Zurzeit sind die Aussichten für Schulabgänger so gut wie seit Jahren nicht mehr, was die weitere Ausbildung betrifft. Jedenfalls dann, wenn die Leistungen ein bestimmtes Niveau erreichen. Dann ist auch ein duales Studium möglich, das in der Regel eine Lehre mit einem akademischen Abschluss verbindet.
Arbeitsmarktfachleute berichten, dass Schulabsolventen häufig Schwierigkeiten hätten, sich für einen Berufsweg zu entscheiden, und deshalb oft recht spät dran seien. Dabei zu helfen ist ein zentrales Ziel der Berufsbildungsmesse, die heute und morgen von 8.30 bis 16 Uhr und am Samstag von 10 bis 15 Uhr auf dem Börsenplatz, auf der Schillerstraße und an der Hauptwache in Frankfurt stattfindet. Ungeachtet der günstigen Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt waren zuletzt bei der Arbeitsagentur Hessen für das Ausbildungsjahr 2011/2012 im Mai 36880 Schulabsolventen gemeldet, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr um diese Zeit. Diesen standen knapp 32000 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, ihre Zahl hat sich im Vorjahresvergleich lediglich um 0,3 Prozent erhöht. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass diese Statistik weder alle Ausbildungsplätze noch alle Interessenten erfassen kann, sondern eben nur die gemeldeten Personen und Stellen.
Zumindest die Qual der Wahl zwischen einem Studium und einer Ausbildung muss inzwischen nicht mehr sein, denn das duale Studium erlaubt ein Sowohl-als- auch. Noch dazu sind die Chance auf eine Stelle danach recht hoch. Derlei Angebote gibt es etwa für den Luftverkehrskaufmann und das Aviation Management, für den Kautschuktechniker und den Bachelor für Technische Elastomer-Chemie oder den Bachelor of Engineering in Elektro- und Informationstechnik, bei dem man zugleich einen IHK-Abschluss als Elektroniker für Betriebstechnik erwirbt.
Unterschiedliche Zeitmodelle
Der Vorteil für die Nachwuchskräfte ist der enge Kontakt zur Arbeitswelt, der im normalen Studium so kaum möglich ist. Für die Unternehmen bietet sich gerade angesichts der zumindest in bestimmten Sparten knapper werdenden Zahl der Fachkräfte die Chance, frühzeitig passgenau qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. „Innovative Ausbildungsgänge wie das duale Studium Hessen sichern den Nachwuchs der mittelständischen Wirtschaft“, kommentiert der neue hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) diesen Weg der beruflichen Qualifikation. Seit dem Jahr 2008 unterstützt das Land Hessen das duale Studium. Zurzeit bieten etwa 20 Träger, öffentliche Universitäten, private Hochschulen und Berufsakademien, dieses Studienmodell an. Interessenten können zwischen fast 80 dualen Studiengängen auswählen, von denen vier auf dieser Seite vorgestellt werden. Die Bildungseinrichtungen arbeiten dabei mit großen ebenso wie mit mittelständischen und kleinen Unternehmen zusammen, in denen die Studierenden in den Praxisphasen ausgebildet werden.
Beim dualen Studium gibt es in Hessen unterschiedliche Zeitmodelle, nach denen Ausbildung und Studium miteinander verbunden werden. Bei den ausbildungsintegrierten Studiengängen wird eine klassische Ausbildung im Betrieb mit einem Studium an einer Hochschule verknüpft. Oft wird im Grundstudium eine Ausbildung in einem Lehrberuf integriert. Am Ende der regulären Ausbildungsdauer steht ein Abschluss bei der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Beispielsweise sind die Abschlüsse Fachinformatiker, Industriekaufmann oder Mechatroniker möglich. Danach arbeitet der Student tage- oder blockweise im gerade erlernten Beruf. Am Ende des Studiums steht ein Bachelorabschluss.
Danach ist es auch möglich, noch einen Masterstudiengang anzuschließen, der in der Regel noch einmal vier Semester in Anspruch nimmt. Bei den praxisorientierten Studiengängen sind Studium und Praxis noch enger miteinander verwoben, beispielsweise in der Form drei Tage Betrieb, zwei Tage Studium. Auch der blockweise Aufenthalt der Mitarbeiter im Unternehmen ist möglich. Am Ende dieser Form ist allerdings kein separater Kammerabschluss im Ausbildungsberuf vorgesehen. In einem anderen, auch zum Modell duales Studium zählenden Ausbildungsweg ist eine abgeschlossene Berufsausbildung schließlich Voraussetzung dafür, das Studium überhaupt aufnehmen zu können.