Ein Jahr vor der Bundestagswahl im Sommer oder Herbst 2013 ist jetzt das Rennen um die Kandidaturen in den beiden Frankfurter Wahlkreisen eröffnet worden. Bisher haben vier Frankfurter SPD-Politiker ihren Anspruch angemeldet, für ihre Partei anzutreten. Derzeit gehört kein Frankfurter Sozialdemokrat dem Bundestag an.
Auch bei der CDU könnte es zumindest im Wahlkreis 183 zu Kampfkandidaturen gegen die bisherige Wahlkreisinhaberin und Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach kommen. Interesse an einer Bewerbung sollen die Landtagsabgeordnete Bettina Wiesmann und der Vorsitzende der Jungen Union Frankfurt, Ulf Homeyer, haben.
Zwei weitere Personen denken darüber nach
Im Wahlkreis183, der vor allem den Frankfurter Osten umfasst, tritt als neue Bewerberin die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Dornbusch, Sylvia Kunze, gegen Uli Nissen an. Diese ist Chefin der Frankfurter SPD-Frauen und wurde vor kurzem wieder in den Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen gewählt. Bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009 war Nissen Direktkandidatin der SPD, verlor aber beide Male gegen Steinbach. Auch der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Gregor Amann, der 2005 den Wahlkreis182 im Norden und Westen Frankfurts gewonnen, ihn aber 2009 an den CDU-Politiker Matthias Zimmer verloren hatte, bekommt in Muzaffer Yilmaz, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Westend, einen Konkurrenten.
Zwei weitere SPD-Politiker sollen über eine Kandidatur für den Wahlkreis183 nachdenken. Nissen nannte es einen Gewinn für die SPD, dass sich in ihrem Wahlkreis mindestens eine weitere sozialdemokratische Kandidatin bewirbt: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Schon im Oberbürgermeisterwahlkampf sei es für die SPD von Vorteil gewesen, dass mit Peter Feldmann und Michael Paris sich zwei Bewerber um die Kandidatur bemüht hätten. Durch den parteiinternen Wahlkampf sei die SPD mobilisiert und die Frankfurter Wählerschaft aufgeweckt worden.
Stärkere Regulierung der Finanzmärkte gefordert
Sowohl Nissen und Kunze wie auch Amann und Yilmaz haben sich gegenseitig eine faire Auseinandersetzung versprochen. Die beiden Frauen, die dem linken Flügel der SPD zugerechnet werden, möchten den etwa 20SPD-Ortsvereinen im Wahlkreis gemeinsame Termine anbieten, auf denen sie sich vorstellen wollen. Die Entscheidung für den Wahlkreis183 wird auf einer Delegierten-Konferenz am 22.November fallen. Schon vorher, am 20.November, stimmen die Delegierten für den Wahlkreis182 über Amann, Yilmaz und gegebenenfalls weitere Bewerber ab.
Die beiden neuen Kandidaten Kunze und Yilmaz gehören dem Vorstand der Frankfurter SPD an. Kunze, von Beruf Controllerin, stammt aus Friedrichroda in Thüringen. Die Zweiunddreißigjährige hat für die Frankfurter SPD maßgeblich das Projekt eines Bürgerhaushalts mitentwickelt und sich im Team von Peter Feldmann in dessen Oberbürgermeister-Wahlkampf engagiert. Sie setzt sich für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte und ein gerechteres Wirtschaften ein.
„Faire Löhne“ und „gute Arbeit“
Der ebenfalls 32Jahre alte Yilmaz ist ein Finanzfachmann, der in der Wertpapieraufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht arbeitet. Die Themen Finanzmarkt-Regulierung und Sicherung des Rentensystems will er in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs stellen. Yilmaz stammt aus Bad Oeynhausen, ist seit 2002 Mitglied der SPD und Mitbegründer zweier deutsch-türkischer Institute. Sein Ortsverein Westend hat ihn auf einer Mitgliederversammlung einstimmig nominiert.
Mit Nissen, Kunze und Yilmaz machen sich drei Vertreter der SPD-Linken Hoffnungen auf eine Kandidatur und auf ein Bundestagsmandat. Amann wird als Vertreter der pragmatischen Netzwerker dagegen dem rechten SPD-Flügel zugerechnet. Mit der Niederlage der SPD bei der Bundestagswahl 2009 verlor er sein Mandat und legte in selbstgewählter Konsequenz sein Amt als stellvertretender Frankfurter SPD-Vorsitzender nieder. Der Neunundvierzigjährige kehrte damals zur Lufthansa zurück, für die er als Angestellter am Frankfurter Flughafen arbeitet. Er sieht sich als Interessenvertreter der kleinen Leute, die seiner Meinung nach ein Recht auf einen auskömmlichen Lohn haben. Entgegen der Linie seiner Partei hat der Wehrdienstverweigerer Amann als Bundestagsabgeordneter immer gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr gestimmt. Damit will er fortfahren, sollte er wieder ein Bundestagsmandat bekommen.
Nissens Schwerpunkt liegt ebenfalls auf dem Thema „faire Löhne“ und „gute Arbeit“. Nur wenn die Arbeitnehmer ordentlich bezahlt werden, kann ihrer Ansicht nach Altersarmut vermieden werden.