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Zur möglichen Zeitumstellung : Die Zeiten werden nicht glücklicher

  • -Aktualisiert am

Oldschool: Zeitumstellung Bild: dpa

Es ist mit der Zeit wie mit dem Wetter: Allen kann man es nicht recht machen. Eins ist jedoch klar: Die neuen Zeiten wären mindestens gewöhnungsbedürftig.

          Sie soll also weg. Millionen Menschen in ganz Europa haben sich in einer Online-Umfrage dafür ausgesprochen, den jährlichen Wechsel von Sommer- und Winterzeit zu streichen. Die meisten Menschen mögen eben keine Veränderung.

          Genau deshalb beschleicht viele nun ein ungutes Gefühl, wenn sie an die Folgen denken, die eine Abschaffung des Zeitsprungs nach sich zieht: Setzt sich die Sommerzeit durch, werden die Wintermorgen noch länger und dunkler als ohnehin, erst um halb zehn würde in Frankfurt im Dezember die Sonne aufgehen. Gingen die deutschen Uhren künftig dauerhaft nach der Winterzeit, so wäre es vorbei mit den langen, hellen Sommerabenden. Dafür ließe die Sonne ihre ersten Strahlen schon um kurz nach vier Uhr in der Frühe auf dem Kopfkissen tanzen.

          Die neuen Zeiten wären mindestens gewöhnungsbedürftig

          Was wird das dann heißen für den Familienfrieden? Steht der Nachwuchs morgens noch früher hellwach an der Bettkante? Oder, im umgekehrten Fall: Gehen die Kinder im Teenager-Alter im Winter überhaupt nicht mehr zur Schule? War es nicht bisher schon schwer genug, sich im Dunkeln aus dem Bett zu quälen? Wann müssen die Open-Air-Konzerte und Theateraufführungen im Sommer beginnen? Erfüllte der bisherige Zeitsprung am Ende doch noch einen lebensweltlichen Sinn, wenn auch nicht den der Energieeinsparung, den man sich bei seiner Einführung 1980 versprochen hatte?

          Die neuen Zeiten wären mindestens gewöhnungsbedürftig. Es wird mit ihnen so werden, wie es mit dem Wechsel bislang schon war: Die einen würden unter den dunklen Tagesanfängen leiden, die anderen unter den hellen. Es scheint mit der Zeit wie mit dem Wetter zu sein; allen kann man es nie recht machen.

          Dass die Zahl der Unzufriedenen wohl groß bleibt, ist bedauerlich für die Verantwortlichen der Europäischen Union, die das Thema ganz offensichtlich dafür nutzen wollen, den Bürgern zu beweisen, dass die Gemeinschaft keinesfalls ein abgehobener Bürokraten-Apparat ist, sondern dass sie die Wünsche der Bürger ernst nimmt, ihnen diesmal sogar prompt und in atemberaubenden Tempo folgen möchte. Die Online-Umfrage wurde vor gerade einmal zwei Wochen beendet, die Ergebnisse sind kaum bekannt, schon legt die EU-Kommission ihren Vorschlag zur Abschaffung vor.

          Darin stellt sie es den Mitgliedsländern allerdings frei, für welche der beiden Zeitrechnungen sie sich entscheiden. Die Vorstellung, dass in Wien, Paris und Frankfurt die Uhren künftig unterschiedlich gehen könnten, klingt aber doch wieder nach Bürokratie – und könnte etwas werden, worüber dann auch die Wirtschaftsverbände klagen.

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