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Dieburg Basisdemokratische Bahnunterführung

09.10.2011 ·  In Dieburg ist für 12 Millionen Euro ein neuer Tunnel fertiggestellt worden - 18 Jahre nach dem ersten Bürgerentscheid in Hessen.

Von Werner Breunig
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Am Freitag ist in Dieburg die Bahnunterführung samt Fuß- und Radwegen an beiden Seiten in der Frankfurter Straße eröffnet worden. Sie hat eine besondere Vorgeschichte: Vor 18 Jahren drückte eine Bürgerinitiative durch, dass eine Unterführung unter die vielbefahrene Bahnstrecke Darmstadt-Aschaffenburg gebaut werden sollte. Der Bürgerentscheid brachte eine Mehrheit von 56,4 Prozent für die Untertunnelung bei einer Wahlbeteiligung von 55,4 Prozent. Es handelte sich 1993 um den ersten Bürgerentscheid in Hessen, nachdem die Landesregierung die Hessische Gemeindeordnung entsprechend geändert hatte. So wurde gestern in den Eröffnungsreden gerne an die aufregende Zeit 1993 erinnert, und unter den Zuhörern machten Geschichten aus der damaligen Zeit die Runde.

16000 Autos querten täglich auf der Landesstraße die zweigleisige Bahnstrecke, doch ihre Fahrt wurde wegen 160 Zügen immer wieder durch geschlossene Schranken gestoppt. Das ergab nicht nur Zeitverlust, sondern brachte Lärm und Gestank, zudem war Dieburg von seinen Einzelhandelsgeschäften im Norden und dem Industriegebiet abgeschnitten. Wer in Richtung Münster, zur Bundesstraße 45 nach Norden, nach Hanau oder Frankfurt fahren wollte, stand zumeist erst vor geschlossenen Schranken.

15 Jahre bis zum Baubeginn

Pläne für eine Beseitigung des sogenannten höhengleichen Bahnübergangs gab es seit den siebziger Jahren, 1992 beauftragte die Mehrheit aus CDU und FDP den Magistrat, mit Bund, Land und Bahn über einen Tunnel zu verhandeln. Die Kommunalwahl 1993 schickte aber CDU und FDP in die Opposition. SPD, Grüne und UWG kippten den Beschluss, so dass am Bahnübergang alles unverändert bleiben sollte. Doch dann bildete sich eine Bürgerinitiative, hatte rasch weit mehr als die geforderten tausend Unterschriften beisammen und setzte den Bürgerentscheid durch.

15 weitere Jahre sollten dann ins Land gehen, bis 2008 mit dem Bau begonnen wurde. In dieser Zeit gab es Umplanungen, aber auch die Bahn-Privatisierung, die ständige Veränderungen von Strukturen und Zuständigkeiten mit sich brachte. Die Erörterungen zwischen Institutionen und Behörden zogen sich hin. Zum Vergleich erinnerte der Repräsentant der Deutschen Bahn AG, Giesbert Brauner, gestern daran, dass der Bau der Bahnstrecke Mainz-Aschaffenburg von 1856 bis 1857 und somit nur knapp zwei Jahre gedauert habe. Die Unterführung verschlang bisher drei Jahre, erst im nächsten Frühjahr werden die Anbindung von Seitenstraßen und ein Fahrradweg parallel zur Bahnstrecke fertig sein.

Vergleichsweise lange Bauzeit

Zwölf Millionen Euro kostet nun der Tunnel, zu dem Bahn, Land und Bund jeweils ein Drittel der Kosten beisteuern. Weitere 800000 Euro trägt die Stadt Dieburg, die den Quer-Fahrradweg wünschte. Siegfried Rinke, Ministerialrat im Bundesverkehrsministerium, sprach gestern von einem Gewinn an Sicherheit und erwähnte, wie sehr mit dem Bau von Unterführungen die Zahl der Unfälle und Toten an Bahnquerungen zurückgegangen sei.

Die vergleichbar lange Bauzeit begründete Brauner damit, dass man mit Überraschungen habe kämpfen müssen, mit instabilem Baugrund, mit schadstoffbelastetem Boden, mit kontaminiertem Grundwasser, mit Frost. Außerdem habe man Umleitungen und Behelfsquerungen einrichten müssen. Dennoch, so Steffen Saebisch (FDP), Staatssekretär im hessischen Verkehrsministerium, sei der geplante Freigabetermin eingehalten worden. Brauner versprach, dass alle Beteiligten aus der zeitraubenden Abstimmung gelernt hätten: Bund, Land und Bahn hätten sich nach den Dieburger Erfahrungen besser vernetzt.

Baustelle um die Unterführung

Von diesem Wochenende an soll der Verkehr unter der Bahnlinie hindurchfließen. Am Freitag noch feierte Dieburg die Fertigstellung der Unterführung: Mitten auf der 4,20 Meter breiten Straße war ein Zelt aufgestellt.

Rund um die Unterführung bleibt noch eine Baustelle eingerichtet. Denn die Straße vom Bahnhof her ist noch nicht fertiggestellt. Sie wird nach unten geführt und mündet vor dem kurzen Tunnel auf die Landesstraße. Von der Fahrrad-Überführung, parallel zur Bahn über die Landesstraße, ist bisher nur die Brücke fertig.

Bürgermeister Werner Thomas (parteilos) sprach von einem großen Tag für die Stadt, die wieder zusammenwachsen könne. Er sei froh, dass die Dieburger nun wieder in ihrer Stadt einkaufen könnten.

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Jahrgang 1952, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg.

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