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Popjahr 2017 in Rhein-Main : Die Alten und die ewig Jungen

Let me entertain you: Robbie Williams kommt am 19. Juli nach Frankfurt Bild: dpa

Von April bis Juli geben sich internationale Pop- und Rockstars in der Rhein-Main-Region die Klinke in die Hand. Robbie Williams ist ebenso darunter wie Sarah Connor, Depeche Mode und Coldplay. Das ist aber längst nicht alles.

          Die Digitalisierung schreitet unaufhörlich voran. Jetzt vollführt sie sogar, was alle Hersteller von Faltencremes und sonstigen Wunderelexieren stets nur versprechen, aber nicht halten können: Sie macht die Menschen um 40 Jahre jünger. Jedenfalls wenn diese Menschen Robert De Niro heißen und einen Gangsterfilm mit Martin Scorsese drehen, in dem sie wieder aussehen sollen wie weiland als junger Vito Corleone in „Der Pate II“. Solche Tricksereien, Stars wieder so erscheinen zu lassen wie auf ihrem ersten künstlerischen Zenit, böte sich natürlich auch für die wie Hollywood auf jugendliche Virilität gierende Popmusikbranche an. Deren größte Attraktionen sind aber oft in die Jahre gekommene Schlachtrösser, wie auch der Blick auf den Konzertplan für die erste Hälfte dieses Jahres zeigt. Was da an bekannten Namen in den großen Hallen und Arenen im Rhein-Main-Gebiet aufmarschiert, hat sein Debüt mitunter schon mehrere Jahrzehnte hinter sich.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Vorstellung ist daher durchaus reizvoll, etwa am 25. April käme ein blutjunger Mann mit Schiebermütze auf die Bühne der Festhalle, eine Wandergitarre und eine Mundharmonika umgehängt, um dort Folkweisen wie „Blowin’ in the Wind“ oder „The Times They Are A-Changin’“ zu krächzen. Weil die Zeiten aber ins Land gegangen sind, wird Bob Dylan an diesem Abend vermutlich einen Hut tragen, am E-Piano stehen und gewiss einen denkwürdigen Auftritt hinlegen, allein schon deshalb, weil er nun auch noch Literaturnobelpreisträger ist.

          Elvis mit dabei

          Eine ähnliche kulturelle Kraft wie Dylan war ein Mann, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährt, der aber trotzdem allgegenwärtig erscheint: Elvis Presley. Der geht tatsächlich auch auf Tournee, allerdings nur in Ausschnitten von Konzertfilmen, die auf eine Leinwand projiziert werden, während dazu live eine Band und ein Orchester spielen. Damit ist die Popmusik dem Film sogar einen Schritt voraus, muss sie ihre Stars doch nicht digital verjüngen, sondern präsentiert sie gleich wie in ihren besten Zeiten. Zu erleben ist diese Art von Spektakel am 20. Mai in der Festhalle bei einer Show mit dem Titel „Elvis in Concert“.

          Singt im Sommer im Mainz: Sarah Connor
          Singt im Sommer im Mainz: Sarah Connor : Bild: Cornelia Sick

          Zwei Tage später zeigt ein Mann in der Alten Oper, wie man den Rock’n’Roll-Zirkus überleben und dabei sogar noch in Würde altern konnte. Bryan Ferry macht jedenfalls nicht nur seiner maßgeschneiderten Anzüge wegen auch mit 71 Jahren noch immer eine gute Figur, sondern überzeugt auch als Crooner, dem die Reife des Alters sogar noch Grandezza verliehen hat.

          Ferry taugt damit als Vorbild für all die Musikstars, die sich vor allem im Mai und Juni in Festhalle und Frankfurter Fußballarena geradewegs die Mikrofone in die Hand geben könnten. Vielleicht nicht für Kiss, die am 23. Mai in der Festhalle spielen, oder Deep Purple, die am 10. Juni dort konzertieren, und gewiss nicht für die Punkpop-Rüpel von Blink 182, die am 12. Juni die „Gut Stubb“ beschallen wollen, aber durchaus für Bruno Mars (am 1. Juni in der Festhalle), Dave Gahan, der mit seiner Band Depeche Mode am 20. Juni im Stadion auftritt, oder Chris Martin, der mit Coldplay am 30. Juni und am 1. Juli an zwei Tagen hintereinander die Fußballarena füllen will. Von Robbie Williams, der am 19. Juli im Stadion aufspielt, ganz zu schweigen.

          Große Namen beim Hessentag

          Der sommerliche Starauftrieb in der Region ist damit aber noch lange nicht beendet. Zum Hessentag in Rüsselsheim werden die Scorpions (11. Juni), Peter Maffay (15. Juni), Zucchero (16. Juni) und als Top-Act die Kings of Leon (12. Juni) erwartet. Beim Mainzer Festival „Summer in the City“ sind etwa Sarah Connor (1. Juli) und Gregory Porter (30. Juli) im Volkspark zu Gast. Und in der Festhalle treten außerdem aktuelle Chartstürmer wie Tim Bendzko (4. Juni) und Ariana Grande (3. Juni) auf. Vor allem die erst als Schauspielerin bekannt gewordene, 23 Jahre alte Sängerin aus Florida zeigt, dass in der mittlerweile stark fragmentierten Popmusik doch noch über Nacht Weltkarrieren möglich sind.

          Zuletzt in Offenbach, im Sommer in der Frankfurter Arena zu erleben: Coldplay
          Zuletzt in Offenbach, im Sommer in der Frankfurter Arena zu erleben: Coldplay : Bild: Patricia Kühfuss

          Davon kann auch ein Jugendidol wie Justin Bieber erzählen, der zu den Headlinern des aus London übernommenen Festivals Wireless gehört, das am 24. und 25. Juni erstmals in Deutschland ausgerichtet wird. In der Frankfurter Fußballarena treten neben Bieber noch der Urban-Music-Star The Weeknd und Künstler wie Beginner, Sean Paul und Genetikk auf. Da lässt sich vielleicht auch noch die ein oder andere Entdeckung machen, die sonst ja nicht in den großen Hallen oder Stadien, sondern eher in den Clubs zu finden ist. Die bieten gleichfalls konzertante Höhepunkte, allen voran der Auftritt von The Jesus and Mary Chain am 20. April in der Centralstation Darmstadt. Da fühlt man sich auch ohne Digitalisierung um mindestens 25 Jahre jünger.

          Quelle: F.A.Z.

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