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Mittwoch, 19. Juni 2013
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EBS ein Jahr nach Skandal Nie mehr nach Mallorca

 ·  Ein Jahr nach dem Höhepunkt des Skandals um Untreueverdacht und Zuschussmissbrauch versucht die Elite-Uni EBS, zur Normalität zurückzufinden. Ihr Präsident sieht erste Erfolge.

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Rolf Cremer hat dazugelernt. Der Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht schafft es mittlerweile, in einem einstündigen Gespräch nicht mehr als eine Handvoll Anglizismen zu verwenden. Er sagt noch „full stop“, wenn er „Punkt“ meint, aber wenn er für gute Unternehmensführung den Ausdruck „best practice“ verwendet, unterscheidet er sich damit nicht von seinen Amtskollegen, die das Technokraten-Denglisch ebenfalls verinnerlicht haben - ohne so viele Jahre im Ausland gewesen zu sein wie Cremer.

Auch in anderer Hinsicht hat der Ökonom, der seit elf Monaten an der Spitze der privaten Hochschule steht, sein Kommunikationsverhalten verändert. Im vergangenen November hatte ihn die „Wirtschaftswoche“ mit einem Satz über seine neue Wirkungsstätte zitiert, der erhebliche Unruhe hervorrief: Nach dem Skandal um seinen der Untreue verdächtigen Amtsvorgänger Christopher Jahns und der Kürzung des Landeszuschusses für die neue Jurafakultät könne nicht ausgeschlossen werden, dass die ehedem unter European Business Scholl firmierende EBS nicht zu retten sei.

„Wir stehen finanziell solide da“

Das aber habe er so nie gesagt, hebt Cremer hervor. Und damit sich solche Missverständnisse nicht wiederholen, lässt er sich inzwischen jeden O-Ton, den Journalisten von ihm bekommen, autorisieren - wohl auch auf den Rat der in Krisenkommunikation erfahrenen Unternehmensberatung, die jetzt die Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule koordiniert. So lautet denn also Cremers wohlabgewogenes Urteil über den wirtschaftlichen Zustand der EBS: „Wir stehen finanziell solide da.“

Seit dem Höhepunkt der Jahns-Affäre vor einem Jahr hatten die EBS-Verantwortlichen vielfach Gelegenheit, sich öffentlich in Schadensbegrenzung zu üben - mit wechselndem Erfolg. Außer diversen Organisationsreformen sollte die Wahl Cremers zum Präsidenten der wichtigste Schritt sein, um wieder für geschäftige Ruhe auf dem Campus zu sorgen und bei Förderern der EBS Vertrauen zurückzugewinnen. In benachbarten Hochschulen bringt man dem 62 Jahre alten Professor, der zuvor an der China Europe International Business School tätig war, durchaus Respekt entgegen: Er sei erfahren und integer, heißt es. Ob es ihm aber gelingen kann, den Rufschaden zu reparieren, den die EBS erlitten hat, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Unbefriedigende Strukturen

Cremer selbst hält den Neuanfang für gelungen. „Auch durch unsere im Februar beschlossene Universitätsreform sind wir damit ein sehr gutes Stück vorangekommen.“ Veränderungen waren seiner Meinung nach dringend nötig: „Wir haben Strukturen und Prozesse vorgefunden, die nicht so waren, wie sie sein sollten.“ Mittlerweile werde etwa bei der Bewilligung von Ausgaben das Vier-Augen-Prinzip korrekt angewandt, Geschäftsbeziehungen von EBS-Mitarbeitern mit Bekannten seien tabu, und Vergnügungsreisen wie die berüchtigte Mallorca-Tagung werde es künftig ebenfalls nicht mehr geben.

Diese neue Solidität wissen nach Cremers Worten sowohl die Landesregierung als auch die privaten Gönner der Hochschule zu schätzen. „Vor einigen Monaten hatte ich gesagt, dass acht von unseren mehr als 200 Sponsoren ihren Vertrag nicht verlängert haben. Da sind keine weiteren Fälle hinzugekommen.“ Im Gegenteil: Wichtige Förderer hätten ihre Unterstützung verlängert, „und wir haben auch neue Partner hinzugewonnen“.

In finanzieller Hinsicht besonders interessant ist für Cremer eine Gruppe von EBS-Absolventen unter Führung des Schweizer Unternehmers Peter Rasenberger, die der Hochschule Kapital zur Verfügung stellen wollen. Spekulationen, Rasenberger gehe es vor allem darum, Gewinn aus der EBS zu ziehen oder sie gar zu übernehmen, weist Cremer zurück: „Ich habe den Eindruck, dass dahinter nur der Wunsch steht, sich für die eigene Alma mater zu engagieren. Das finde ich aller Ehren wert.“ Eilig hat es die EBS mit der Einbindung Rasenbergers aber nicht. Cremer bestreitet, dass sein Haus auf die Geldzufuhr angewiesen sei; es gehe nur darum, der EBS neue Entwicklungsmöglichkeiten zu verschaffen.

Baulich entfalten will sich die Hochschule an ihrem neuen Hauptsitz Wiesbaden. Im Moment nutzt die Law School dort noch eine gemietete Büroimmobilie, doch ein Umzug ist seit langem geplant. Der neue Campus auf dem Areal des seit Jahren leerstehenden Gerichts an der Moritzstraße soll, wie Cremer sagt, auch dazu dienen, ein Stadtquartier zu beleben, das sich im Niedergang befindet. Die frühere „Jamaika“-Koalition im Stadtparlament hat darum nach heftigem Ringen im Jahr 2009 beschlossen, für diesen Zweck zehn Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt zur Verfügung zu stellen.

Doch der Baubeginn lasse zu lange auf sich warten, beklagen vor allem SPD und Grüne. Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) versichert, dass das Geld der Stadt nur abgerufen werde, wenn auch tatsächlich die Bagger anrollten. Nach einem Telefonat mit Cremer zeigte er sich in einer Sitzung des Finanz- und Wirtschaftsausschusses zuversichtlich, dass das Projekt bald beginne. Falls es wider Erwarten bis Ende des Jahres nicht dazu komme, werde die Stadt „aktiv“.

Wenn der EBS-Präsident recht behält, muss Müller nicht eingreifen. „Ich habe keinerlei Hinweis, dass da Sand im Getriebe ist“, beteuert Cremer. Man warte darauf, dass juristische Dokumente fertiggestellt würden, in denen es unter anderem um eine Garantieerklärung des Finanzministeriums für Baukosten gehe. „Anschließend können die Bieter dann ihre rechtsverbindlichen Angebote abgeben.“ Die Gefahr, dass sich durch die verzögerte Auftragsvergabe der Umzugstermin verschieben könnte, sieht Cremer nicht: „Im September 2014 oder im Januar 2015 wird der Studienbetrieb im neuen Gebäude beginnen.“

Der sogenannte Manager-Eid

Fragt sich nur, mit wie vielen Studenten. Ursprünglich hatte der erste Jahrgang der Law School aus 120 angehenden Wirtschaftsjuristen bestehen sollen, dann wurden aber bloß 88 aufgenommen - weil bei der Auswahl „strenge Qualitätskriterien“ angelegt worden seien, sagt Cremer. Schon hat die EBS damit begonnen, um Interessenten für den nächsten Jahrgang zu werben, aber noch ist es nach den Worten des Präsidenten „zu früh, um zu sagen, ob wir im Soll liegen“.

Derweil müssen sich die Absolventen der betriebswirtschaftlichen Fakultät wie eh und je auf dem Arbeitsmarkt behaupten. Mancherorts wird behauptet, Unternehmen zögerten wegen der Vorfälle des vergangenen Jahres, EBS-Abgänger einzustellen. Doch dafür habe er „keinen Anhaltspunkt“, versichert Cremer.

In manchem Vorstellungsgespräch dürften die Geschehnisse aber schon zum Thema werden. Und vielleicht auch der „Manager-Eid“, der bei der Zeugnisübergabe geleistet werden und zu ethischem Verhalten im Wirtschaftsleben verpflichten soll. Der frühere Präsident Jahns hatte sich dieser Errungenschaft gerühmt und dafür nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ihn viel Spott geerntet. Cremer will an dem Brauch festhalten. „Aber er ist freiwillig, und es wird eine interne Veranstaltung sein. Es war ein Fehler, diesen Eid mit dem PR-Gedanken zu verbinden.“

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Jahrgang 1963, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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