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Eintracht Arbeiten am Teamgefühl

 ·  Armin Veh, der Trainer von Eintracht Frankfurt, muss wieder einmal viele neue Spieler integrieren.

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Wie schnell der Wechsel vom Wohlfühlmodus in die Schmerzzone vonstatten geht, hat Pirmin Schwegler zuletzt am eigenen Leib erfahren. Für den Profi von Eintracht Frankfurt lief im Trainingslager in Feldkirchen an der Donau alles nach Plan - bis ihm ein Kollege in die Parade fuhr. Es war eine Trainingseinheit von vielen in der prallen Sonne, als der neue Torhüter Kevin Trapp seinen Kapitän in einem Übungsspiel so ungestüm von den Beinen holte, dass Trainer Armin Veh und die medizinische Abteilung schnell reagierten. Veh, Beobachter und Schiedsrichter der Partie in einem, gab Elfmeter, Ärzte und Physiotherapeuten kümmerten sich minutenlang um den angeschlagenen Schweizer. Der kam wieder auf die Beine und gab auf dem Fußweg zum Hotel, mit einem Verband an der Wade, Entwarnung: Alles halb so wild, das wird schon. Schweglers Motto des Tages hatte das Zeug zu mehr. Es könnte als Parole für den ganzen Verein vor der neuen Saison dienen: Wird schon werden.

Das setzt hohe Anforderungen voraus, und die gibt es tatsächlich auch bei der Eintracht im Ganzen. Denn es sind viele neue Spieler da, und es gibt, trotz der langen Sommerpause, wenig Zeit zusammenzufinden. „Wir müssen mehr machen als andere Mannschaften“, sagte Schwegler, „ich hoffe, dass wir uns als Mannschaft schnell finden.“ Es schwebte die Sorge über diesen Worten, dass das schwierig werden könnte. Acht neue Spieler haben zur Eintracht gefunden - Trapp, Aigner, Inui, Lanig, Celozzi, Oczipka, Occean, Demidov -, „relativ viele“, wie Schwegler vorsichtig sagte. Um hinzuzufügen: „Jedes Jahr sollte das nicht sein.“ Zumal noch ein Verteidiger, womöglich der österreichische Trainingsgast Paul Scharner, und ein weiterer Stürmer hinzukommen sollen.

„Es ist immer besser, wann man lange zusammen ist“

Schwegler will keinem Mitspieler zu nahetreten, sondern ein Grundgesetz des Profifußballs in Erinnerung rufen: Personelle Konstanz macht hohe Qualität wahrscheinlicher. In seinen Worten: „Es ist immer besser, wann man lange zusammen ist.“ Er wünsche sich das auch für die Eintracht und hoffe, „dass die Jungen sich bei uns gut entwickeln und lange bleiben“. Womit vor allem Sebastian Rode und Sebastian Jung gemeint waren. Und doch weiß er, dass für die Eintracht des Jahrgangs 2012/2013 noch andere Maßstäbe gelten. Schwegler, der seinen Vertrag schon bis 2015 verlängert hat, sagt, dass er die neue Mannschaft „noch nicht einschätzen“ könne. Für die meisten sei die Bundesliga Neuland, da gelte es erst einmal abzuwarten. Denn „es gehört viel dazu, sich durchzusetzen“.

Für den Einbau der Neuen und deren Verbesserung ist der Cheftrainer zuständig, und der machte in Feldkirchen einen zuversichtlichen Eindruck. Er sei mit dem Stand der Vorbereitung „sehr zufrieden“, sagte Veh, die Neuen seien „gut integriert“. Diese Integration ist meistens sportlicher Natur: Laufwege aufzeigen, die Spielweise Einzelner aufeinander abstimmen, Hierarchien entwickeln. Das ist eine Frage der Zeit. Manchmal kommen aber auch außersportliche Faktoren hinzu, die die Strecke des Einbaus verlängern. Der frühere Bochumer Takashi Inui zum Beispiel spricht kaum Deutsch und ist erst seit kurzem per Übersetzer leichter zu erreichen. „Es war schon schwieriger, ihn reinzuführen“, sagte Schwegler, der sich als Kapitän um die Integration der Neuen besonders intensiv kümmert. Bamba Anderson dagegen kennt das Umfeld in Frankfurt bestens, er war Stammspieler in der Aufstiegssaison. Nur kam er als Letzter ins Trainingslager nach Oberösterreich, weil er zuvor eine schwere Mandelentzündung auskurieren musste. Wie schnell er wieder vollständig belastbar sein wird und ob er beim Saisonstart im DFB-Pokal am 19. August bei Erzgebirge Aue und in der Bundesliga am 25. August gegen Bayer Leverkusen einsatzfähig sein wird, ist offen.

Veh ist erfahren genug, um den Herausforderungen Herr zu werden, außerdem geht es für ihn wie für die Eintracht um eine Wiederholung binnen kurzer Zeit. Vor der vergangenen Saison hatte er - ebenfalls gerade erst in Frankfurt angetreten - zehn neue Spieler einzubauen, denn nach dem Abstieg war ein personeller Neuanfang unerlässlich. Er brachte die Mission zu einem guten Ende, aber Pirmin Schwegler erinnert sich noch genau, dass es eine Weile dauerte, bis die Eintracht Fahrt in Richtung Wiederaufstieg aufnahm. „Wir hatten Probleme, uns zu finden“, sagte er, und er hoffe, dass das jetzt schneller gehe. Denn in einem anspruchsvolleren sportlichen Umfeld könne die Eintracht nur als homogene Gruppe bestehen. „Ein gutes Teamgefühl ist für uns extrem wichtig“, sagte er. Bei der Eintracht arbeiten gerade viele daran.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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