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Dinosaur Jr. in Frankfurt Wortkarg wie eh und je

 ·  Reibung tut not: Das zeigt der Auftritt der Alternative-Rock-Band Dinosaur Jr. in der völlig überfüllten Frankfurter Batschkapp.

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Ob J. Mascis hinter geschlossenen Türen ganz anders ist? Cholerisch? Agil? Divenhaft? Schwer vorstellbar, denn im Gespräch erweckt der Gitarrist mit der Anmutung eines White-Trash-Indianerhäuptlings eher den Eindruck, ihm sei alles egal. Aber vielleicht ist es ja gerade diese verschnupfte, bisweilen an Einfalt grenzende Art, mit der er in dreißig Karrierejahren seine Mitmusiker in den Wahnsinn getrieben und sich den Ruf erarbeitet hat, keine Nebenbuhler ertragen zu können.

Lou Barlow und Emmett Jefferson Murphy, genannt Murph, können ein Lied davon singen. Gemeinsam mit Mascis gründeten sie 1984 die Band Dinosaur Jr. Schnell entwickelte das Trio einen ganz eigenen Stil, dröhnend und harmonisch zugleich, der die Band auch außerhalb ihrer Heimat Massachusetts bekannt machte und den Grunge-Sound der frühen neunziger Jahre antizipierte. Nach drei wegweisenden Alben verließ Barlow die Gruppe, weil Mascis ihm künstlerischen Spielraum versagt hatte. Mit seiner eigenen Band Sebadoh nahm er in den folgenden Jahren einige allseits geschätzte Platten auf, während die neu formierten Dinosaur Jr. ihre kommerziell erfolgreichste Phase erlebten. Und doch reifte bei Mascis und Barlow wohl die Erkenntnis, dass erst die kreative Reibung große Taten möglich macht.

Durchdringender Gesang

Seit 2005 spielen Dinosaur Jr. wieder in ursprünglicher Besetzung. Erstaunlich mühelos ist es ihnen gelungen, zu alter Stärke zurückzufinden, wie sie bei ihrem Konzert in der ausverkauften Frankfurter Batschkapp beweisen. Dass die aktuelle Platte „I Bet On Sky“ so klingt, als sei sie mindestens zwanzig Jahre alt, ist dabei als Kompliment zu verstehen, denn der Klang des Trios ist noch immer einzigartig. Ihn bestimmen heftige Zerr-Effekte, eine hohe Lautstärke und mäandernde Instrumentalpassagen, die Mascis mit wuchtigen, an Neil Young erinnernden Gitarrensoli ausfüllt.

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© Rosenkranz, Henner Vergrößern Sing auch, ohne sein Haar zu schütteln: J. Mascis

Der durchdringende Gesang, für den der ergraute Sänger seine überraschend sanfte Stimme kaum zu heben braucht, offenbart jedoch, dass die Stücke, wären sie nur anders instrumentiert, durchaus als makellose Popnummern durchgingen. Kein Wunder daher, dass sich „Just Like Heaven“, einst ein Hit der britischen New-Wave-Formation The Cure, bestens in das neunzig Minuten lange Set einfügt.

Im Kontrast zu den fesselnden Stücken steht das Bühnengebaren der Band. Vor allem Mascis zeigt sich hier so introvertiert wie eh und je. Zwischen den Stücken stimmt er langatmig seine Gitarre oder frickelt an den Reglern der massigen Verstärker herum, die hinter ihm aufgebaut sind. Wie aus Langeweile trommelt Schlagzeuger Murph währenddessen ein paar Rhythmen, und Barlow fragt mäßig interessiert, wer von den Zuschauern sich an diesem Faschingsdienstag verkleidet habe.

Wortkarger Bandchef im Mittelpunkt

Ansonsten: warten. Es dreht sich eben alles um den wortkargen Bandchef. Gerade Barlow wünschte man da mehr Gestaltungsmöglichkeiten, ist er doch im Vergleich zu Joseph Donald Mascis, wie der Gitarrist mit ganzem Namen heißt, nicht nur kommunikativer, sondern womöglich auch der variablere Sänger.

Davon zeugen zumindest die drei Stücke, für die Mascis dem Bassisten das Mikrofon überlässt: Der beschwingte Bubblegum-Rocker „Rude“, „Training Ground“, das die beiden Musiker einst mit ihrer ersten Band Deep Wound einspielten und das heute die Wurzeln des Trios im Hardcore-Punk freilegt, sowie „Forget The Swan“ vom 1985 erschienenen Debütalbum. Vielleicht sollte Barlow ja doch noch einmal das Gespräch mit Mascis suchen und um Gleichberechtigung bitten. Später, hinter geschlossenen Türen.

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