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Einstige KZ-Außenstelle : Aus Prügelkeller wird Begegnungsstätte

Bodendenkmal und historischer Lernort: Einstige KZ-Außenstelle Walldorf Bild: Wolfgang Eilmes

Die ehemalige „KZ Außenstelle Walldorf“ bekommt eine gläserne Schutzhülle und wird zum Lernort. In dem auch aktuelle Fragen diskutiert werden.

          Es hat nicht viel gebraucht, um „in den Keller“ zu kommen. Wenn eine Gefangene im Wald einen essbaren Pilz pflückte oder sich mit einem leeren Zementsack vor der Kälte zu schützen versuchte, ließ die Strafe meist nicht lange auf sich warten. Weil sich die Frauen aus Sicht ihrer Peiniger im „KZ Außenlager Walldorf“ damit „an deutschem Volkseigentum“ vergingen. Dafür wurden sie, wie Betroffene später berichteten, im Keller unter der Küchenbaracke so sehr geschlagen und gequält, dass nicht wenige an den schweren Verletzungen starben.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Binnen dreier Monate, vom 23. August bis zum 24. November 1944, dürften rund 60 der von den Nazis am Rande des Frankfurter Flughafens inhaftierten Frauen zu Tode gekommen sein; etliche davon auch wegen Unterernährung, Erfrierungen und unbehandelter Krankheiten. Letztlich hatten laut Cornelia Rühlig, Vorstandsvorsitzende der Margit-Horváth-Stiftung und Museumsleiterin der Stadt Mörfelden-Walldorf, etwa 350 der nach Walldorf geschickten 1700 jüdischen Frauen aus Ungarn, die später in andere Konzentrationslager verbracht wurden, das Kriegsende erlebt.

          Küchenbaracke 1950 gesprengt

          Um an die Opfer zu erinnern, wird im Wald bei Walldorf derzeit die kleine Gedenkstätte ausgebaut, was bis 25. September abgeschlossen sein soll. Dass der Keller unter der 1950 gesprengten Küchenbaracke, die wie das ganze Lager damals dem Erdboden gleichgemacht werden sollte, überhaupt wieder zu sehen ist, hat mit der Beharrlichkeit von drei Studenten zu tun. Den jungen Anhängern der Kommunistischen Partei war Anfang der siebziger Jahre bei einem Besuch im KZ Buchenwald aufgefallen, dass es in ihrer Heimatgemeinde offenbar eine Außenstelle des im Elsass eingerichteten KZ Natzweiler-Struthof gegeben haben musste - mit hölzernen Unterkünften, Wachtürmen und Stacheldraht.

          Von dort aus wurden die jungen Ungarinnen zum Flughafen gebracht, um beim Bau der betonierten Rollbahn zu helfen, was von den Nazis als „kriegsentscheidende Maßnahme“ eingestuft worden war. In Walldorf mochten sich nach 1945 nur wenige daran erinnern, wer genau die Schwerstarbeit am Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main zu leisten hatte - und zu welchem Preis.

          Das ist im Laufe der Zeit anders geworden. Heute erinnern ein Gedenkstein und ein zwei Kilometer langer Lehrpfad ans „KZ Außenlager“; und an der Nordendstraße steht ein Hinweisschild, das den Weg zu jenem Platz im Wald zeigt, der jetzt für mehr als 500 000 Euro zu einem überdachten Erinnerungs- und Lernort mit Seminarraum ausgebaut werden soll. Über Jahre hinweg haben Jugendgruppen in den von der Horváth-Stiftung organisierten „work & study camps“ mitgeholfen, den alten Folterkeller - respektive die erhaltenen Wände und Treppenstufen - freizulegen. In den nächsten Wochen soll der knapp 200 Quadratmeter großen Ausgrabungsfläche eine schützende Stahl-Glas-Konstruktion übergestülpt werden, um den „authentischen Ort“ zu bewahren, wie Rühlig gestern bei einem Besuch der vom Architektenbüro Wagner und Ewald geleiteten Baustelle sagte.

          Auftraggeber und Betreiber des Studienhauses ist die Stiftung, deren Name auf eine Holocaust-Überlebende zurückgeht. Der Sohn der 2001 verstorbenen Margit Horváth vertraute der Stadt als Grundstock für die Stiftung das „Entschädigungsgeld“ an, das seine Mutter einst erhalten hatte. Das Gedenkprojekt wird darüber hinaus unter anderem von der Stiftung Flughafen, den Städten Mörfelden-Walldorf und Frankfurt sowie weiteren Partnern unterstützt. Das Gebäude solle nicht nur Gedenkstätte sein, vielmehr gehe es darum, mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern auch aktuelle Fragen zu diskutieren: etwa jene, wie Gesellschaften heutzutage mit ihren Minderheiten umgehen.

          Quelle: F.A.Z.

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