräch mit der „Hamburger Morgenpost“ das Vorgehen der Eintracht „merkwürdig“ und „recht unprofessionell“. Für Kacar, der auch schon vor der Einigung mit Hannover 96 stand, war es der zweite geplatzte Deal innerhalb weniger Tage. Er wehrte sich gegen den Vorwurf, seinen mit angeblich 1,5 Millionen Euro dotierten Vertrag beim HSV (Laufzeit bis 2015) aussitzen zu wollen. „Es wird immer erzählt, mir geht es hier nur ums Geld. Das ist Quatsch. Ich hätte in Frankfurt auch für die Hälfte von dem gespielt, was ich hier bekomme. Ich wollte Spielpraxis sammeln“, sagte Kacar. Veh räumte ein, „der Spieler kommt in der Geschichte blöd weg, dabei lag es nicht an ihm“. Dass Kacar nun ausgerechnet gegen die Eintracht mal wieder in die Startformation rückt, ist nicht zu erwarten - er gilt bei HSV-Coach Thorsten Fink als „persona non grata“.

Dreh- und Angelpunkt des Frankfurter Spiels

Im Aufgebot der Hessen sind zwei Veränderungen zu erwarten: Srdjan Lakic wird nach drei Trainingstagen, an denen er sich durch wesentlich mehr Einsatz vom Rest des Eintracht-Sturms in den vergangenen Wochen deutlich unterschied, den Vorzug vor dem völlig außer Tritt geratenen Olivier Occean erhalten; ins zweite Glied rückt auch Stefano Celozzi zurück, denn Sebastian Jung meldete sich nach schwerer Erkältung wieder fit und nimmt den rechten Platz in der Viererkette wieder ein. Von Bundestrainer Joachim Löw, der am Freitag seinen Kader für das am kommenden Mittwoch anstehende Länderspiel gegen Frankreich bekannt gab, erhielt Jung keine Einladung. Mitte November, beim Spiel in den Niederlanden (0:0), war der Verteidiger kurzfristig nominiert worden - saß aber in Amsterdam dann nur auf der Ersatzbank. Nun soll er wieder die U-21-Auswahl verstärken, die am Mittwoch gegen die italienischen Altersgenossen einen Test absolviert.

Positive Nachrichten von seinem Nationalcoach bekam dagegen Pirmin Schwegler: Der 25 Jahre alte Schweizer wurde von Ottmar Hitzfeld für die Partie am 6. Februar in Griechenland berücksichtigt. Er habe sich diese Chance verdient, meinte der deutsche Trainer der „Nati“, der den defensiven Mittelfeldmann zuletzt am 9. Februar 2011 - beim 0:0 auf Malta - eingeladen hatte. Am nächsten Mittwoch kann sich Schwegler nun für regelmäßigere Einsatze im Trikot der Eidgenossen empfehlen, denn Hitzfeld gab ihm schon (indirekt) eine Einsatzgarantie: „Ich habe ihn nominiert, damit er wieder mal spielen kann.“

Seit 2009 ist Schwegler bei der Eintracht, im Sommer 2011 erhielt er von Veh das Kapitänsamt übertragen. Wie sehr er mittlerweile Dreh- und Angelpunkt des Frankfurter Spiels seiner Elf ist, wird besonders immer dann deutlich, wenn er fehlt. So wie zuletzt gegen Hoffenheim, als er wegen einer Grippe nur für die letzten dreißig Minuten eingewechselt werden konnte - und bei seinem Kurzauftritt als ordnende Kraft danach prompt mehr Struktur ins Frankfurter Bemühen einkehrte. Seine Doppelrolle mit Sebastian Rode nennt Vorstandschef Heribert Bruchhagen das „Herzstück der Eintracht“. Und auch Veh betonte vor der Abreise nach Hamburg: „Wenn beide fit sind, kommt niemand an ihnen vorbei“. Auch diese - nicht ganz neue - Erkenntnis sprach wohl letztlich gegen den Kandidaten Kacar.

Quelle: F.A.Z.

 
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