Home
http://www.faz.net/-gzg-78z86
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Eichenprozessionsspinner Hubschrauber-Einsatz gegen haarige Raupen

Von der Luft aus werden Bäume im Frankfurter Stadtwald besprüht werden, um Eichenprozessionsspinner zu vernichten. Das Nesselgift der Raupen kann starke Allergien auslösen. Die Bekämpfung kostet 150.000 Euro.

© ddp Vergrößern Plage im Laubwald: ein Nest mit Raupen des Eichenprozessionsspinners

Auch in diesem Jahr wird die Stadt wieder gegen die haarigen Raupen des Eichenprozessionsspinners vorgehen. Dazu sollen 156 Hektar im Frankfurter Stadtwald per Hubschrauber und in den nächsten Wochen darüber hinaus rund 5600 Eichen vom Boden aus mit dem Insektizid Dipel ES besprüht werden. Wie das Grünflächenamt mitteilt, werden der Fechenheimer Wald sowie der Stadtwald in Oberrad, Sachsenhausen und Niederrad überflogen. Die betroffenen Flächen werden kurzfristig abgesperrt, damit niemand mit dem Sprühnebel in Berührung kommt.

Mechthild Harting Folgen:  

Nach Angaben des Grünflächenamts gilt Dipel ES als biologisches Präparat. Schädliche Auswirkungen des Mittels auf Mensch und Tier sind nicht bekannt. Der Wirkstoff von Dipel ES wird seit mehr als 30 Jahren zur großflächigen Bekämpfung der Stechmücken in der Rheinebene eingesetzt.

Gift wirkt nach dem Fressen

Das Grünflächenamt wartet in jedem Jahr, bis die Blätter der Eichen deutlich zu erkennen sind. Derzeit seien die jüngsten Blätter fast fünf Zentimeter groß. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners ernähren sich von den Blättern und nehmen dabei auch das Vertilgungsmittel auf. Es wirkt über den empfindlichen Darm der Raupen, so dass sie innerhalb weniger Tage eingehen.

Entscheidend für die Bekämpfung ist, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Denn die Raupen durchlaufen fünf bis sechs Stadien, ehe sie sich verpuppen und später zu unscheinbaren grau-braunen Faltern werden, die eher an Motten erinnern als an Schmetterlinge. Vom zweiten Stadium an bilden die Raupen die relativ langen Brennhaare aus. Sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, das bei vielen Menschen zu allergischen Reaktionen auf der Haut und zu Reizungen der Atemweg führt. Experten schätzen die Raupen als sehr gesundheitsschädlich ein, zumal der Wind die Härchen verbreitet und sie auch noch ihre Wirkung entfalten, wenn die Raupen längst zu Faltern geworden sind. Im September 2011 hatten Schüler der Helmholtzschule in der Pause mit einem verlassenen Nest der Eichenprozessionsspinner Fußball gespielt. Viele Schüler klagten anschließend über große Pusteln auf der Haut und starken Juckreiz, einige von ihnen hatten so starke Beschwerden, dass sie ins Krankenhaus mussten.

Mehr zum Thema

Die sogenannten Gespinstnester bilden die Raupen am Stamm und in Astgabeln von Eichen. Dorthin ziehen sie sich tagsüber zurück und wenn sie sich häuten. Zur Nahrungsaufnahme bewegen sich die Raupen in größeren Gruppen an den Bäumen, und zwar hintereinander weg wie in einer Prozession - daher der Name Prozessionsspinner. Der Falter stammt aus dem Süden, breitet sich wegen des Klimawandels aber immer weiter nach Norden aus und hat mittlerweile auch Brandenburg und Berlin erreicht.

Bekämpfung kostet 150.000 Euro

Bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners im Stadtwald konzentriert sich das Grünflächenamt auf vielbesuchte Orte wie den Waldspielpark Carl von Weinberg, den Tannenwald, den Scheerwald, den Goetheturm und den Heinrich-Kraft-Park sowie auf die Waldfriedhöfe in Goldstein und Oberrad. Auch rund um das Stadtwaldhaus soll möglichst niemand mit den Raupenhaaren in Berührung kommen. Ein besonderes Augenmerk richtet die Behörde darüber hinaus auf die Eichen, die auf Höfen von Kindergärten und Schulen sowie in den Grünanlagen stehen. Die gesamte Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner kostet die Stadt rund 150.000 Euro.

Das Amt bittet diejenigen, die Eichenprozessionsspinner an Bäumen entdecken, dies dem Grünflächenamt zu melden. Befinden sich die Raupen auf Privatgelände, ist es Aufgabe der Grundstücksbesitzer, sie entfernen zu lassen. Die Stadt kann aber Auskunft über Firmen geben, die Raupen und Nester beseitigen. Informationen gibt es beim Grünflächenamt unter der Telefonnummer 21 22 09 91 oder beim Umwelttelefon unter der Nummer 21 23 91 00.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Alles im grünen Bereich Den Baum sie sollen lassen stân

Es stand eine einsame Birke im Felde, und keiner kam sie fällen. Ich gehe im Wald spazieren und werde sie dort fällen (russisches Volkslied). Mehr Von Jörg Albrecht

14.03.2015, 12:15 Uhr | Wissen
Haarige WM Der schönste Bart der Welt

Prämiert wurde in insgesamt 17 Kategorien: Darunter Englischer Schnurrbart oder Kinnbart, natur. Madison Rowleys Vollbart Garibaldi aber sei der schönste von allen, so die Preisrichter. Mehr

27.10.2014, 16:14 Uhr | Gesellschaft
Ausstellung in Dresden Zweierlei Romantik

Berge, Eichen, Meeresufer: Eine Ausstellung im Albertinum Dresden zeigt die Werke der so gegensätzlichen Malerfreunde Caspar David Friedrich und Johan Christian Dahl. Doch ein wichtiges Gemälde fehlt. Mehr Von Camilla Blechen

17.03.2015, 09:10 Uhr | Feuilleton
Rundgang Jetten 50 Multi Purpose

Ein Video-Rundgang auf der Jetten 50. Kirsche, Eiche, Nussbaum, dazu hellgepolsterte Paneele lösen im innovativ gestalteten Innern das Althergebrachte ab. Der Designer sagt, es seien Schiffe aus Stahl, aber keine typischen Stahlschiffe mehr. Mehr

10.02.2015, 17:00 Uhr | Technik-Motor
Frankfurter Zeitung 15.03.1915 Den Gefallenen zur Ehre

Würdig und Schlicht, ernst und erhaben – mit diesen Worten wird ein einzigartiges Projekt zum Gedenken der Gefallenen beschrieben. Wie die neue Grabstätte aussehen soll, verrät die Frankfurter Zeitung am 15. März 1915. Mehr

15.03.2015, 00:00 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.05.2013, 23:21 Uhr

Teure Hochzeit

Von Ingrid Karb

Der Zusammenschluss der Kliniken wird teuer für die Stadt Frankfurt und den Main-Taunus-Kreis. Bleibt zu hoffen, dass das Geld ausreicht, damit die Diskussion über kommunale Kliniken nicht neu hochkocht. Mehr