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Dreieichbahn Initiative befürchtet Wegfall von Zügen

 ·  Der RMV will die Leistungen für die Dreieichbahn ausschreiben und verspricht größere Kapazitäten. Kritiker hingegen befürchten das Gegenteil.

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Ein deutlich schlechteres Angebot auf der Dreieichbahn, die von Dieburg über Rödermark/Ober-Roden nach Dreieich-Buchschlag fährt, befürchtet die „Nutzerinitiative Dreieichbahn“ zum Fahrplanwechsel Ende 2015. Die etwa acht Mitglieder der Nutzerinitiative setzen sich seit langem für die eingleisige Nebenstrecke ein und haben schon des Öfteren auf Missstände aufmerksam gemacht. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bereitet derzeit eine europaweite Ausschreibung der Leistungen auf der Strecke vor. Nach Angaben der Nutzerinitiative ist vorgesehen, die Zahl der durchgebundenen Züge von Dieburg zum Frankfurter Hauptbahnhof und zurück tagsüber zu erhöhen. Weil der Betrieb der Dreieichbahn insgesamt aber nicht teurer werden dürfe, wolle der RMV künftig den 15-Minuten-Takt von Ober-Roden nach Buchschlag zwischen 6.30 und 8 Uhr aufgeben. Zwischen 16 und 18.30 Uhr werde das Angebot in der Gegenrichtung ebenfalls ausgedünnt.

1905 wurde die Bahnstrecke von Buchschlag über Ober-Roden nach Dieburg eröffnet. In den achtziger Jahren stand die Verbindung kurz davor, stillgelegt zu werden. Nur wenige Fahrgäste hielten der Bahn die Treue. Doch die Dreieichbahn erlebte mit dem Neubeginn 1998 eine Renaissance: Für rund 15 Millionen Euro wurde die Strecke modernisiert und ausgebaut. Knapp sechs Millionen Euro kosteten die neuen Fahrzeuge. Mit rund 16Millionen Euro beteiligte sich das Land an dem Projekt. Etwa fünf Millionen Euro brachten die Kreise und Anliegergemeinden auf. Allein die Stadt Dreieich war mit knapp 600.000 Euro dabei; Rödermark steuerte fast 400.000 Euro bei. Heute wissen nicht nur Pendler und Schüler die Verbindung zu schätzen. Morgens fahren drei durchgebundene Züge von Dieburg bis zum Frankfurter Hauptbahnhof; abends sind drei Züge von Frankfurt nach Dieburg unterwegs. Zu den übrigen Zeiten können die Fahrgäste in Buchschlag von der Dreieichbahn in die S-Bahn-Linien S3 und S4 und umgekehrt umsteigen.

Eine Verbesserung gibt es nur in geringfügigem Maße

Nach Angaben der Nutzerinitiative bedeuten die Pläne des RMV, dass im Berufsverkehr von Ende 2015 an morgens rund 40 Prozent und abends etwa 35Prozent der Fahrten aufgegeben werden. Die Zugfolge vergrößere sich zeitweise auf 45 Minuten. Statt 1280 Sitzplätzen werde es nur noch 870 geben. Am Vormittag sei vorgesehen, drei Zugpaare zu streichen; damit falle der 30-Minuten-Takt weg.

Zugleich werde die Zahl der Direktfahrten von Buchschlag nach Frankfurt zwischen 9 und 15Uhr unverhältnismäßig ausgeweitet, obwohl auf dieser Strecke alle 15 Minuten auch die S-Bahn fahre. Die Direktfahrten der Dreieichbahn bedeuteten jedoch nur für zehn Prozent der Reisenden eine Verbesserung. Man verlange, die seit über einem Jahrzehnt gewachsene Nachfrage nach den Leistungen der Dreieichbahn weiterzuentwickeln, statt das Angebot zurückzunehmen, sagte Sven-Arved Koch von der Nutzerinitiative. Diese fordert, die Leistungen auf der Dreieichbahn in Modulen auszuschreiben; auf diese Weise sei zu erkennen, welche Leistungen wie viel Geld kosteten.

Man will „die Gunst der Stunde nutzen“

Unterstützung dafür ließ die Rödermarker SPD-Fraktion erkennen: Zur Stadtverordnetensitzung am Dienstag brachte sie einen Dringlichkeitsantrag ein, wonach die Vertreter der Stadt im Aufsichtsrat der Kreis-Verkehrs-Gesellschaft Offenbach mbH (KVG) für eine solche Ausschreibung in einzelnen Modulen eintreten sollten. Außerdem möchte die SPD, dass der RMV die Nutzer der Dreieichbahn fragt, welche Veränderungen sie wünschten. Die Stadt Dreieich, ebenfalls im KVG-Aufsichtsrat vertreten, will nach den Worten von Pressesprecherin Irene Dietz dafür sorgen, dass sich das Angebot auf der Dreieichbahn nicht verschlechtert. Die Nutzer und die Nutzerinitiative sollten in die Gespräche einbezogen werden. Am 20. September kommt der Aufsichtsrat der KVG zusammen. Dort werde über einen neuen Vorschlag beraten.

Bei der bevorstehenden Ausschreibung will der RMV nach Angaben seines Pressesprechers Peter Vollmer „die Gunst der Stunde nutzen“, um den Fahrgästen mehr Komfort durch bessere Fahrzeuge und größere Barrierefreiheit zu bieten. Nach dem morgendlichen Berufsverkehr seien bis gegen Mittag Züge im Halbstundentakt unterwegs, in denen nur wenige Fahrgäste säßen. Das Geld, das diese unwirtschaftlichen Züge kosteten, wolle man lieber dafür verwenden, im Berufsverkehr mehr Dreieichbahn-Züge direkt bis nach Frankfurt rollen zu lassen. Damit entfalle mancher Umstieg in Buchschlag: Fahrgäste der Dreieichbahn könnten dort nicht sicher sein, die S-Bahn nach Frankfurt rechtzeitig zu erreichen. Vollmer hob hervor, der RMV sei davon überzeugt, dass sich die Fahrgastzahlen mit dem neuen Konzept steigern ließen.

Im morgendlichen Berufsverkehr werde es künftig größere Kapazitäten in Richtung Frankfurt geben. Wie die Nutzerinitiative auf ihre Zahlen komme, könne er nicht sagen. Details der Ausschreibung nannte Vollmer nicht: Der RMV wolle niemandem einen Vorteil verschaffen. Die Leistungen, wie gefordert, in Modulen auszuschreiben sei rechtlich unmöglich.

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Jahrgang 1954, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

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