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Eintracht Frankfurt Alarm nach der Abfuhr

 ·  Was für ein Fehlstart: Die Eintracht wird beim 1:6 in Berlin desillusioniert. Der Trainer nimmt eine Teilschuld auf sich, das Team will sich entschuldigen - und nun kommen die Bayern.

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Immerhin endete der Abend versöhnlich. Als das Flugzeug mit den Frankfurter Verlierern aus der Hauptstadt kommend auf dem Rhein-Main-Airport landete, fand in einem Münchner Fernsehstudio die Live-Ziehung der zweiten Pokalrunde statt. Dabei meinte es die Glücksfee gut mit der Eintracht, die den VfL Bochum zugelost bekam. Der Zweitligaklub wird am 24. oder 25. September in der WM-Arena zu Gast sein. Es hätte mehr als ein Dutzend Optionen gegeben, bei der die Chancen auf ein Weiterkommen schlechter gewesen wären. Das Frankfurter Fußball-Lager kann fürs Erste angenehme Nachrichten wahrlich gebrauchen. Das 1:6 zum Auftakt bei Hertha BSC hat Mannschaft, Trainer, Funktionäre und Fans gleichermaßen desillusioniert.

Aller guten Dinge sind eben nicht immer drei. Die Hoffnung, dass sich der Aufwärtstrend der beiden vergangenen Spielzeiten nahtlos fortsetzt, wurde mit dem Fehlschlag in Berlin mächtig erschüttert. Dass es schwer werden würde, den gewachsenen Ansprüchen zu genügen, darauf weist Trainer Armin Veh schon länger hin. Spätestens seit der Deutsche Fußball-Bund im Sommer den Spielplan veröffentlichte, den die Frankfurter verwundert zur Kenntnis nahmen. Nicht minder betroffen reagierten er und die Klubverantwortlichen auf die Tatsache, dass sie es zwischen den Bundesligapartien gegen Bayern, Aufsteiger Braunschweig und Dortmund in der Europa League demnächst ausgerechnet mit jenem Team zu tun bekommen, dass mit über 4000 Kilometer Entfernung am weitesten von Deutschland weg liegt: Qarabag Agdam. Die Fußballgötter, so die allgemeine Meinung innerhalb des Klubs, haben in diesem Sommer kein so großes Herz für die Eintracht. Auch deswegen kommt der VfL Bochum demnächst gelegen.

Demonstrative Gelassenheit des Trainers

Veh nannte die Punktspielpflichten, die er und seine Spieler zum Auftakt zu bewältigen haben, auch in Berlin frei heraus „ein Scheißprogramm“, es gebe „nichts Gutes“, was er darin für die Eintracht entdecken könne. Die erste Liga-Dienstreise lieferte wenig Erbauliches, um seine Laune zu heben. Die Frankfurter, zu Beginn von den Zugängen Joselu, Rosenthal und Flum ergänzt (aber nicht verstärkt), präsentierte sich vor 54000 Zuschauern in Berlin von ihrer schlechtesten Seite. Das Team, das im ersten Abschnitt schnell hinten lag und dennoch beim Pausenstand von 1:2 dank eines von Alexander Meier verwandelten Strafstoßes (37.) nicht schwarz sehen musste, brach Mitte der zweiten Hälfte auseinander - und ließ sich fortan ohne erkennbaren Widerstand zum Spielball des Aufsteigers degradieren. Ramos (17., 71.), Brooks (32.), Allagui (58., 60.) und Ronny (89.) machten mit ihren Toren die Niederlage perfekt, die noch schlimmer hätte ausfallen können, wenn den Berlinern nicht dreimal die Latte in die Quere gekommen wäre. Und das einzige, was im Nachhinein bei der Betrachtung der Blamage positiv auffiel, war die Selbstkritik, mit der einige Eintracht-Protagonisten ihre Nicht-Leistung kommentierten. Pirmin Schwegler sprach von einem „herben Schlag. Wir sind tief getroffen, aber nicht k.o. Am ersten Spieltag steigt man nicht ab“. Der Kapitän appellierte, sich rasch der gefährlichen Situation bewusst zu werden: „Wer jetzt nicht weiß, woran wir sind, dem kann ich auch nicht mehr helfen“. Finanzvorstand Axel Hellmann betonte: „Das ist ausgesprochen unerfreulich gelaufen, das war eine richtige Abreibung.“ Marco Russ versprach, dass das Team sich „bei den Fans entschuldigen“ werde. Sebastian Rode nannte den unangenehmen Verlauf des Nachmittags „extrem bitter“. Der Aufsteiger sei die entscheidende Spur aggressiver gewesen. „Sie haben gekratzt und gebissen und mehr Laufbereitschaft gezeigt. Das ist das, was uns letzte Saison stark gemacht hat. Wir müssen dahin zurückkommen.“ Die Berliner setzten die Eintracht auch mit Ideen und Präzision beim Pass in die Spitze matt. „Wir haben mitgespielt, hatten aber keinen Zugriff vor allem auf Ramos, der die Bälle gut verteilt hat“, sagte Veh, der oft seinen Augen nicht traute: „Es sind so viele Dinge passiert, die sonst nicht passieren“, sagte der Eintracht-Coach und meinte damit hanebüchene Abwehrschnitzer. Eine Teilschuld an dem Fehlstart nahm der Trainer auf sich: Im zweiten Abschnitt stellte er um, kehrte zur alten Taktik zurück, dem 4-2-3-1. Das schien nach dem ersten Durchgang naheliegend. Doch Veh ärgerte sich im Nachhinein über den Schachzug. „Das war nicht gut von mir.“ Mit Flum und Rosenthal lief im Angriff wenig zusammen, nach ihrer Auswechslung dann gar nichts mehr.

Veh will der vor dem Duell mit dem Meister garantiert weiter keimenden Unruhe mit demonstrativer Gelassenheit begegnen: „Aktionismus gibt es bei mir nicht.“ Überhaupt sei es das „Blödeste, jetzt Stoff zu geben“. Vielmehr müssten alle „die Ruhe bewahren“ und die Fehler „sauber aufarbeiten“. Denn eines sei schließlich auch klar: „Wenn wir sie gegen Bayern wiederholen, kriegen wir zehn Stück.“

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