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Dienstag, 18. Juni 2013
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documenta Knast oder Parkhaus?

 ·  Zwei Immobilienunternehmer verfolgen eine ungewöhnliche Idee: Ein Gefängnis wird zum Schauplatz für kulturelle Veranstaltungen.

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Fluchtwege in einem Gefängnis? Das ist Vorschrift, denn in Kassel wird ein ehemaliger Knast während der documenta zum Hotel. Und es gibt noch andere ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten.

Ein Metallbett, ein Tisch, die Toilette mitten im Raum. Die Zellen im ehemaligen Kasseler Untersuchungsgefängnis Elwe sind alles andere als gemütlich. Trotzdem werden diesen Sommer viele Menschen hier übernachten. Freiwillig. Denn während der Kunstausstellung documenta (13) wird der Knast 100 Tage lang zum Hotel.

„Wir wollten dieses Ambiente unbedingt erhalten“

Hinter dem ungewöhnlichen Projekt stehen Immobilienunternehmer Gotthard Fels und Rechtsanwalt Christopher Posch. Als Ende 2009 die letzten Häftlinge das Gefängnis verlassen hatten, suchten sie eine Nutzungsmöglichkeit für den Bau. Ihre Idee: Der Knast wird zum Schauplatz für kulturelle Veranstaltungen. Bis Ende 2012 haben sie den Gebäudekomplex angemietet, über einen Kauf wird zurzeit verhandelt.

Wer die gelb getünchten Knast-Flure entlang geht, bekommt ein Gefühl dafür, wie sich die Insassen gefühlt haben müssen. Die Fenster sind vergittert, es herrscht eine beklemmende Atmosphäre. „Wir wollten dieses Ambiente unbedingt erhalten“, erklärt Fels. Die Atmosphäre sei schließlich das, was den Bau ausmache.

Luxus sucht man vergeblich

Dennoch musste einiges verändert werden, damit der Knast als Hotel genutzt werden darf. Die Schlösser an den Türen wurden ausgetauscht, damit die Gäste ihre Zelle auch eigenständig verlassen können. Statt einem gibt es nun zwei Duschräume auf jedem Flur - für mehr Privatsphäre. Zudem mussten Brandschutzbestimmungen eingehalten und Fluchtwege geschaffen werden. „Das war in einem Gefängnis nicht vorgesehen, wir haben also bei Null angefangen“, sagt Fels.

Viele der Zellen sind noch so, wie sie vor zwei Jahren verlassen wurden. Andere haben inzwischen eine künstlerische Note erhalten. Im vergangenen Sommer fand in der Elwe eine Tattoo-Messe statt. Einige der Künstler haben sich mit thematisch passenden Wandgemälden und Graffitis im Gefängnis verewigt. Wer im Knast-Hotel übernachten will, hat also die Wahl zwischen kahlen oder bunten Wänden, zwischen Einzel- und Doppelzelle. Eins haben jedoch alle Räume gemeinsam: Luxus sucht man vergeblich.

„Hier im Knast sind alle gleich“

Gerade das scheint aber den Reiz des Hotels auszumachen. Schon jetzt gibt es viele Übernachtungsanfragen. „An einigen Wochenenden sind wir ausgebucht“, berichtet Posch. Dabei sind es keinesfalls nur junge Leute mit wenig Geld, die das Abenteuer Knast suchen. Unter den Gästen, die sich bereits angemeldet haben, sind ganze Firmenbelegschaften und Familien mit Kindern. Das passt ins Konzept: „Hier im Knast sind alle gleich“, betont Posch.

Im Frühstücksraum, der abends als Bar genutzt wird, gibt es dann doch ein bisschen Gemütlichkeit: Eine lange Tafel mit bunten Stühlen, kuschelige Sitzecken, Bilder mit Knast-Motiven an den Wänden. Im Innenhof wird es während der documenta vom 9. Juni bis 16. September ein breites gastronomisches Angebot geben - vom Frühstück über einen Biergarten bis zum Gourmet-Restaurant.

Auch nostalgische Gäste kommen auf ihre Kosten

Wem eine Übernachtung im Gefängnis zu düster ist, findet vielleicht im Parkhaus ein passendes Domizil. Über den Parkdecks an der Kasseler Wilhelmsstraße - nur wenige hundert Meter von den documenta-Schauplätzen entfernt - haben Lulu Gent, Juliane und Berenike Hebeler individuelle Gästezimmer eingerichtet. Jeder der Räume ist anders - mal im Stil der 1960er Jahre eingerichtet, mal mit Objekten von Nachwuchsdesignern, mal mit schriller Fototapete.

Ideal für Nostalgiker ist das Hotel Reiss am Kulturbahnhof, das schon in den 1950er Jahren gesellschaftlicher Treffpunkt war. In dem von Paul Bode und Ernst Brundig entworfenen Gebäude wurden einst glanzvolle Filmbälle gefeiert. Vor der documenta (13) ist das Traditionshaus von Grund auf modernisiert worden.

Eher zähneknirschend nehmen die Hoteliers in und um Kassel die befristeten Übernachtungsangebote anlässlich der bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst zur Kenntnis. „Wir sind über diese Mitbewerber natürlich nicht erfreut“, sagt Herwig Leuk, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Kassel. Da aber Nachfrage und Hotel-Auslastung während der Großausstellung hoch seien, sehe er in Projekten wie dem Knast-Hotel keine Konkurrenz.

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