09.12.2005 · Die Nachricht, daß es Heroin wahrscheinlich schon in einem guten halben Jahr auf Rezept geben wird, haben CDU, SPD und Grüne in Frankfurt durchweg positiv aufgenommen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Römer, Brigitte Reifschneider-Groß, reagierte mit Zurückhaltung.
Die Nachricht, daß es Heroin wahrscheinlich schon in einem guten halben Jahr auf Rezept geben wird, haben CDU, SPD und Grüne in Frankfurt durchweg positiv aufgenommen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP im Römer, Brigitte Reifschneider-Groß, reagierte mit Zurückhaltung. Sie wolle einer Entscheidung nicht vorgreifen, sagte sie. Falls Heroin als Arzneimittel zugelassen werde, dann zu Lasten der Krankenkassen. Es sei nicht absehbar, wie sich dies auf die Beitragssätze auswirken werde, gab sie zu bedenken. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, Margrit Weißbach (CDU), erinnerte daran, daß sich die ablehnende Haltung ihrer Partei grundlegend geändert habe, weil die Heroinvergabe eine weitere Möglichkeit zur Behandlung Süchtiger darstelle.
Heroin als Arzneimittel sei wichtig für besonders schwer Erkrankte, denen nichts anderes helfe, so Weißbach. Doch müsse die intensive psychsosoziale Begleitung beibehalten werden. Weißbach sprach sich für strenge Auswahlkriterien aus. Eine großzügige Vergaberegelung werde sich die Gesellschaft nicht "leisten können und wollen".
Eine "massenhafte Vergabe" schloß auch der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen im Römer, Stefan Majer, aus. Er sei froh, daß sich "unser damaliger Wunsch", Heroin als Medikament zuzulassen, offenbar erfülle und damit Menschen geholfen werden könne. SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling sieht den "Frankfurter Weg" der Drogenpolitik durch die ersten Ergebnisse der Heroinstudie bestätigt. Rot-Grün habe den wissenschaftlichen Versuch initiiert, er sei froh, daß die Heroinvergabe nun wahrscheinlich in die Regelversorgung übergehen könne. Dabei habe er gegen die Beibehaltung des Standorts im Ostend keine Einwände. Die Befürchtungen der Bürger, die Grüne Straße werde zum Anziehungspunkt für Drogendealer, hätten sich nicht bewahrheitet. Auch Weißbach hält die Liegenschaft für geeignet. Sie könne sich gut vorstellen, daß Süchtige dort von Heroin auf Methadon umstiegen und dies dann nach Auflösung der Methadon-Vergabestelle des Gesundheitsamts in der bisherigen Heroin-Ambulanz erhielten. Doch dürfe dort keine niedrigschwellige Einrichtung entstehen, wo Abhängige sich ihr Methadon nur abholten, so Weißbach.
Das Team und der Standort haben sich nach Auffassung Majers bewährt. Er kritisierte deshalb den Vorstoß der FDP-Fraktion, das Gelände für diesen Zweck wieder aufzugeben und dort ein Wohn- oder Geschäftshaus zu errichten. Reifschneider-Groß argumentierte, die Bewohner seien damit getröstet worden, daß es sich nur um ein vorübergehendes Angebot für Abhängige handele. Sie plädierte dafür, die Vergabestelle nicht in einem Wohngebiet zu belassen, sondern ins Bahnhofsviertel zu verlagern. (rig.)