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Distanz zu Turbo-Abitur Nur Unternehmer verteidigen G8

 ·  Die Diskussion um die Zukunft des sogenannten Turbo-Abiturs nimmt Fahrt auf. Kultusministerin Beer will ein „Gesamtkonzept“ vorlegen. Elternvertreter sind für die neunjährige Gymnasialzeit - nur Unternehmer halten dagegen.

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Ralf Vormbaum

Eingeständnis des Scheiterns von G8

Rein formal betrachtet, ermöglicht G8 einen früheren Eintritt ins Erwerbsleben. Ob damit konkret in der Praxis etwas gewonnen ist, lässt sich aber schon fragen. Eine innere Reife, für Studium wie Berufsausbildung unerlässlich, ist schon heute bei vielen Schulabsolventen nicht vorhanden. Die Komprimierung des Schulstoffes führt zudem zu einer Tendenz des bloß oberflächlichen Repetierens von Wissen und damit einem Mangel an Tiefe. Schulausbildung sollte auch nicht allein auf einen sehr vordergründigen volkswirtschaftlichen Nutzen, im Sinne der besseren Vermarktung der Arbeitskraft, reduziert werden, will man nicht in ein System zurückfallen, wie es in der DDR propagiert wurde. Besser wäre, den Schulstoff unter Beibehaltung von G9 aufzuwerten und den Schülern so mehr Substanz mitzugeben. Davon hätten dann alle etwas.

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Bernd Stroemer

Rückschritt zu G 9?

es ist zutreffend, daß bei der Einführung und Umsetzung von G 8 erhebliche Fehler unterlaufen sind: zu viel Stoff, zu viele Schulstunden pro Tag etc. Das darf jedoch nicht dazu führen, die an sich vernünftige Idee, erwachsene junge Menschen nicht länger als nötig an die Schulbank zu fesseln, aufzugeben. International aber auch national - in der früheren DDR - reichen offensichtlich 8 Jahre Oberschule aus, um einen Bildungsstand zu erreichen, der zur Aufnahme eines Studiums bzw. einer Berufsausbildung ausreichend ist.
Schluß-Bemerkung: eine schwache Landesregierung wird nicht dadurch stärker, daß sie der Opposition im Landtag nachläuft!

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Michail Agrusow

Individuell

Es ist wohl tatsächlich so, dass bei gleichem erwarteten Wissenstand manche Kinder sich 8 Jahre lang langweilen und andere Kinder 9 Jahre lang überfordert sind. Wenn sich die Frage nach guter Schule aber auf die Frage der Anzahl der Schuljahre reduziert, dann "gute Nacht".

Wichtiger sind doch die Qualifikationen, die am Ende erlernt sein sollen und die Definition des Weges dorthin. Wenn es zu einer Bildungsrepublik Deutschland werden soll, dann müssen sich noch einige Dinge ändern (die schon immer so waren - Kommentar für die Strukturkonservativen)

- 0% Unterrichtsausfall (dies alleine kompensiert mindestens 1 Jahr)
- kleinere Klassen (es erzähle mir niemand, dass bei 30 Schülern eine individuelle Förderung möglich ist)
- kompetenter Ganztagsunterricht, damit die Kinder ab 16 Uhr tatsächlich Freizeit haben
- Ministerium, Schulbehörden und Schulen müssen Verantwortung für den Erfolg der Kinder übernehmen
- ect

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Karl Schade
Karl Schade (J.K.S) - 19.06.2012 13:25 Uhr

Weniger könnte mehr sein

Allenthalben hört man Klagen darüber, wie sehr die G8-Schüler unter der quantitativen Inanspruchnahme durch die Schule zu leiden haben. Sportliche und musische Aktivitäten würden stark erschwert oder gingen zu Lasten der schulischen Performance. Es könnte ein Fehler gewesen sein, den G9-Lehrstoff einfach zu komprimieren oder auszudünnen. Besser wäre es wohl, den G8-Lehrplan von Grund auf neu so zu erarbeiten als hätte es G9 nie gegeben. Vielleicht ließe sich auch der Unterricht am Samstagvormittag reaktivieren, um die Belastung unter der Woche zu entzerren. Auch sollte man die rechnerisch überzähligen Lehrkräfte nicht einsparen, sondern zur Verkleinerung der Klassen und damit zur Intensivierung der Betreuung nutzen. Zwölf Jahre Schule müssten doch wirklich ausreichen, um intelligente junge Leute auf ein Studium vorzubereiten. Wo gäbe es sonst auf der Welt eine 13jährige Schulzeit?

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Walter Engl
Walter Engl (yomogi) - 19.06.2012 13:04 Uhr

G8 ist richtig

Wenn wir keine "education-bubble" wollen, wie sie sich derzeit in den USA abzeichnet, dann sollte man sich fragen, ob jemand der ohne Krücken das Abitur in 8 Jahren nicht schafft, vielleicht besser einen anderen Ausbildungsweg angestrebt hätte. Die Auslese nach einem anschließend wahrscheinlich ebenfalls längerem Studium ist für den einzelnen und bei schrumpfender Bevölkerung für die Gemeinschaft nachteilig.
Ich bin kein Unternehmer, habe aber sowohl eine Handwerksausbilung als auch ein Studium abgeschlossen, außerdem alt genug den größeren Teil Schulwissens vergessen zu dürfen.

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Anna Menz
Anna Menz (Anna_Menz) - 19.06.2012 12:37 Uhr

Geld ist nicht alles

Die Kinder lernen doch sowieso Sachen, die sie nie mehr brauchen werden, oder? Außerdem, was ein Jahr mehr Gymnasialunterricht so kostet, wer soll das bezahlen. Und jetzt wo der Fachkräftemangel so unmittelbar bevorsteht sollten wir am besten auch noch über ein weiteres Jahr Verkürzung nachdenken. G7, Bacherlorstudiengänge um ein oder zwei Semester verkürzen und dann sind wir endlich wieder bei den Zeiten in denen 14-jährige für billiges Geld arbeiten können, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Investmentbanken zu sichern.
Aber Ironie beiseite:
Ob G8 oder G9 ist eine individuelle Entscheidung für jedes Kind. Ich würd' mal sagen, dass etwa 20 bis 25 % eines Jahrganges G8 auch ohne Stress hinbekommen. Weitere 30-35 % kriegen das Abi dann nach 9 Jahren hin. Und wenn die Zielsetzung von 50%+ eines Jahrganges ein Abitur ist und keine Abstriche an der Qualität gemacht werden sollen, dann muss man halt in Lehrer und Lernzeit investieren.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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