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Terrorverdächtiger Franco A. : „Ehrgeizig, korrekt und offen“

Soldat der deutsch-französischen Brigade in der Kaserne im französischen Illkirch, in der auch Franco A. Dienst tat Bild: dpa

Bekannte des terrorverdächtigen Oberleutnants Franco A. in Offenbach rätseln über seine Motive. Derweil sind auch mutmaßliche Anschlagsziele in Frankfurt bekannt geworden.

          Nach jüngsten Erkenntnissen könnte der unter Terrorverdacht stehende Bundeswehrsoldat Franco A. einen Anschlag im Rhein-Main-Gebiet geplant haben. Die Zeitung „Die Welt“ berichtete, in der Wohnung des gebürtigen Offenbachers sei eine Liste gefunden worden, aus der das hervorgehe. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür zwar nicht. Aus Sicherheitskreisen heißt es aber, es gebe Dokumente, die dahingehend interpretiert werden könnten. So soll auf dieser Liste, die unter anderen den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck und weitere Politiker sowie öffentliche Einrichtungen aufführt, auch der Punkt „Sprengung Rothschild-Stein in Frankfurt“ aufgeführt sein. Ob damit der Güterstein im Rothschildpark gemeint war oder die Stele im Grüneburgpark, blieb unklar. Beide Denkmäler erinnern an die Familie Rothschild. Falls eine Gefahr überhaupt bestanden habe, dann habe sie sich zumindest noch nicht konkretisiert, heißt es dazu in hessischen Justizkreisen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für die Stadt und den Kreis Offenbach.

          Recherchen dieser Zeitung haben ergeben, dass Franco A. schon früh das Ziel hatte, Berufssoldat zu werden. Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung habe es jedoch nicht gegeben, heißt es aus seinem früheren Umfeld. Indizien hierzu liegen inzwischen jedoch in erheblichem Umfang vor. Nicht zuletzt deswegen hatte die Bundesanwaltschaft recht schnell die Ermittlungen gegen den Achtundzwanzigjährigen von der Frankfurter Staatsanwaltschaft übernommen; diese war zunächst zuständig, weil A. zwar in Frankreich stationiert war, aber mit erstem Wohnsitz immer noch in Offenbach gemeldet ist. Ein Prozess gegen ihn würde daher vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt geführt werden.

          Zunehmend vom Hass auf Fremde und Linke getrieben

          Der Vorwurf gegen A. lautet unter anderem, er habe eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet. Wie und gegen wen diese verübt werden sollte, ob allein oder von einer rechtsextremen Zelle, das ist immer noch offen. Die Biographie des Oberleutnants, wie sie sich für die vergangenen drei Jahre rekonstruieren lässt, ergibt das Bild eines intelligenten jungen Mannes, der aber offenbar zunehmend vom Hass auf Fremde und Linke getrieben war. Zumindest ansatzweise würden solche Motive die teilweise absurd anmutende Geschichte erklären, die die Bundeswehr erschüttert und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wie den Bundesinnenminister in Erklärungsnot bringt.

          Franco A., Jahrgang 1989, wuchs in Offenbach auf, als Sohn eines Italieners und einer Deutschen. Die Familie habe in der Nähe der Carl-Ulrich-Brücke gewohnt. Der Junge besuchte die Schillerschule, eine integrierte Gesamtschule mit den Klassen fünf bis zehn. In der Ausgabe der Schülerzeitung „Der Maulwurf“ vom Juli 2005 sind Fotos der Abgangsklassen des Jahrgangs 10 zu finden, darunter auch jener von Franco A. Die Schulleitung der Offenbacher Schillerschule war gestern nicht zu erreichen. Nach der zehnten Klasse und dem Realschulabschluss wechselte er auf ein Frankfurter Gymnasium, um dort sein Abitur abzulegen.

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