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Veröffentlicht: 19.12.2015, 08:13 Uhr

Pitchclub Frankfurt Investorenjagd im Tattooshop

Existenzgründer mit Ideen gibt es genug in der Region und Investoren, die das Geld für den Aufbau von Unternehmen haben, auch. Der Frankfurter Pitchclub bringt beide Seiten unkonventionell zusammen – hart, aber fair.

von , Frankfurt
© Cornelia Sick Ring frei: Beim Frankfurter Pitchclub treffen Gründer wie Yedra Broeckx von Etaopt auf potentielle Investoren.

Constantin Buzgar ist ein Gründer, wie man ihn sich vorstellt. Ein großes, etwas knittriges Jacket. Ein blaues Hemd, das nicht in der Hose steckt. Jeans natürlich. Und Chucks. Als der 36 Jahre junge Mann selbstsicher die Bühne betritt, zieht er eine in roter Farbe gestrichene Holzbox auf Rollen Marke Eigenbau hinter sich her. Als Gründer ist es immer gut, potentiellen Investoren etwas vorführen zu können. Und genau deshalb ist Buzgar aus Freiburg nach Frankfurt gereist. Beim Frankfurter Pitchclub hofft er, Geldgeber oder Geschäftspartner zu finden. Menschen, die wie er an das Fluid glauben, das er wenig später in die Maschine schüttet, die er aus der roten Box hervorgeholt hat.

Sechs Minuten für die eigene Idee

Daniel Schleidt Folgen:

Es ist nicht einfach, komplexe Produkte in den sechs Minuten zu erklären, die hier jeder Gründer zur Verfügung hat. Doch Buzgar macht seine Sache gut und versucht es mit der kleinen Maschine. Sie soll zeigen, dass sein geheimnisvolles Fluid in industriellen Prozessen, bei denen Metall auf Metall trifft, deutlich weniger Reibung erzeugt als herkömmliches Öl – und damit für weniger Energieverbrauch und Verschleiß sorgt.

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Potentielle Geldgeber gibt es genug im Raum. Im ersten Stock des „Legends“ an der Stephanstraße in der Frankfurter Innenstadt, sonst Bar, Barbershop und Tattoostudio in einem, sind die Stühle eng gestellt, und dennoch müssen viele Gäste stehen. Die wenigsten tragen Kostüm oder Anzug, und jene, die mit Jacket kommen, legen es schnell ab. Es ist warm, und alles wirkt provisorisch. Aber genau so soll es wohl sein.

Harte Worte und kritische Fragen sind ausdrücklich erwünscht

„Wir wollen die Mentalität von Gründern widerspiegeln“, sagt Daniel Kuczaj, einer der vier jungen Männer, die den Pitchclub gegründet haben. Kuczaj trägt ein enges Shirt über einem Hemd, hat die Ärmel hoch gekrempelt. Er sagt die Gründer an, die hier präsentieren, und unterbricht sie abrupt, sobald die sechs Minuten abgelaufen sind: Zwei Männer, die für Container werben, in denen sie Solarpanels nach Afrika liefern und so Strom an abgelegene Orte bringen; eine junge Frau, die Systeme vorstellt, bei denen die energieaufwendige Druckluft in industriellen Prozessen ersetzt wird; zwei Herren, die Finanziers für ihre Blockheizkraftwerke suchen. Wenn sie fertig sind, dürfen die Investoren Fragen stellen. Sie sind kurz, knapp, kritisch: Wie viel Geld braucht ihr? Wo wollt ihr wachsen? Und warum ist der CEO nicht selbst hier?

Name, Format und Logo des Pitchclubs sind an den Film „Fight Club“ angelehnt, in dem sich Brad Pitt und Edward Norton in archaischen Mann-gegen-Mann-Kämpfen mit anderen duellieren – hart, aber fair. „Die Analogie ist bewusst gewählt“, sagt Kuczaj. Harte Worte und kritische Fragen sind ausdrücklich gewünscht.

Patrick Mijnals ist das gewohnt. Der 36 Jahre alte Jungunternehmer hat schon rund 150 Mal seine Geschäftsidee präsentiert und spult sein Programm professionell ab. Mijnals hat die weltweit erste Crowdfunding-Plattform für Projekte zum Thema Energieeffizienz gegründet. Bei Bettervest können Menschen zwischen 50 und 10.000 Euro in neue Beleuchtungstechniken, Blockheizkraftwerke und Klimatechnologien investieren. Seit August 2013 haben 30 Start-ups über die Seite zwei Millionen Euro eingesammelt. Die Investoren erhalten ihr Geld bei Erfolg zurück und profitieren fortan von potentiellem Wachstum.

„Es ärgert uns, dass alle in Berlin das gelobte Land sehen“

Mijnals möchte im nächsten Jahr Fördergelder der Europäischen Union beantragen, braucht dafür Eigenkapital und sucht deshalb Geldgeber. Mit Erfolg: Nach seinem Vortrag spricht ihn ein potentieller Investor an, nächste Woche soll es weitere Gespräche geben.

Die Entstehung des Pitchclubs vor zwei Jahren ist selbst eine typische Gründerstory. Zu ihr gehören vier Freunde, eine Party, ein paar Drinks, und am Ende stand auf einer Serviette ein Konzept, das die Gründer an diesem Donnerstag, bei der sechsten Ausgabe der Veranstaltung, als erfolgreichstes Pitchformat der Rhein-Main-Region bezeichnen. Kuczaj hat als Beleg für diese These Zahlen parat: Seit Sommer 2014 habe der Club auf fünf Veranstaltungen 38 ausgewählte Start-ups mit 150 Investoren zusammengebracht, 40 Prozent der Gründer hätten daraufhin eine Geldspritze bekommen, insgesamt mehr als sieben Millionen Euro. „Das kann sich sehen lassen.“

Kuczaj und seine Freunde wollen die Gründerkultur in Frankfurt stärken. „Es ärgert uns, dass alle in Berlin das gelobte Land für Gründer sehen“, sagt er. Dabei habe Frankfurt alle Voraussetzungen für eine florierende Start-up-Szene: Unternehmen, Hochschulen, Infrastruktur und Kapital. Der Pitchclub will die Akteure zusammenbringen und ein Ökosystem schaffen, aus dem erfolgreiche Unternehmen entstehen sollen.

Ein wahrer Gründer gibt nicht auf

Bei der Tee-Fee ist das gelungen. Im Sommer 2014 präsentierten Marco Rühl und Jill-Evelyn Erlach beim Pitchclub ihre Idee, Kindertees statt mit Zucker mit dem Extrakt der Stevia-Pflanze zu süßen – frei von Kalorien und zudem noch zahnfreundlich. Um die Produktionskosten zu finanzieren, brauchten sie Geld. Über den Club gelangten sie an einen Investor, der mit einer sechsstelligen Summe einstieg – und jetzt Gesellschafter ist.

Constantin Buzgar hat noch keinen Investor gefunden. Er hebt die Hände und spreizt auf beiden Seiten Daumen und Zeigefinger auseinander: „Zwei solche Ordner mit Visitenkarten habe ich gesammelt.“ Ein Investor war letztlich nicht dabei. Auch beim Pitchclub hat er gute Gespräche geführt. „Aber das heißt ja noch nichts.“ Zwei Jahre reist er nun schon durch Deutschland, „jedes Jahr 60.000 Kilometer“. Doch er gibt nicht auf. Neulich habe er bei einem zehntägigen Aufenthalt in Schweden mehr erreicht als in zwei Jahren in Deutschland. „In Skandinavien sind die Menschen offener für Neues“, sagt er. Also reist er bald wieder dorthin, um für seine Flüssigkeit zu werben. „Wenn ich es hier in Deutschland nicht schaffe, dann eben woanders.“ Es ist die richtige Einstellung für einen Gründer.

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