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Down-Sportlerfestival : Fröhlichkeit ist keine Behinderung

Und Sprung: Leon Hitzeroth. Bild: Kaufhold, Marcus

Beim 11. Down-Sportlerfestival in Kalbach zeigen die Kinder, was ein zusätzliches Chromosom so alles auslösen kann: Zum Beispiel Freude und Begeisterung.

          Leon hat keine Zeit. Seine Wege erledigt der Junge mit der Startnummer 212 an diesem Tag grundsätzlich im Laufschritt. Weitsprung, 1000-Meter-Lauf, Tanz-Workshop: Zum Trödeln ist der Tag zu kurz. Und dann ist da auch noch die Modenschau, bei der der Zwölfjährige wieder mitlaufen möchte. Die Plätze waren zwar so schnell ausgebucht, dass seine Mutter zu spät war mit der Anmeldung. Aber Peyman Amin, der einst Heidi Klums sogenannte Topmodels über den Laufsteg trieb, kennt Leon noch vom vergangenen Jahr. Da hatte er einen beachtlichen Auftritt hingelegt. Ob der Trainer ihm den auch dieses Jahr gewährt? Der Sport jedenfalls ist für Leon nur das Aufwärmprogramm für die wichtigen Dinge des Lebens. Mode und Tanzen zum Beispiel.

          Christian Palm

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Wie knapp 550 andere Kinder- und Jugendliche aus ganz Deutschland ist der Frankfurter am Samstag zum Down Sportlerfestival in das Sportzentrum Kalbach gekommen. Es ist das größte derartige Treffen hierzulande. Außer den Wettkämpfen in der Leichtathletik gibt es ein riesiges Spielprogramm und Workshops für Tanz, Musik und einiges mehr. Vor der Halle warten Therapiepferde auf einen Proberitt. Nebenan lernen die Jungen und Mädchen, wie sie den Golfschläger richtig schwingen. Mehr als 300 Helfer haben auch die 11.Auflage zu einem Erfolg gemacht. 50 von ihnen sind Mitarbeiter des Arzneimittelherstellers Hexal, der das Sportfest jedes Jahr veranstaltet.

          Zweitausend Zuschauer sind gekommen

          Die Erkenntnis, wie wichtig Sport für Jugendliche mit Down-Syndrom ist, hat sich nur langsam durchgesetzt. Dass sie etwa genetisch bedingt weniger Kalorien verbrauchen als andere, zeigt die Bedeutung von Bewegung. Davon abgesehen bietet ihnen das Sportfest die Gelegenheit, einen ganzen Tag lang im Mittelpunkt zu stehen.

          Die Ränge in der Halle sind voll besetzt. Gut zweitausend Eltern, Geschwister und Freunde sind gekommen, um die Sportler vom feierlichen Einzug bis zur letzten Siegerehrung anzufeuern. Wer dem Mädchen zuschaut, das vor lauter Begeisterung darüber das Laufen vergisst und fröhlich ins Publikum winkt, statt den schnellsten Weg über die 50-Meter-Strecke ins Ziel zu suchen, ahnt, was den jungen Sportlern diese Anerkennung bedeutet.

          Fehlt es an Unbekümmertheit?

          Für Bobby Brederlow ist das Rampenlicht schon fast Alltag. Ihn kennt fast jeder, der am Samstag nach Kalbach gekommen ist. Den „Bambi“ hat der Schauspieler mit Down-Syndrom schon bekommen, die „Goldene Kamera“ auch. Die Lebenshilfe hat gar einen Preis nach ihm benannt. Den „Bobby“ vergibt sie für besonderen Einsatz für behinderte Menschen. Aber was heißt schon „behindert“?

          Fröhlichkeit jedenfalls ist keine Behinderung. Wohl an keinem Ort wurde am Samstag so viel gelacht wie in der riesigen Leichtathletikhalle in Kalbach. „Das zusätzliche Chromosom, das die Kinder haben, steht auch für Herzlichkeit und Ehrlichkeit“, sagte der Frankfurter Kämmerer Uwe Becker (CDU), bevor das Sportfest begann. Angesichts der Begeisterung der jungen Sportler frage er sich, ob es im Vergleich dazu den „normalen“ Menschen nicht an Unbekümmertheit fehle.

          Leon macht sich derlei Gedanken sicher nicht, während er durch die Halle rast. Den Eindruck, dass ihm etwas fehlt, erweckt er ohnehin nicht. Er geht in die fünfte Klasse an der Ernst-Reuter-Schule. Er hat keine Probleme, mit Kindern ohne Down-Syndrom zu lernen, zu toben und zu lachen. Immer samstags bringen ihn seine Eltern mit seinen beiden jüngeren Schwestern in eine Musical-Schule. Dort lernt er Tanzen, Singen und Schauspielern. „Er ist einfach sehr extrovertiert“, sagt seine Mutter. Nicht ausgeschlossen, dass er einmal so berühmt wird wie Bobby. Aber bis dahin wird er wohl noch öfter beim Kalbacher Down-Sportlerfestival den großen Auftritt proben. Vorausgesetzt seine Mutter ist bei der Anmeldung für die begehrten Workshops wieder schnell genug.

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