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Die Anfänge des ZDF Durch den Matsch zur Reporterkarriere

 ·  Fernsehveteranen wie Dieter Kürten erinnern sich an die Anfänge des ZDF vor 50 Jahren in Eschborner Baracken.

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Damals sei er „ein feiner Pinkel von der Düsseldorfer Kö“ gewesen und im Kamelhaarmantel samt Stetson auf dem Kopf und teuren Bally-Schuhen zum Vorstellungsgespräch gekommen. Da der Weg zum Zweiten Deutschen Fernsehen durch den Matsch geführt habe, sei von dem schönen Schuhwerk aber nicht viel übrig geblieben. „Die konnte ich nur noch wegwerfen“, erinnerte sich Dieter Kürten, langjähriger Leiter des „Aktuellen Sportstudios“, an seinen ersten Tag in Eschborn. Für die Arbeit in den unwirtlichen und als „Telesibirsk“ verrufenen Baracken am Rande einer Lehmgrube gehörten Gummistiefel zur Grundausstattung - darin waren sich der frühere „Starparade“-Showmaster Rainer Holbe, die erste ZDF-Ansagerin Victoria Voncampe und der ehemalige Intendant Dieter Stolte einig.

Gemeinsam mit „Politbarometer“-Moderator Theo Koll und dem einstigen Redaktionsleiter des „Heute-Journal“, Wolf von Lojewski, haben die TV-Pioniere am Mittwoch in der vollbesetzten Stadthalle Einblicke in die Live-Fernseharbeit zwischen grasenden Schafen gegeben. Gestört durch dicht an dem Gelände der ehemaligen Ziegelei vorbeiratternden Züge ging das ZDF in Eschborn am 1. April 1963 auf Sendung. Die Mainzelmännchen, darauf weist Holbe in seinem kürzlich veröffentlichten Buch hin, lernten vor 50 Jahren somit in Eschborn zu laufen.

Pyjama-Party in der Bad Homburger Tennisbar

Für die Gründergeneration, darunter viele Rundfunk- und Zeitungsjournalisten, sei der Aufbau des Zweiten Deutschen Fernsehens eine große berufliche Herausforderung gewesen, erinnerte sich Stolte, der 1962 rechte Hand des Intendanten Karl Holzamer war. Der Philosophieprofessor, selbst Journalist und Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg, habe seine jungen Referenten dazu verdonnert, die vier Ansagerinnen der ersten Stunde nach einem sonntäglichen Kaffeeplausch nach Hause zu fahren, plauderte Voncampe aus. Es sei damals eben noch sehr familiär zugegangen.

Als sich einige Jahre später jedoch Kollegin Edelgard Stössel im Babydoll auf einer Pyjama-Party in der Bad Homburger Tennisbar gezeigt habe, kannte der Herr alter Schule kein Pardon. „Das war das Letzte, was man von ihr sah und hörte“, berichtete Voncampe. Die festen moralischen Prinzipien Holzamers hätten ein solches Betragen nicht zugelassen. Stolte erzählte, sein Vorgänger als Intendant habe die Ansagerinnen als „Visitenkarten“ des Senders verstanden. Doch rückblickend müsse er sagen: Holzamer sei mit der Entlassung zu weit gegangen.

Die „große Liebe Heute-Journal“

Als großartigen Arbeitgeber, der ihn durch die ganze Welt geschickt und ihm dies auch noch bezahlt habe, beschrieb Kürten den Sender. In Eschborn habe ihn Wim Thoelke eingestellt, der jedem seiner Reporter seine Eigenarten und jeweiligen Zungenschlag gelassen habe. „Wir sind hier die Kanalarbeiter - aber wir kommen hier auch heraus“, habe ihm Thoelke als erster Sportchef beim einjährigen Eschborner Zwischenspiel versprochen und es auch gehalten. Die Freiheit, die das ZDF für die Verwirklichung großer Reportagen aus aller Welt gegeben habe, lobten auch Koll und von Lojewski.

“Ich habe mich mächtig amüsiert und auch noch Geld dafür bekommen“, schwärmte Lojewski von seiner „großen Liebe Heute-Journal“. Der Vorstellung jedoch, dass damals in Eschborn oder später in Mainz jeder habe tun und lassen können, was er gewollt habe, widersprach Stolte energisch: Nur diejenigen hätten Freiheit und Spielraum erhalten, die mit Leistungen überzeugt hätten.

Vielleicht, überlegte Koll laut, könnte es sich für den Sender angesichts der Sparrunden wieder lohnen, nach altem Eschborner Vorbild auf den weitläufigen Mainzer Außenanlagen Schafe zu halten. Immerhin, sinnierte er, sparte das ZDF damit doch beträchtliche Gärtnerkosten ein.

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