19.04.2012 · Das Stadthaus über dem Archäologischen Garten in Frankfurt wird nun doch gebaut werden. Darauf haben sich die Römer-Fraktionen von CDU und Grünen geeinigt.
Von Matthias Alexander, FrankfurtRichtlinien für Lesermeinungen
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Das Stadthaus, das keiner braucht
Die Stadt Frankfurt hat ein besonderes Geschick, ihre paar historischen
Bauten optisch zu entwerten: den Eschenheimer Turm durch schräge
Monstrositäten, die Alte Oper durch den Opernturm…, und
jetzt das Stadthaus, das keiner braucht. Dieter Bartetzko nannte die
Schirn „Mord am Dom“ – was fällt ihm zum
Stadthaus ein, das die Westsicht auf den Dom versperrt?
Die Blickachse zum Dom wird verbaut, im Grüneburgpark, der allen
gefällt, so wie er ist, sollen hingegen 100 Bäume sinnlos
gefällt werden, um „historische Blickachsen“
wiederherzustellen, man fasst sich an den Kopf. Zur
„Sanierung“ des Parks wurde ein Landschaftsarchitekt
engagiert – auch der trostlose Goetheplatz, wir erinnern uns gut,
ist das Werk einer Landschaftsarchitektin. Die Hauptwache dient nur noch
Fressbuden als Verkaufsplatz, im „Occupy“-Gelände,
vormals Taunusanlage, haben Obdachlose eine neue Heimstatt gefunden usw.
Aber egal, wir haben es ohnehin aufgegeben, in Frankfurt gestalterische
Vernunft zu erwarten.
"Nur Mitglieder einer Bürgerinitiative, die den freien Blick auf den Dom erhalten möchte, hatten sich zufrieden über den Sparvorschlag geäußert", schreiben Sie. Sie hätten noch erwähnen können, dass hinter dieser Initiative Tausende von Bürgern stehen, die sich mit ihrer Unterschrift bereits Tausende gegen den Stadthausbau ausgesprochen haben. Jedes freie Fleckchen zuzubetonieren halten nämlich längst nicht alle für eine tolle Idee.
Milchmädchenrechnung in Deutschlands Finanzmetropole
Die Refinanzierung des grässlichen Stadthauskomplexes soll durch die (bisher nicht geplante) Veräußerung entwickelter Altstadtobjekte erfolgen. Für wie dumm halten diese Politiker uns Frankfurter eigentlich? Die Stadt als öffentlicher Bauträger soll also Objekte planen und entwickeln und anschließend profitabel veräußern, um durch den Nettogewinn das Grüne Prestigeobjekt zu finanzieren? Das wäre ein in der Geschichte der Bundesrepublik wohl einmaliger Vorgang! Wer das glaubt, könnte genauso gut daran glauben, dass der Osterhase das Objekt finanzieren wird...
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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