Home
http://www.faz.net/-gzg-t1l5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Die wichtigsten Änderungen Landesabitur, Intensivklassen und „Unterrichtsgarantie plus“

23.08.2006 ·  Mit Beginn des neuen Schuljahres gilt die amtliche Regelung der Rechtschreibung in der Fassung von 2006 als verbindliche Grundlage für den Unterricht an allen hessischen Schulen.

Von Jacqueline Vogt
Artikel Lesermeinungen (0)

Mit Beginn des neuen Schuljahres gilt die amtliche Regelung der Rechtschreibung in der Fassung von 2006 als verbindliche Grundlage für den Unterricht an allen hessischen Schulen. Die gültige Fassung von Regeln und das Wörterverzeichnis sind im Internet unter der Adresse www.rechtschreibrat.com nachzulesen. Nach einem Erlaß des hessischen Kultusministeriums vom Mai dieses Jahres werden jedoch bis zum 31. Juli 2007 Schreibweisen, die durch die amtliche Regelung überholt sind, nicht als Fehler markiert und bewertet.

Erstmals werden auch in der Grundschule Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Rechnen erfaßt - bisher war das in den ersten vier Klassen auf Lese- und Rechtschreibschwächen begrenzt. Schülerinnen und Schüler mit Funktionsbeeinträchtigungen, Behinderungen oder besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen erhalten individuelle Förderung. Neu ist auch der sogenannte Nachteilsausgleich: Legasthenie oder Dyskalkulie werden in der Notengebung berücksichtigt. Im Extremfall gilt sogar Notenschutz. Das heißt: Auf die Note kann ganz verzichtet werden.

Intensivklassen und Intensivkurse werden zusätzlich zu den Deutsch-Vorlaufkursen für Kinder im Grundschulalter eingeführt: Schüler, die ohne Deutschkenntnisse nach Hessen kommen, müssen zunächst für ein bis zwei Jahre solche Klassen oder Kurse besuchen. Für diesen Unterricht sind laut Kultusministerium 200 Stellen vorgesehen.

Unterricht soll nicht mehr ausfallen

Mit dem neuen Schuljahr beginnt in Hessen das Projekt eigenverantwortliche Schule: Die Schulen erhalten Budgets für Fortbildung (40 Euro je Stelle im Jahr) und für Vertretung (1000 Euro je Stelle im Jahr). Die Jahresstundentafel wird aufgehoben, und die Schulen dürfen bei frei werdenden Stellen 50 Prozent selbständig besetzen. In den Klassen eins bis zehn soll gewährleistet werden, daß zwischen der ersten und der sechsten Stunde kein Unterricht mehr ausfällt. Als kurzfristig zu beschäftigende Vertretungskräfte können Lehrkräfte in Elternzeit oder Pension, Lehramtsstudenten und Eltern eingesetzt werden; die personelle Verantwortung haben die Schulleiter („Unterrichtsgarantie plus“).

Im gymnasialen Bildungsgang starten die letzten Schulen in die Verkürzung der Ausbildung auf acht Jahre, auch „G 8“ oder „Turbo-Abitur“ genannt. Im Frühjahr 2007 werden erstmals die schriftlichen Abiturprüfungen (zwei Leistungskurs-Klausuren und eine Grundkurs-Klausur) mit landesweit einheitlichen Aufgaben gestellt. Bei diesem Landesabitur bleiben nur die mündlichen Prüfungen und Präsentationen in der Verantwortung der einzelnen Lehrer. Voraussichtlich 62 Haupt- und Förderschulen mit zirka 84 Klassen arbeiten im neuen Schuljahr nach dem „Schub“-Erlaß zum Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb. Darüber hinaus wird es elf integrierte Gesamtschulen mit schubklassenähnlichen Fördermaßnahmen geben. „Schub“ ist für Schüler aller Schulformen gedacht, die in der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf besonderer Hilfe beim Lernen und Arbeiten bedürfen.

Auch an den beruflichen Schulen ändert sich einiges: Im Berufsgrundbildungsjahr wird es verpflichtende Betriebspraktika geben und eine Abschlußprüfung einschließlich einer Projektprüfung. Auch bei den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung werden Betriebspraktikum und Projektprüfung verpflichtend. Ersteres gilt zudem ebenso für die höhere Berufsfachschule. Stärkerer Praxisbezug soll die Chancen von Berufsschülern auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Für einige Berufsschulformen gibt es zudem neue Lehrpläne. Nach Abschluß der Pilotphase wird mit dem neuen Schuljahr die externe Schulinspektion zur Regel.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr