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Edwin Schwarz Auf dem Boden der Tatsachen, nicht im Himmel der Ideen

 ·  Zehn Jahre führte Edwin Schwarz das Planungsdezernat, 40Jahre saß er im Römer. Viele Projekte bleiben mit seinem Namen verbunden, aber er hinterlässt seinem Nachfolger auch viel Arbeit.

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An Selbstunterschätzung scheint Edwin Schwarz nicht zu leiden. „Was ich in dieser Stadt alles bewegt habe“, brüstet sich der Planungsdezernent, der heute in den Ruhestand verabschiedet wird, in letzter Zeit recht häufig. Damit seine Verdienste um die Stadtentwicklung nicht übersehen werden, hebt er sie bei verschiedenen Gelegenheiten geradezu überdeutlich hervor. Beim Spatenstich zum Einkaufszentrum Skyline Plaza zum Beispiel oder bei der Eröffnung einer kleinen Martin-Elsaesser-Ausstellung, in der auch ein Modell der in den Neubau der Europäischen Zentralbank integrierten Großmarkthalle zu sehen ist: „Ohne mich hätt’ es das nicht gegeben“, entfährt es ihm da.

Ohne Zweifel bleiben viele Projekte mit seinem Namen verbunden, die EZB ist nur ein Beispiel, auch die Verlagerung der Universität auf den gelungenen Campus im Westend, der Bau von markanten Hochhäusern wie dem Opernturm und die Neuplanung für das Degussa-Areal fallen in seine Amtszeit. Man könnte die Liste lang fortschreiben. Doch wie es so ist mit demonstrativem Eigenlob: Darin schwingt immer auch die Sorge mit, dass die anderen die eigene Leistung vielleicht weniger euphorisch beurteilen könnten. Dass sie sagen könnten, ohne ihn wäre im dynamischen Frankfurt nicht weniger passiert.

Im Partykeller hängt ein Foto

Schwarz, der vor seiner Amtszeit am Herder-Gymnasium Erdkunde und Sozialkunde unterrichtete, ist ein Ur-Gewächs der Frankfurter CDU. Wie in der Kommunalpolitik üblich, wird nicht ein Experte zum Fachdezernenten gemacht, also etwa ein Architekt oder Stadtplaner. Vielmehr kommen Politiker zum Zug, die sich im politischen Geschäft bewährt haben. Schwarz hat die sprichwörtliche Ochsentour nicht nur unbeschadet überstanden, er ist die Karriereleiter in der Frankfurter CDU früh und kontinuierlich emporgestiegen. Noch als Student an der Goethe-Universität war er 1970 mit 22 Jahren in die Partei eingetreten und zog schon zwei Jahre später in die Stadtverordnetenversammlung ein.

Dort stieg er bis zum Fraktionsvorsitzenden auf, 1999 wurde er Dezernent für Wirtschaft und Sicherheit. Im Partykeller seines Reihenhauses in Bergen-Enkheim erinnert ein Foto an den Moment seiner Ernennung. Es zeigt ihn, strahlend, mit Petra Roth, am 24.Juni 1999. Ein Jahr später wurde er schließlich Planungsdezernent, trotz parteiinterner Widersacher. Das Amt hatte er, der jahrelang Vorsitzender des Planungsausschusses gewesen war, schon lange zuvor angestrebt. Die größte Machtfülle hatte er seit 2007 als für Planen, Bauen, Wohnen und Grundbesitz zuständiger Stadtrat. Unangreifbar war er in den eigenen Reihen nicht. Parteifreund Jochem Heumann hat stets durchscheinen lassen, dass er sich für den geeigneteren Dezernenten hielt. Weil er die Akten oft besser kannte, fiel es ihm leicht, Schwarz das Leben schwerzumachen, gern auch öffentlich. Doch Schwarz hat Heumann politisch ebenso überlebt wie die bissigen Angriffe des SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Oesterling, seines bevorzugten Sparringspartners in Stadtparlament und Planungsausschuss.

Nicht vom Fach

Schwarz war nicht der Fleißigste, er hat sich Inseln der Ruhe in der Hektik des Römeralltags geschaffen. Als einmal während einer Sitzung des Stadtparlaments beinahe die Koalition platzte, weil ein untreuer CDU-Mann um kurz nach zehn Uhr abends theatralisch das Schiff verließ, traf es Schwarz unvorbereitet: „Ei, ich war schon in der Weinstubb“, sagte er nach der eilends einberufenen Fraktionssitzung. Diese jovial frankfurterische Art machte ihn vielen, die hinter seinem Rücken lästerten, durchaus sympathisch. Bodenständig ist der Dezernent auch privat: Er ist Mitglied etlicher Vereine, 20 Jahre war er Vorsitzender der SG Riederwald. Noch heute hält er sich bei der TG Bornheim fit und wandert gern, wenn er sich nicht doch für einen Motorradausflug entscheidet. Im Ruhestand will er den Bootsführerschein machen.

Darin, dass der Dezernent nicht vom Fach ist, sehen Stadtplaner und Architekten ein Problem und deuten zum Beleg gern auf Schwarz. Er habe keine Vision von der Stadt, kein ästhetisches Gespür, könne in Preisgerichten von Architekturwettbewerben und in Verhandlungen mit Investoren nicht auf Augenhöhe agieren, heißt es. So berechtigt die Einwände im Einzelfall sind, die Kritiker vergessen, dass politische Wetterfestigkeit ebenfalls wichtig ist. Nicht zu vergessen: Schwarz tendiert vom Temperament her zum Ausgleich, anders als sein Vorgänger im Amt des Planungsdezernenten, Martin Wentz, hat er manche Provokation mit einem Achselzucken quittiert und dadurch ins Leere laufen lassen. Das hat dazu beigetragen, die Debatte über das Stadtbild zu versachlichen. Da Wentz bei seinem Abschied genug Großprojekte hinterlassen hatte, konnte sich Schwarz erst einmal auf das Abarbeiten beschränken. Langsam wird es allerdings wieder Zeit, ein paar große Linie für die Zukunft zu ziehen; eine Aufgabe, die sich dem neuen Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Die Grünen) stellt.

Er hält sich nicht immer an Absprachen

Schwarz hat manche Demütigung einstecken müssen, das hat ihn im Lauf der Jahre mürrisch und auch ein wenig antriebsschwach werden lassen. Als besonders schmerzlich hat er die Niederlage empfunden, die er in der Auseinandersetzung um die Verlagerung der Kleinmarkthalle erlitt. Als sich starker öffentlicher Widerstand formierte, wurde er von den eigenen Parteifreunden im Stich gelassen. Das hat er nie ganz verwunden, sein Urvertrauen in die eigene Partei war seither erschüttert.

Seither war er, der im persönlichen Gespräch humorvoll, aufrichtig und gewinnend ist, oft eigensinnig und hielt sich seinerseits nicht immer an Absprachen. So stimmte der Autofreund unlängst einer Vergrößerung der Tiefgarage für das geplante Hotel am Opernplatz zu, ohne den grünen Koalitionspartner einzuweihen. Zum Ärger vieler Bauherren ließ er sich mit Entscheidungen oft sehr viel Zeit. Dabei ist für Investoren nichts schlimmer, als wenn sie nicht wissen, woran sie sind.

Eine Grundsteinlegung war der letzte Termin

„Quidquid agis, prudenter agas et respice finem“, lautet das Lebensmotto des humanistisch Gebildeten: „Was auch immer du tust, tu es klug und bedenke die Folgen.“ Im Wohnungsbau etwa hat er zu zögerlich agiert. Dass es in Frankfurt einen Mangel an Wohnraum in attraktiven Lagen gibt, ist auch ihm anzulasten. Nach der Entwicklung der noch von seinem Amtsvorgänger geplanten Wohnbauviertel am Fluss und auf dem Riedberg kam nicht mehr viel. Für die Umwandlung von Teilen des Osthafens in Wohngebiete etwa hat sich Schwarz nicht verkämpft. Man muss ihm aber auch zubilligen, dass die schwarz-grüne Koalition es ihm nicht einfach gemacht hat, Grünflächen stehen seither unter noch strengerem Schutz als zuvor.

Der Neubebauung des Altstadtareals hat Schwarz den Weg bereitet, indem er am Abriss des Technischen Rathauses festhielt, als in Teilen der CDU daran gezweifelt wurde. Aber er hat es anschließend verabsäumt, das Projekt mit Energie und Durchhaltevermögen voranzutreiben. Viel Zeit wurde vergeudet, da es auch in den zuständigen Ämtern an Begeisterung für das ebenso populäre wie umstrittene Projekt fehlte.

Eine Grundsteinlegung im Europaviertel, also typisches Alltagsgeschäft, war am Dienstag der letzte offizielle Termin im Kalender des Planungsdezernenten. Dass eine Grundsteinlegung den Abschluss seines Schaffens markiert, ist gleich doppelt sinnbildlich zu verstehen. Zum einen: Schwarz ist geerdet, sein Element ist eher der Boden der Tatsachen, nicht der Himmel der Ideen. Zum zweiten: Er hinterlässt seinem Nachfolger viel Arbeit.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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