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Ebola-Hilfe aus dem Taunus : Isolierstationen für genesende Ebola-Patienten

Margret Gieraths-Nimene bei ihrer Arbeit Bild: obs/Aktion Deutschland Hilft e.V/action medeor

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung aus Bad Homburg hat schneller als andere in Afrika geholfen. Sie unterstützt eine deutsche Klinikleiterin mit mehr als 600.000 Euro für eine Isolierstation. Bisher sei dort kein Patient verstorben.

          Wer nach „Deutschland“ kommt, hat Glück gehabt. Es liegt in Paynesville, gut sechs Kilometer von der liberianischen Hauptstadt Monrovia entfernt, auf dem Gelände eines amerikanischen Missionskrankenhauses. „Germany“, so nennen die Einheimischen die beiden zeltartigen Tunnel aus weißem, blauem und orangefarbenem Kunststoff. Die Chancen, sie als Ebola-Kranker lebend zu verlassen, sind gut. 200 Menschen sind seit September in den beiden Isolierstationen versorgt worden, die über jeweils 22 Betten verfügen. „Alle Patienten haben überlebt“, erzählte Margret Gieraths-Nimene in Räumen der Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die in Bad Homburg ansässige Stiftung hat die beiden mit Schleusen versehenen Isolierzelte, ihre Ausstattung, die Sanitäranlagen, Wasserfilter, Verbrennungsöfen für Kleidung und die Schutzausrüstung finanziert. 500.000 Euro stellte sie hierfür der Hilfsorganisation Action Medeor zur Verfügung. Weil Transportkosten höher ausfielen und weitere Ergänzungen notwendig waren, sind daraus inzwischen 672.000 Euro geworden.

          Mitarbeiter der Klinik gestorben

          Gieraths-Nimene ist dafür verantwortlich, dass die Hilfe dorthin gekommen ist. Seit mehr als 30 Jahren lebt die Deutsche in Liberia, wo sie mit einem in Deutschland ausgebildeten Chirurgen verheiratet war. 1985 gründeten die beiden die Gerlib-Klinik. Gerlib steht für German-Liberian. Der 14 Jahre wütende Bürgerkrieg zwang sie zwischendurch, das Land zu verlassen. Ihr Mann starb 1998 an den Spätfolgen eines Überfalls im Krieg. Dennoch kehrte die Entwicklungssoziologin zurück und erweiterte die Klinik 2010 um 18 stationäre Betten. Schwangere werden hier untersucht, Malaria-Patienten, oder Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen finden Hilfe.

          Seit vielen Jahren arbeitet sie mit Action Medeor zusammen. „Schon im April hat sie uns von einzelnen Ebola-Fällen in Liberia berichtet“, sagte Bernd Pastors, Vorstandssprecher des Hilfswerks. Im Sommer habe man ihr Schutzanzüge, Masken und Medikamente geschickt.

          Zu diesem Zeitpunkt, Ende Juli, hatte ein Mitarbeiter der Gerlib-Klinik über Fieber geklagt. Als die Malaria-Medikamente nicht anschlugen, stellte sich bei der Blutuntersuchung heraus, dass er Ebola hatte. Es dauerte zwei Tage, bis ein Krankenwagen organisiert werden konnte. Eine örtliche Isolierstation vertröstete Gieraths-Nimene und ihr Team. Man müsse erst zwölf Leichen wegbringen, um Platz zu schaffen. Die Klinikleiterin und ihre Mitarbeiter litten Höllenqualen: Das unberechenbare Virus konnte überall sein. Der Mann starb, ebenso wie zwei weitere Mitarbeiterinnen der Klinik. Gieraths-Nimene vermutet allerdings, dass sie sich außerhalb angesteckt haben. Die Gerlib-Klinik blieb daraufhin im August und September geschlossen. Anschließend wurde sie desinfiziert. Das Mittel war so aggressiv, dass es Wände, Türen und Infusionsständer zerfraß.

          Stiftung macht eine Ausnahme

          Gieraths-Nimene wandte sich an Action Medeor, um eine Isolierstation zu beschaffen. Die vor 50 Jahren gegründete Organisation, das größte Medikamenten-Hilfswerk Europas, fragte vergeblich alle offiziellen Stellen ab. „Heute geben Auswärtiges Amt und Weltgesundheitsorganisation zu, dass sie die Ebola-Epidemie lange unterschätzt haben“, sagte Vorstandssprecher Pastors.

          Erfolg hatte er schließlich bei der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Diese fördert nach Worten von Pressesprecherin Ulrike Schneider zwar normalerweise medizinische Forschungsvorhaben und bei humanitären Projekten langfristig angelegte Hilfe zur Selbsthilfe. Wie schon beim Erdbeben auf Haiti habe man jedoch eine Ausnahme gemacht und sich zur akuten Unterstützung entschieden.

          Platz für die Isolierstationen fand Gieraths-Nimene auf dem Gelände des Elwa-Hospitals, das von evangelikalen Missionaren aus Amerika gegründet worden ist - die Abkürzung steht für „Eternal Love Winning Africa“. Dort waren die Kapelle und eine Lagerhalle schon für die Behandlung von Ebola-Patienten hergerichtet worden. Diejenigen mit den schlimmsten Symptomen wie Erbrechen und Durchfall bleiben auch jetzt in den festen Gebäuden. Wenn die Kranken diese Phase überstehen und sich ihr Zustand bessert, kommen sie auf die Isolierstationen, um sich vollständig zu erholen.

          Neuerkrankungen zurückgegangen

          Ein Mittel gegen Ebola gibt es nicht. „Mit Infusionen, Schmerzmitteln und fiebersenkenden Mitteln lässt sich aber der Zustand stabilisieren“, sagte Gieraths-Nimene. Dank der aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen sei auch kein Mitarbeiter mehr erkrankt. Eine wichtige Rolle spiele dabei der Arzt Jerry Brown. Er ist jüngst vom „Time Magazine“ mit weiteren Ebola-Bekämpfern als „Person des Jahres“ gewürdigt worden.

          Nach Worten Pastors wird die laufende Arbeit der Isolierstationen inzwischen auch von der in Eschborn ansässigen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit unterstützt. Weitere Großspenden seien bei Action Medeor eingegangen, darunter eine Million Euro von Stefan Quandt. Die Zahl der Ebola-Neuerkrankungen sei inzwischen zurückgegangen, doch in der Peripherie gebe es noch immer einzelne, schwer zu bekämpfende Infektionsherde.

          Für die noch vom Bürgerkrieg traumatisierten Menschen in Liberia bedeutete die Epidemie einen weiteren Schlag, sagte Gieraths-Nimene. Sie hat schon ein neues Projekt. Mit einem Haus für Ebola-Waisen will sie sich um die vielen Kinder kümmern, die ihre Familien verloren haben.

          Quelle: F.A.Z.

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