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Eintracht Frankfurt Alles reine Nervensache

09.02.2012 ·  Veh verteidigt seine Einschätzung über Fortuna Düsseldorf und wehrt sich gegen den Vorwurf der Stimmungsmache.

Von Marc Heinrich, Frankfurt
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Gelassenheit ist Trumpf. Stress oder Anspannung, sagte Armin Veh, verspüre er so kurz vor dem Spitzenspiel in der Zweiten Bundesliga nicht. Allenfalls eine wachsende Vorfreude auf den Auftritt der von ihm betreuten Eintracht an diesem Montag in Düsseldorf. Die Frankfurter reisen als Tabellenzweiter zum Spitzenreiter, der zuletzt viermal in Serie nicht gewann - und sie fühlen sich dank ihres phasenweise ansehnlichen Spiels beim Erfolg gegen Braunschweig in der Lage, mit breiter Brust auch bei der heimstarken Fortuna zu bestehen. „Wir sind bereit“, sagte der Trainer, der am Donnerstag die angeschlagenen Bamba Anderson, dem ein Bluterguss am Zeh aufgeschnitten wurde, und Martin Amedick (Zerrung) schonte, um ihren möglichen Einsatz am 21. Spieltag nicht zu gefährden. Eine Entscheidung im Aufstiegskampf, meinte Veh, werde vom Ausgang der Begegnung der beiden in dieser Runde schon so oft überzeugenden Teams auf keinen Fall ausgehen: „Es bleibt auch danach ein enges Rennen.“

In mildem Ton äußerte sich der Coach auf die Vorhaltungen aus Düsseldorf, die ihm zur Last legten, dass er mit seiner Generalkritik an der Spielweise der Fortuna das Kräftemessen unnötigerweise angeheizt habe. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt sagte, Veh wäre besser beraten gewesen, wenn er sich seiner Vorbildfunktion bewusst gewesen wäre und sich ein wenig besonnener verhalten hätte. Schon beim Hinspiel, das von allen Beteiligten mit allerhand Emotionen geführt wurde und gerechterweise 1:1 endete, kam es beim Auf- und Abmarsch der Fans zu Ausschreitungen. Hans-Joachim Kensbock-Rieso, Polizeidirektor in Düsseldorf und Einsatzleiter am Montag, sprach von einem weiteren Risikospiel, das es zu überstehen gelte. „Das Verhältnis der Anhängergruppen muss als feindlich bezeichnet werden, so dass wir uns auf Auseinandersetzungen einstellen werden“; gegen dreißig Rädelsführer der Frankfurter Hooliganszene wurde ein „Betretungsverbote für das Düsseldorfer Stadtgebiet“ ausgesprochen.

Als „Geheimtraining“ eingestuft

Veh bezeichnete die Unterstellung, er sein ein verbaler Brandstifter, die ihm in ähnlicher Weise auch von Fortuna-Manager Wolf Werner gemacht wurde, als „absolut nicht hinnehmbar. Da werden Dinge in einen Zusammenhang gebracht, die ich so nicht stehen lassen kann“. Selbstverständlich sei es nicht sein Ansinnen, durch Stimmungsmache die Atmosphäre zwischen den Klubs und ihren Sympathisanten zu belasten, „das kann schließlich kein vernünftiger Mensch wollen. Es ist mir eigentlich zu blöd, auf so einen Quatsch eingehen zu müssen“, sagte Veh, „und es muss erlaubt bleiben, im sportlichen Rahmen seine Meinung zu sagen.“ An der Kritik, dass in Reihen der Fortuna Profis wie Sascha Rösler oder Maximilian Beister immer wieder durch ein Übermaß an Theatralik die Schiedsrichter zu beeinflussen versuchten, hielt er denn auch fest: „Ich bin doch kein Anfänger und erzähle etwas heute so und morgen anders herum. Ich sage es, wie ich es empfinde und rede nichts herbei.“ Veh bekräftigte, dass er für seine Meinung im Kollegenkreis viel Zuspruch geerntet habe, „und das ist doch auch klar, denn jeder, der die Düsseldorfer Spiele sieht, muss zu diesem Urteil kommen“. Wobei er anfügte, dass er den anhaltenden Aufstieg des ehemaligen Abstiegskandidaten grundsätzlich mit Respekt verfolge, „weil sie klasse Fußball spielen können. Schauspieleinlagen haben sie eigentlich gar nicht nötig“.

Er selbst werde es unmittelbar vor Anpfiff entscheiden, welcher Anfangsformation er im „Düsseldorfer Hexenkessel“, wie er die mit 50000 Zuschauern seit Wochen ausverkaufte Arena nannte, vertraue. Es komme darauf an, eine Einheit zusammenzustellen, die der Stimmung „auch nervlich gewachsen“ sei. Was dafür sprechen würde, dass das Comeback von Teenager Sonny Kittel in der Startelf abermals aufgeschoben wird, und dafür Routinier Benjamin Köhler im Mittelfeld eine weitere Bewährungschance erhält. Im Angriffszentrum war Veh mit der Vorstellung Erwin Hoffers gegen Braunschweig nur ansatzweise zufrieden. Da der wieder genesene Mohamadou Idrissou jüngst beim Üben auffällig in Erscheinung trat, wäre seine Nominierung nach der Knöcheloperation bemerkenswert, käme aber nicht komplett überraschend.

Die Eintracht-Generalprobe vor der Abreise ins Rheinland am Sonntag wurde als „Geheimtraining“ eingestuft, Zaungäste, die spionieren könnten, sind unerwünscht. „Ich wünsche mir“, sagte Veh auch noch, „dass es dann vor allem ein gutes Spiel wird, und der Bessere gewinnt.“ Widerspruch aus Düsseldorf muss er für diese Ansage nicht befürchten.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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