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Drückerkolonne : Betrug in der Fußgängerzone

  • -Aktualisiert am

Die Drückerkolonne treibt sich auch in der Frankfurter Innenstadt herum. Bild: Schmitt, Felix

Eine Drückerkolonne drängt Passanten mit Lügen Zeitschriftenabonnements auf.

          Als er aus dem Bekleidungsgeschäft auf die Zeil tritt, steht sie vor ihm. „Hast du fünf Minuten Zeit?“, fragt die junge Frau mit dem Nasenpiercing. „Ich möchte dir von einem sozialen Projekt erzählen, den Schülerbotendienst.“ Leonard Sörnewitz (Name geändert) bleibt stehen. Es gehe um ein Zeitungsabonnement, fährt die Frau fort, und da will Sörnewitz weg. Doch sie spricht hastig weiter: Das Abo koste nichts, laufe nur für zwei Monate und helfe einem Jugendlichen in Not, der die Zeitschrift jede Woche bei Sörnewitz zu Hause abliefern werde. Ein netter Jugendlicher sei das, allerdings mit psychischen Problemen und deshalb auf der Suche nach einer Aufgabe, um wieder gesund zu werden. Mit dem Abo könne Sörnewitz ihm dabei helfen. Und nochmal: Es koste ja nichts und sei nur für zwei Monate. Sörnewitz unterschreibt.

          Drei Wochen später kommt ein Brief ins Haus. Die VSR Verlagsservice GmbH aus München bedankt sich für den Auftrag, den „Spiegel“ zu liefern - für den „Aktionszeitraum von mindestens vierzehn Monaten“. Habe er noch Fragen, könne Sörnewitz die Servicehotline anrufen. Doch wer die Nummer wählt, hört nur eine elektronische Ansage: „Leider können wir uns im Moment nicht persönlich um sie kümmern.“ Es ist immer die gleiche monoton-metallene Männerstimme mit dem gleichen Text, egal ob montags, mittwochs oder freitags, am frühen Morgen oder am Mittag. Nur nach 16 Uhr sagt sie noch einen Satz: „Bitte rufen Sie zu unseren Geschäftszeiten noch einmal an.“

          „Ein glatter Betrug“

          Sörnewitz hält den Brief von der VSR für ein Missverständnis. Doch nach drei weiteren Wochen kommt noch ein Schreiben: Das Abonnement beginne bald, es koste 197 Euro und 80 Cent. Viel Geld für einen Neunzehnjährigen, der noch zur Schule geht. Sörnewitz legt den Brief weg. Doch dann kommen Mahnungen, und schließlich zahlt er, aus Angst vor weiteren Gebühren. Nun liegt jede Woche der „Spiegel“ im Briefkasten, 14 Monate lang, und gebracht wird er nicht von einem „Schülerboten“, sondern von der Post.

          „Ein glatter Betrug“, sagt Ute Bitter von der Verbraucherzentrale Hessen. Dort melden sich immer wieder Leute wie Sörnewitz, und das seit Monaten. Ein „Dauerbrenner“ sei das Problem, mit „mehreren hundert Fällen in ganz Hessen, wenn nicht mehr“. Die Betrüger stünden in Einkaufszentren und auf belebten Innenstadt-Straßen. „Sehr beliebt ist die Zeil“, sagt Bitter.

          Junge Leute im Visier

          Bei den Betrügern handle es sich um eine als „Schülerbotendienst“ bekannte Drückerkolonne. Ihre Masche sei immer die gleiche, berichtet die Juristin: „Die Werber gaukeln auf der Straße vor, mit einem kostenlosen Abonnement über zwei Monate helfe man Jugendlichen in Not.“ Bei der Unterschrift würden die Verträge dann so gefaltet, dass nicht auffalle, dass man einen teuren, lange gültigen Vertrag unterschreibe. Den Opfern rät die Verbraucherzentrale, das Abonnement schriftlich zu widerrufen. Das Recht dazu ist bei auf der Straße oder an der Haustür geschlossenen Verträgen bis zwei Wochen nach Abschluss gültig. Sollte die Widerrufsfrist abgelaufen sein, kann der Vertrag auch danach noch angefochten werden, wenn wichtige Informationen verschwiegen wurden; zum Beispiel durch gefaltete Formulare und Lügen in der Fußgängerzone. In jedem Fall prüft die Verbraucherzentrale rechtliche Schritte.

          Im Visier des „Schülerbotendienstes“ sind vor allem junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren, das zeigen die Beschwerden der Opfer. Die Drückerkolonne agiert deutschlandweit, auch in Bremen, München, Düsseldorf und Dresden haben sich Opfer gemeldet. In Internetforen und sozialen Netzwerken wird vor den immer gleichen Betrugsversuchen gewarnt. Oft fällt dabei der Name der VSR Verlagsservice GmbH, jener Münchner Firma, die sich auch bei Sörnewitz für das „Spiegel“-Abonnement bedankt hat, bei der aber niemand ans Servicetelefon geht. Das Internetforum „Exmatrikulationsamt“ warnt vor der „VSR Verlagsservice Abofalle“, und auf der Studentenplattform „StudiVZ“ verleiht ihr eine Gruppe das Etikett „Vorsicht Abzocke“.

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