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Veröffentlicht: 11.02.2016, 18:04 Uhr

DSDS in Kloster Eberbach Bohlen in der Basilika

Die Show „Deutschland sucht den Superstar“ will auch Station im Kloster Eberbach in Eltville machen. Das gefällt nicht jedem.

von , Eltville
© dpa Umstritten: Soll Dieter Bohlen mit der Show „Deutschland sucht den Superstar“ auch ins Kloster Eberbach kommen?

Dieter Bohlen bewegt den Rheingau. Nicht als singender und produzierender Künstler, sondern als Chefjuror und Gesicht des Sangeswettbewerbs „Deutschland sucht den Superstar“. Denn der private Fernsehsender RTL plant, zu einem noch nicht genau datierten Zeitpunkt im April eine seiner Finalshows in der Basilika von Kloster Eberbach abzuhalten. Ungewöhnlich ist die Präsenz von Fernsehleuten in der mittelalterlichen Anlage nicht. Das 1803 säkularisierte Kloster ist seit vielen Jahren ein bewährter Aufführungsort für Konzerte und hat eine lange Tradition als Kulisse für Film und Fernsehen.

Oliver Bock Folgen:

Die Verfilmung von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ hat bis heute positive Nachwirkungen. Regelmäßige Aufführungen des Kinofilms am Originaldrehort sind stets ausverkauft. Aber schon vor 60 Jahren wurden im Kloster Szenen für „Das zweite Leben“ mit Barbara Rütting und Bernhard Wicki gedreht, ebenso ein Film über Martin Luther. Margarethe von Trotta war für ihren Streifen über Hildegard von Bingen in der früheren Zisterzienserabtei, Ottfried Fischer mimte dort „Pfarrer Braun“, und vor nicht einmal einem Jahr wurde ein Trailer für die deutsche Ausstrahlung der von Intrigen, Ritterkämpfen und Sex bestimmten Erfolgsserie „Game of Thrones“ fertiggestellt.

Auftritt sei „Grenzüberschreitung und Tabubruch“

Bei Bohlen allerdings hört im Rheingau der Spaß auf, auch wenn die quotenstarke Sendung mehrfach den deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „beste Fernsehunterhaltung“ erhalten hat. Unumstritten war „Deutschland sucht den Superstar“ nie. Vor einigen Jahren wurden der Jury unter Bohlen gar Verstöße gegen die Jugendschutzbestimmungen vorgeworfen, nachdem die Kommission für Jugendmedienschutz ein Prüfverfahren wegen „möglicher sozialethischer Desorientierung von Kindern und Jugendlichen“ eingeleitet hatte.

Kloster Eberbach - Die Voruntersuchungen zur Sanierung der Basilika in Eltville beginnen. © Marcus Kaufhold Vergrößern Schon lange kein Gotteshaus mehr: Entweihen kann Dieter Bohlen die Kloster-Basilika jedenfalls nicht.

Im Rheingau wird nun in Leserbriefspalten und sozialen Medien darüber diskutiert, ob die Klosterbasilika ein angemessener Veranstaltungsort für die Show ist. Die Eltviller Grünen machten daraus frühzeitig ein Politikum und übten Kritik an der Stiftung, die die Anlage verwaltet. Bohlen und das Kloster passten einfach nicht zusammen. Öffentliche Zweifel wurden auch aus dem Vorstand des Freundeskreises Kloster Eberbach laut. Zuletzt äußerte sich in Person Winfried Rathkes ein im Rheingau bekannter Satiriker und Autor, zugleich seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender des Rheingauer Kunstvereins. Es habe noch nie so viele Anrufe aus den Reihen der 400 Mitglieder gegeben, die „für diese Art von Event an diesem speziellen Ort kein Verständnis aufbringen“, schreibt Rathke.

Kloster Eberbach sei ein einzigartiges kulturelles Juwel im Rheingau, das gehegt, gepflegt und erhalten werden müsse. Die Bohlen-Show aber werde von den Mitgliedern des Kunstvereins als „Grenzüberschreitung und Tabubruch“ empfunden. Trotz des Zwangs, Finanzquellen für den Unterhalt der Anlage zu erschließen, müsse sie ein „Ort der Ruhe, Besinnung und Meditation“ bleiben, eine Oase des Geistes. „Die Bohlen-Entourage gehört an einen anderen Ort.“

„In Shows ist gute künstlerische Qualität zu erwarten“

Die Wochenzeitung „Rheingau-Echo“ lässt ihre Leser über die Frage abstimmen, ob die Stiftung das Kloster für derartige Veranstaltungen vermieten sollte. Bis Mittwoch hatten sich auf der Internetseite 60 Prozent für die Vermietung ausgesprochen, knapp 40 Prozent dagegen.

Die Stiftung geht mit allen Reaktionen offen um. Es gebe sowohl begeisterte Zustimmung und eine starke Nachfrage nach Eintrittskarten als auch scharfe Kritik, heißt es. Aus jeder Meinung spreche zugleich die große Verbundenheit mit dem Kloster. Stiftungs-Geschäftsführer Martin Blach sagt, die Entscheidung für eine Vermietung an den Privatsender RTL sei weder leichtfertig noch übereilt getroffen worden: Am Ende hätten die positiven Argumente überwogen.

Dazu zählt Blach die „einmalige Chance, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, die wir uns nicht entgehen lassen wollen und können“. Das Gastspiel einer der größten Unterhaltungssendungen des deutschen Fernsehens mit rund vier Millionen Zuschauern werbe für das Kloster und den Rheingau und spreche die junge Generation an. Eberbach habe sich mit Erfolg gegen viele andere interessante Austragungsorte durchgesetzt. In den Finalshows sei zudem eine gute künstlerische Qualität zu erwarten.

Die ganze Region könnte verdienen

Blach verweist nicht nur auf die Werbewirkung, sondern auch auf den handfesten ökonomischen Nutzen für die Region durch die Unterbringung und Verpflegung von Filmcrew, Kandidaten und Zuschauern. Die Klosterstiftung müsse die Mittel für den dauerhaften Erhalt und die Deckung der laufenden Kosten selbst erwirtschaften, sagt der Geschäftsführer, der in der Vergangenheit die täglichen Kosten des Klosterunterhalts auf rund 7000 Euro beziffert hat. Gleichzeitig bleibe man dem Grundsatz treu, das Kloster durch eine „maßvolle, dem Ort angemessene und schonende Nutzung“ für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Die Basilika habe heute vor allem musealen Charakter, sagt der diplomierte Theologe Blach. Die Stiftung werde darauf achten, dass dem Kloster kein Schaden entstehe, sondern es den größtmöglichen Nutzen erfahre.

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Von Ewald Hetrodt

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