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Ein Jahr nach Teheran-Reise : So mancher Mittelständler trotzt Trumps Iran-Politik

Hält an Iran-Geschäft fest: Unternehmer Stephan Welp, Anbieter von Hochleistungs-Scannern will Kontakte in Teheran ausweiten Bild: Wolfgang Eilmes

Mit der Hoffnung auf neue Geschäfte kamen Mittelständler vor einem Jahr von einer Reise aus Iran zurück. Die Wahl Trumps hat Pläne zunichtegemacht – aber nicht alle. Es kommen sogar iranische Banken nach Frankfurt.

          Adolf Walth hat nicht lange gefackelt. Kaum war Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, hat Walth alle gerade erst errichteten Brücken nach Iran wieder abgebrochen. Monatelang hatte der Iran-Beauftragte des Industriegase-Herstellers Messer Group mit Sitz in Bad Soden gemeinsam mit der iranischen Frau eines Mitarbeiters in der Schweiz alte Kontakte wiederaufleben lassen, die durch das jahrelange Wirtschaftsembargo gegen Iran eingeschlafen waren. Im Juli vergangenen Jahres, ein halbes Jahr nach dem Ende der Sanktionen, war eine Delegation des Unternehmens mit drei Aufträgen von iranischen Gase-Anbietern aus der Hauptstadt Teheran zurückgekehrt. Doch seit Trumps Wahl ist alles anders.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Amerika behält sich Strafen gegen Firmen mit Geschäftskontakten nach Iran vor. Das trifft etwa für Fälle zu, in denen der jeweilige iranische Geschäftspartner mit Personen in Verbindung gebracht wird, die in den Vereinigten Staaten nicht wohlgelitten sind. Das gilt zum Beispiel für Angehörige der Revolutionsgarden, der paramilitärischen Organisation zum „Schutz des Regimes“ in Teheran, der großer Einfluss auf das Wirtschaftsleben in Iran nachgesagt wird. Nun ist aber nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, ob ein Mitglied dieser Gruppe ein Gesellschafter eines Betriebs ist.

          „Trumps Politik ohne Einfluss auf uns“

          Vor diesem Hintergrund tun sich Banken und Unternehmen, die auch Geschäfte mit Amerika machen, mit Iran schwer. Trumps Auftritt vor der Vollversammlung der Vereinigten Nationen in dieser Woche, in dessen Verlauf er Iran als „Schurkenstaat“ beschimpft hat, dürfte diese Zurückhaltung weiter befördern. Und Walth in der Auffassung bestärken, dass seine Kehrtwende richtig gewesen ist. Der Messer-Mann hat sämtliche Verträge mit iranischen Unternehmen an kleine Firmen weitergereicht, wie er mit Bedauern sagt.

          Bei der Hessen Trade & Invest GmbH heißt es: „Grundsätzlich müssen wir feststellen, dass das Interesse an Iran von Seiten der Unternehmen spürbar nachgelassen hat.“ So meldeten sich weniger Firmen als 2016 für Messen an.

          Dagegen lässt sich Stephan Welp nicht von dem Gepolter des amerikanischen Präsidenten einschüchtern. Der geschäftsführende Gesellschafter von Microbox in Bad Nauheim will seine Hochleistungs-Scanner, die schon in 2300 Bibliotheken verschiedener Ländern stehen, auch in Iran weiterhin verkaufen. Im vergangenen September war Welp einer jener Mittelständler aus Hessen, die Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) nach Teheran begleiteten. Dort geriet er an eine Frau, die im Tee-Geschäft tätig ist. „Tee ist nicht so mein Ding“, sagt der Unternehmer. Gleichwohl verschaffte er der Iranerin einen Geschäftskontakt in Deutschland. Im Gegenzug bot sich die Frau ihm als Mitarbeiterin in ihrem Heimatland an. Im Oktober kommt sie nun zu Microbox. Dort soll sie etwas über Vertrieb und Marketing der Wetterauer Firma lernen – und anschließend in Iran für den Vertriebspartner Welps arbeiten. Neue Geschäfte erhofft er durch die Absicht der Iraner, die Justiz nach und nach zu digitalisieren. Zu diesem Zweck müssten ungezählte Gerichtsakten gescannt werden.

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