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Luminale in Frankfurt : Die Stadt in Licht und Dunkel

Kunstwerke und Lichtinstallationen: Osthafenbrücke: ASE Amt für Straßenbau; HBF: FH Mainz; Naxohshalle: HAW Hamburg, Christine Lyschik, TU Ilmenau Bild: F.A.Z.

Die 7. Luminale hat in Frankfurt begonnen. Bis Freitag verwandelt sie viele Orte in Frankfurt und Offenbach in leuchtende Beispiele moderner Lichtkunst.

          Kaum sorgt die Umstellung auf die Sommerzeit dafür, dass es morgens beim Aufstehen wieder etwas länger dunkel ist, erhellt die Luminale in Frankfurt und Offenbach mit ihren Farben die Nacht. Am Sonntag Abend ist die Biennale der Lichtkultur eröffnet worden. Bis Freitag begleitet das Festival, das alle zwei Jahre veranstaltet wird, an vielen Orten die Fachmesse „Light and Building“, die auf dem Frankfurter Messegelände stattfindet. Für die rund 2300 Aussteller und knapp 200.000 Besucher der „Light and Building“ bildet die Luminale das Abendprogramm. Für Laien, deren Beleuchtungskenntnisse sich im Umlegen des Lichtschalters erschöpfen, bietet sie die Gelegenheit, eine Region, die auch im Alltag nicht unter Lichtknappheit leidet, durch die Wirkung von Lichtkunst verwandelt zu erleben.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu sehen sind in Frankfurt und Offenbach bis Freitag jeweils vom Einbruch der Dunkelheit an mehr als 180 Installationen und Performances, die die technischen Möglichkeiten und den ästhetischen Gewinn des Spiels mit dem Licht in Szene setzen. Zu den beliebtesten Attraktionen dürfte in diesem Jahr die Illumination der Osthafenbrücke gehören. Die erst vor einem Vierteljahr eröffnete Stahlkonstruktion, auf der während der Festivalabende keine Autos fahren, lockt Fotografen zudem mit einem exzellenten Blick auf die Skyline.

          Internationale Lichtdesigner am Werk

          Ganz in der Nähe nimmt an seinem neuen Standort unter der Honsellbrücke auch der Kunstverein Familie Montez an der Luminale teil. In den Bögen unter der Brücke sind Beiträge von Künstlern aus Deutschland und Österreich zu sehen. Die Naxoshalle an der Waldschmidtstraße ist erstmals Schauplatz der Luminale und bietet Arbeiten von Lichtdesignern aus Australien, Großbritannien und Polen Platz. Ein organischer Lichtbaum vor der Halle ist ebenso zu sehen wie Lichtmode aus Japan in ihrem Inneren.

          Leucht-Lingerie: Models präsentieren Wäsche während Luminale

          Einer der wichtigsten Veranstaltungsorte der Luminale ist auch in diesem Jahr der Palmengarten. Zwölf Installationen sind dort aufgebaut, unter ihnen das Projekt des brasilianischen Künstlers Vinicius Silva de Almeida. Seine „Tränen des Heiligen Petrus“ bestehen aus vielen hundert mit Wasser gefüllten Glühbirnen, die einen in der Luft schwebenden Regenschauer zu bilden scheinen.

          Die großen Plätze der Innenstadt sind ebenfalls Teil der Luminale. Auf der Hauptwache steht für die Zeit der Biennale ein Industrieroboter, dessen Arm einen leuchtenden Stab hält und Besuchern den Weg weist. Auf dem Roßmarkt zeigt die Städelschule eine interaktive Skulptur.

          Licht und Ton: Am Mainkai hat sich der Bauch eines Containerschiffs in eine Installation verwandelt

          Auch die Fassade des Frankfurter Hauptbahnhofs wird für die Biennale beleuchtet. Die architektonischen Besonderheiten des Baus werden durch LED-Technik hervorgehoben. Viele der auf der Luminale gezeigten Arbeiten nutzen solche Leuchtdioden, die nicht nur in der Lichtkunst, sondern auch in der Straßenbeleuchtung und in der Lichttechnik für Gebäude immer wichtiger werden. Die Stadt Frankfurt plant, ihre rund 5500 noch verbliebenen Gaslaternen in den nächsten Jahren für knapp 60 Millionen Euro auf Leuchtdioden umzurüsten, um auf diese Weise langfristig Geld einzusparen.

          Wie vor zwei Jahren ankert am Ufer des Mains während der nächsten Tage ein Containerschiff, auf dem die Fachhochschule Mainz und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt zusammen mit Mitgliedern des Ensemble Modern eine Performance zur Transformation von Licht und Form durch Musik aufgebaut haben. Das Schiff hat an der Altstadtseite des Mainufers in der Nähe des Holbeinstegs angelegt.

          Leuchtende Kunstwerke

          Auf die Kraft der Verwandlung setzen die Techniken der Lichtkunst von heute genauso wie einst die künstlerischen Verfahren der Romantik. Neben dem Goethehaus am Großen Hirschgraben erinnern die Medienkünstler von „Tip Top Express“ daher am Standort des geplanten Romantikmuseums und im Auftrag der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding an die Strahlkraft von Licht und Ideen. Die Bühne dafür bilden der Innenhof und mehrere Räume des ehemaligen Börsenvereinsgebäudes.

          Um die Besucher möglichst einfach zu den leuchtenden Kunstwerken der Luminale zu bringen, verkehrt auch in diesem Jahr ein Shuttlebus, der täglich von 18 Uhr an alle zehn Minuten vor dem City-Eingang des Messegeländes abfährt und über 18 Haltestellen die meisten der Frankfurter Luminale-Kunstwerke leicht erreichbar macht. Von der Paulskirche aus verkehrt außerdem zu jeder vollen Stunde der „Luminale-Express“ nach Offenbach, wo 35 Installationen zu sehen sind. Auf dem Gelände der Heyne-Fabrik zeigen Künstler des Licht-Design-Instituts Amsterdam eine Gruppenausstellung, in der es darum geht, wie das elektrische Licht die Welt verändert hat. Am Hafen wird ein alter Verladekran zum Leben erweckt, der sich durch seine Beleuchtung in der Dunkelheit zu bewegen scheint. Zeit dafür hat er die ganz Woche. Immer, wenn es dunkel wird.

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