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Aktualisiert: 05.12.2014, 07:59 Uhr

Flughafen Hahn Nun soll ein privater Investor ihn retten

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hofft, die Zukunft des Flughafens Hahn mit seiner Entschuldung und anschließender Privatisierung zu sichern. Doch wer soll diesen Airport kaufen?

von , Frankfurt
© dpa Manchmal richtig belebt: Der Flughafen Hahn im Hunsrück.

Eigentlich. Eigentlich müsste es dem Flughafen Hahn richtig gutgehen. Billigflieger haben sich als ein wichtiges Segment im Luftverkehr etabliert. Am Mittwoch erst hat sogar die leibhaftige Deutsche Lufthansa bekanntgegeben, sich weiter in diesem Teil des Marktes zu engagieren, mit einer eigenen Marke namens Eurowings für die Langstrecke. Und die Aktie von Ryanair, der Mutter aller Billigflieger in Europa, hat gestern an der Londoner Börse so hoch notiert wie nie zuvor, nachdem das irische Unternehmen Top-Zahlen gemeldet hatte. Keine Frage: Wenn die Billigfliegerei wächst und gedeiht, muss doch auch ein Billigflughafen davon profitieren.

Manfred  Köhler Folgen:

Tut der Hunsrück-Flughafen aber nicht. Vielmehr scheint es so, als habe er seine besten Zeiten hinter sich. Vier Millionen Passagiere waren 2007 auf dem Hahn ein- oder ausgestiegen. Im vergangenen Jahr waren es bloß noch 2,7 Millionen. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. „In der Passage geht es darum, das Niveau des Vorjahres zu halten“, sagte Geschäftsführer Markus Bunk Ende Oktober. Man unternimmt, was man kann, um den Flughafen auf dem Lande im Gespräch zu halten. Am 11.11. war sogar das Prinzenpaar aus Simmern zu Gast.

Hahn mit 132,8 Millionen Euro Schulden

Lange sah es so aus, als laufe es wenigstens mit der Luftfracht besser. Als die Fluggastzahlen schon sanken, stieg die umgeschlagene Tonnage noch. Seit 2012 ist aber auch sie rückläufig, auch in diesem Jahr. Nun soll der Flughafen, der zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen gehört, zumindest wirtschaftlich auf eine neue Grundlage gestellt werden. Gestern teilte die rheinland-pfälzische Landesregierung mit, sie habe das Konzept für eine Neuausrichtung gebilligt, das aus zwei Bausteinen besteht. Zunächst soll der Flughafen entschuldet, dann soll er ganz oder wenigstens zum Teil verkauft werden. Rot-Grün in Mainz sah sich zum Handeln gezwungen, nicht nur wegen der fortdauernd roten Zahlen des Betriebs auf dem Hunsrück, sondern auch wegen der EU-Kommission, die nicht will, dass Flughäfen ewig subventioniert werden. 2024 muss damit auf dem Hahn Schluss sein.

Die Sanierung des Airports ist für das Bundesland Rheinland-Pfalz schmerzlich, und das nicht nur, weil es sich sein Vorgehen eigens von der EU-Kommission billigen lassen musste. Von den 132,8 Millionen Euro Schulden der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH übernimmt das Land 121,9 Millionen, das Geld dafür wurde schon im Nachtragshaushalt des Landes für 2013 bereitgestellt. Den Rest soll der Flughafen selbst 2015 und 2016 tilgen. Zudem wird der Flughafen GmbH vom Land dadurch geholfen, dass es ihr für 18,7 Millionen Euro Grundstücke abkauft, die nach Darstellung von Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) vom Flughafen nicht benötigt werden.

Mutiger Investor gesucht

Das alles ist schon aufwendig genug, doch richtig kompliziert wird erst der zweite Schritt. Denn anschließend will das Land Rheinland-Pfalz seine Mehrheitsbeteiligung an der Flughafen-Gesellschaft in einem europaweiten Bieterverfahren an private Investoren verkaufen, wie Lewentz gestern weiter mitteilte. In Zeiten, in denen die Privatisierung von öffentlichen Betrieben gemeinhin als Teufelswerk gilt, muss man sich Wort für Wort durchlesen, warum die SPD-geführte Landesregierung dies beabsichtigt: weil Private „neue Geschäftsideen entwickeln“ und weil sie „das Land dauerhaft von Risiken des Betriebs entlasten“. In Mainz meint man also, einem mutigen Investor könnte das gelingen, was die Politiker im Aufsichtsrat der GmbH und die von ihnen eingestellten Geschäftsführer bisher nicht vermochten: den Flughafen so voranzubringen, dass er Geld verdient und nicht verbrennt.

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