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Die Ärzte Sie sind die Besten

 ·  Keine Zeit für Spitzfindigkeiten: Die Ärzte gastieren in der Frankfurter Festhalle.

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Subtil, filigran und virtuos: drei Adjektive, die zu den Ärzten garantiert nicht passen. Schließlich funktioniert die ungeheuer clevere Masche von Bassist Rodrigo González, Schlagzeuger Bela B. und Gitarrist Farin Urlaub, wie eine trotzige, lernunwillige und auf Schabernackstreiche gebürstete Schülercombo aus der Hüfte geschossen einfach drauf los zu holzen, schon seit 1982, dem Gründungsjahr des Trios. Ihr dreißigstes Bühnenjubiläum feiert die Band, die parallel zu den Kollegen von den Toten Hosen den Punk in Deutschland populär machte, mit Konzerten, in Frankfurt gleich an zwei Tagen hintereinander in der restlos ausverkauften Festhalle, wie gewohnt unter der Ägide der Batschkapp, die den Jungs bei ihren Veranstaltungen schon seit den Anfangstagen unter die Arme greift.

Der Zeitpunkt für die Feierlichkeiten zum Jubiläum der Kodderschnauzen ist großzügig berechnet, nach Bruttoeinsatzzeit gewissermaßen, schließlich nahm sich „die beste Band der Welt“, wie Farin Urlaub und Bela B. sie in Frankfurt ganz nach alter Ärzte-Manier mit übertriebener Selbstbeweihräucherung nennen, zwischen 1989 und 1993 eine Auszeit. Erst seit der Wiedervereinigung der Gruppe ist das ehemalige Rainbirds-Mitglied Rodrigo González mit von der Partie, bis 1986 hatten Sahnie und nach ihm weitere drei Jahre lang The Incredible Hagen den Job am Bass erledigt. Doch wer will sich bei der Aussicht auf ein mehr als drei Stunden langes Happening samt heiß favorisierter Klassiker wie der Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ oder der Domina-Ode „Sweet Sweet Gwendoline“ schon mit kleinkrämerischen Details aus der Vergangenheit beschäftigen?

Hanebüchener Unfug

Erst recht nicht dann, wenn die wie gewohnt mit zum Teil minutenlangen Wortgefechten aus gewolltem Witz, grobem Unsinn und Pointenrohrkrepierern gewürzte Werkschau in der völlig überhitzten Festhalle die Kulisse für eine DVD-Aufzeichnung abgibt. Farin Urlaub jedenfalls möchte auf niveauvolle Spontan-Gags keinesfalls verzichten: „La-Ola-Welle kommt aus dem Spanischen und heißt, sich zum Horst zu machen“, erklärt er mit hinterhältigem Grinsen. Weitere Einzelheiten des Animationsprogramms für mehr als 12000 Zuschauer (kollektives In-die-Hocke-Gehen, hektisches T-Shirt-Wedeln) werden auch auf dem Konzertmitschnitt den Ruf der Ärzte als durchweg hemdsärmelige, aber ungemein sympathische Entertainer stärken.

Als komplett hanebüchener Unfug ließe sich das Konzept des Trios bezeichnen: Viele Songs klingen gleich oder zumindest recht ähnlich. Instrumentierung, Gesang und Rhythmus dröhnen in Überlautstärke allenfalls routiniert, mitunter aber auch holprig aus den Lautsprechern. Wären die Ärzte nicht die Ärzte, die sich für ihre Chuzpe, schmales Talent zur Übergröße aufzublasen, schon früh das Punk-Gütesiegel erworben haben, sie würden möglicherweise ausgebuht oder gar von der Bühne gepfiffen werden. Doch ihr plakatives Arenencharisma und ihr vorlautes Authentizitätsgebaren kaschieren die nicht wenigen Mängel auf geradezu übernatürliche Weise. „Ist das noch Punkrock?“, fragen die längst generationenübergreifend verehrten Idole zum Auftakt nicht ohne Hintergedanken. Nach typischer Ärzte-Manier bleiben sie bis zur Zugabe „Zu spät“ eine Antwort schuldig. Weil Spitzfindigkeiten wie Stil, Können oder Originalität bei der „besten Band der Welt“ schlicht bedeutungslos sind.

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Von Matthias Alexander

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