03.06.2005 · Man darf auch angesichts der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft nicht in unkritische Begeisterung verfallen. Ob es Frankfurt wirklich gelingt, angesichts von elf weiteren Spielstätten, die ebenfalls ...
Man darf auch angesichts der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft nicht in unkritische Begeisterung verfallen. Ob es Frankfurt wirklich gelingt, angesichts von elf weiteren Spielstätten, die ebenfalls Aufmerksamkeit beanspruchen, eine nachhaltige Image-Aufbesserung im In- und Ausland zu erreichen? Doch selbst wenn es nicht hilft, so schadet es ja nicht, wenn sich die Metropole in diesen Tagen des nächsten Jahres noch gastfreundlicher gibt als sonst und mit allerhand Aktivitäten das Fest im Stadion zu einem Fest der Stadt werden läßt.
Von größter Bedeutung dürfte dabei sein, wie sich der Einzelhandel präsentiert. Die deutschen Ladenöffnungszeiten jedenfalls, mögen sie auch in den vergangenen Jahren etwas ausgeweitet worden sein, stellen nach wie vor eines der abschreckendsten und sinnfälligsten Beispiele für die strukturellen Schwierigkeiten des Wirtschaftsstandorts Deutschland dar. Da ist es gut, wenn wenigstens während der vier Wochen im Juni und Juli 2006 nicht um 20 Uhr, angesichts der Sommerzeit und der abendlichen Spiele also gleichsam mitten am Tag, die Rolläden heruntergehen und an den Sonntagen gar nicht erst hochgezogen werden dürfen.
Doch Öffnungszeiten am Abend und an Sonntagen müssen von langer Hand vorbereitet werden, sonst kommt es zu einem Durcheinander, wie es sich jetzt bei dem wohl gescheiterten Versuch abzeichnet, derlei schon während des Confederations Cup in zwei Wochen zu erproben. Dabei müssen für die WM auch alle anderen einbezogen werden, die am Rahmenprogramm mit Großleinwänden, Lichtspielen an Hochhäusern und was auch immer feilen. Vertreter verschiedener Unternehmen der Region äußerten dieser Tage den Eindruck, bei den Vorbereitungen wisse offenbar die linke Hand nicht, was die rechte tue. Kann sein, kann aber auch sein, daß die Unternehmen darüber bisher schlicht zu wenig informiert worden sind. Dabei ist WM eben auch ein wirtschaftliches Ereignis. Das hat sich aber in den meisten Köpfen noch nicht festgesetzt. MANFRED KÖHLER