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„Die Schöne und das Biest“ in der Alten Oper Untiere sind mit Sorgfalt zu behandeln

Wenigstens zu Weihnachten geht die Sache mit der Liebe gut aus: In der Alten Oper Frankfurt ist „Die Schöne und das Biest“ in der detailverliebten Inszenierung von György Böhm zu sehen.

© Röth, Frank Vergrößern Nicht nur bei Walt Disney mit Happy End: „Die Schöne und das Biest“ ist in der Alten Oper zu sehen.

Man sollte ein Buch niemals nach seinem Einband beurteilen. Es ist eine Einsicht, die auch dem attraktiven, aber etwas oberflächlichen Prinzen zuteil wird, der zu spät erkennt, was ihm geschehen ist. Schließlich hat sich die alte Bettlerin, die bei ihm für die Nacht eine Unterkunft gesucht und dafür nichts als eine Rose geboten hat, als wunderschöne Fee mit Hang zu bitterbösen Flüchen entpuppt. Fortan muss der blaublütige junge Mann sein Leben als hässliches Biest mit unschönen Stimmungsschwankungen und einem Faible für Gewaltausbrüche fristen.

Den Bann zu brechen vermag nur eine Seele, die das haarige Ungeheuer selbstlos liebt, bevor die magische Blume endgültig verblüht ist. Allein ein von der Fee zurückgelassener Zauberspiegel gestattet es dem Einsamen, dessen verwunschenes Anwesen von Wolfsrudeln umspielt wird, einen Blick in die Normalwelt zu werfen. Auch sein Schloss mitsamt den Bediensteten ist nicht ungeschoren davongekommen: eine düstere, unwirtliche Katakombe, bevölkert von allerlei Hausrat aus Fleisch und Blut auf zwei Beinen.

Das Leben ist kein Ponyhof

Ausgangspunkt für die deutschsprachige Inszenierung, die das Budapester Operetten- und Musicaltheaters nun in der Frankfurter Alten Oper zeigt, ist das französische Volksmärchen „La belle et la bête“, im 18. Jahrhundert zweimal literarisch gefasst, im Jahr 1946 von Jean Cocteau verfilmt. Nachdem Disney den Stoff 1991 als immens erfolgreichen Zeichentrickfilm auf die Leinwand brachte, wurde aus dem Märchen auch ein von der Autorin Linda Woolverton, dem Komponisten Alan Menken sowie den Textern Howard Ashman und Tim Rice verfasstes Musical, das nicht nur am Broadway mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.

In Frankfurt nimmt die im edlen Bühnenbild von István Rózsa und schrill exotischen Kostümen von Erzsébet Túri inszenierte Geschichte nach Ouvertüre und Prolog rasch Fahrt auf. Auch außerhalb der Mauern des Schlosses entpuppt sich das Leben nicht als Ponyhof, wie die junge Belle feststellen muss, der daheim im Dorf der engstirnige Gaston nachstellt. Zum Glück ereilt sie in den von Péter Somfai zauberhaft ausgeleuchteten Tableaus und den Choreographien von Éva Duda gerade noch rechtzeitig die passende Schicksalswendung. Belles Vater Maurice, ein genial-verrückter Erfinder, verirrt sich im Wald und wird vom Biest kurzerhand in einen Käfig gesperrt.

Das Publikum spendet stürmischen Szenenapplaus

Die herzensgute Tochter macht sich auf die Suche nach ihm, findet das Biest und willigt in einen fatalen Tausch ein: Belle bleibt an Vaters Statt für immer in den Klauen des Untiers. Von nun an hegen die bizarren Schlossbewohner, darunter die Uhr Herr von Unruh, der Kandelaber-Casanova Lumière, die Teekanne Madame Pottine und ihr Söhnchen Tassilo, raffinierte Verkupplungspläne und geben sich in kiloschweren Kostümmonturen der Hoffnung hin, dass der böse Fluch bald enden möge.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Zuschauer, die nicht nur bei beeindruckenden Massenszenen wie „Sei hier Gast“ stürmischen Szenenapplaus spenden, längst gebannt von György Böhms detailverliebter Inszenierung. Die setzt sich nach der irrwitzigen Vorstellung sämtlicher Schlossbewohner mit tanzendem Geschirr und Besteck in der langsamen, aber sicheren Annäherung des ungleichen Paares fort. Schließlich darf Belle sogar zurück ins Dorf.

Munter wird es auf der Zielgeraden

Munter wird es noch einmal auf der Zielgeraden, kurz vor dem Happy-End des durchweg unterhaltsamen Stücks, für dessen gelungene Eindeutschung mit charmantem Akzent Sprechcoach Martin Harbauer verantwortlich ist: Gaston und der aufgehetzte Dorfmob stürmen die Gemäuer. Es kommt zum Zweikampf auf Leben und Tod. Am Ende siegt das Gute, dank Belles selbstlosem Einsatz. Zum Finale zeigen sich schließlich auch jene Mitwirkenden, die mehr als zwei Stunden lang unsichtbar blieben: Dirigent Krisztián Balassa samt Orchester.

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Weitere Aufführungen am 26. Dezember von jeweils 15 und 19.30 Uhr an, am 27. und 28. Dezember von jeweils 19.30 Uhr an, am 29., 30. und 31. Dezember von jeweils 15 und 19.30 Uhr an, am 2. und 3. Januar von 19.30 Uhr an und am 4., 5. und 6. Januar von jeweils 15 und 19.30 Uhr an

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.12.2012, 16:59 Uhr

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