http://www.faz.net/-gzg-6xyam

Diktatwettbewerb „Frankfurt schreibt!“ : Hefte raus, Handys aus

  • -Aktualisiert am

Diktate schreiben ist bei Schülern meist unbeliebt, aber bei „Frankfurt schreibt!“ gibt es Preise zu gewinnen. Bild: ddp images/dapd/Mario Vedder

Beim Wettbewerb „Frankfurt schreibt!“ schreiben Schüler, Eltern und Lehrer freiwillig schwierige Diktate. Heute findet das Finale in der Frankfurter Musterschule statt.

          In der dritten Klasse hat er "Ich bin" mit zwei "n" geschrieben. Daran erinnert sich Roland Kaehlbrandt, der Leiter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, bis heute. Denn seit eh und je sind sie Teil des Lehrplans: Diktate. Von manchen geliebt, von vielen gefürchtet. Ganz ohne Zwang üben sich hingegen 200 Schüler von 15 Frankfurter Gymnasien seit Oktober in der Rechtschreibung. So haben sie das Finale von "Frankfurt schreibt!" erreicht, einem von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft initiierten Diktatwettbewerb.

          Das Vorbild kommt aus Frankreich, wo es schon seit vielen Jahren einen nationalen Rechtschreibwettbewerb im Fernsehen gibt. Jetzt hat Kaehlbrandt das französische Format nach Frankfurt gebracht. "Frankfurt schreibt!" richtet sich vor allem an Schüler der Oberstufe, wo orthographisch korrektes Schreiben zwar vorausgesetzt, im Lehrplan aber nicht mehr behandelt wird. Der Wettbewerb solle einen Beitrag dazu leisten, dass die Schüler sich wieder intensiv mit der Rechtschreibung auseinandersetzten und gleichzeitig Gefallen an ihr fänden, sagt Kaehlbrandt. "Frankfurt schreibt!" soll Orthographie und Interpunktion zum abendfüllenden Ereignis machen.

          Finalisten im Dezember ausgewählt

          Schon im Dezember wurden bei einem Vorausscheid die Finalisten der verschiedenen Schulen ausgewählt. Diese können sich seitdem mit Übungsmaterial in Lerngruppen, im Unterricht, zu Hause und auf der Internetseite des Wettbewerbs auf das große Diktat vorbereiten.

          Die Polytechnische Gesellschaft engagiert sich auf vielerlei Wegen für die Sprachförderung, etwa mit dem "Deutschsommer" und den Diesterweg-Stipendien. Mit dem Diktatwettbewerb, der auch von dieser Zeitung unterstützt wird, will sie nicht nur Schüler erreichen, sondern auch Eltern und Lehrer. Denn das Alter spiele beim korrekten Umgang mit der Sprache keine Rolle, meint Kaehlbrandt. "Dem regelgerechten Schreiben kann im Alltag keiner entkommen." Und schließlich seien Diktate auch eine Art Denksport, die auch denjenigen Spaß mache, die sich weniger mit Sprache beschäftigten.

          Anmeldungen aus der ganzen Welt

          Auch Schulklassen aus Russland, Rechtsanwaltskanzleien und zahlreiche Unternehmen haben sich zum Wettbewerb angemeldet. Sogar aus einer Justizvollzugsanstalt seien Bewerbungen eingegangen, zeigt sich Kaehlbrandt erfreut. Denn darin sieht er den Sinn der Aktion: "Sprache gehört uns allen. Sie verbindet sich mit dem Leben, und dadurch wird sie lebendig."

          Am Dienstag findet das große Finale des Wettbewerbs in der Musterschule statt. Dann treten Schüler, Eltern und Lehrer gegeneinander an. Worum es im Diktat inhaltlich geht, will Kaehlbrandt nicht verraten. Das Geheimnis wird streng gehütet. Nur so viel lässt er sich entlocken: Der Text sei sehr schwierig, aber ebenso humorvoll. "Und natürlich wird er etwas mit Hessen und Frankfurt zu tun haben."

          Weitere Themen

          Trump kennt kein Erbarmen Video-Seite öffnen

          Familientrennung an der Grenze : Trump kennt kein Erbarmen

          Im Kampf gegen illegale Einwanderung ist der amerikanischen Regierung offenbar jedes Mittel recht. Die Immigranten werden festgenommen und Kinder von ihren Eltern getrennt. Das spaltet nun das Land, doch Präsident Trump zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt.

          Adorno zieht

          Fünfzig Jahre 1968 : Adorno zieht

          Die Kritische Theorie, die vor fünfzig Jahren die Studenten faszinierte, bekommt im Jubiläumsjahr 1968 neue Aufmerksamkeit. Wie hat sich der Umgang geändert? Eine Umfrage unter Lehrenden an der Goethe-Uni.

          Topmeldungen

          Statistik vor der Wahl : So hat Erdogan die Türkei verändert

          Seit 2002 regiert Recep Tayyip Erdogan die Türkei. Unter ihm wurde das Land wohlhabender und urbaner. Doch wirtschaftlich steht längst nicht alles zum Besten. Die Bilanz des AKP-Politikers in Grafiken.

          Jacke der First Lady : Was genau ist Melania Trump egal?

          „Es ist mir wirklich egal. Und Dir?“ steht auf der Jacke, die Melania Trump beim Besuch eines Heims für Migrantenkinder an der Grenze zu Mexiko trägt. Und Amerika rätselt: Meint die First Lady damit das Leid an der Grenze? Oder doch eher ihren Mann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.