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Deutsches Filminstitut Frankfurt : Kaiser Wilhelms Geburtstagsfeier im Netz

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Kino auf dem Schlachtfeld: Ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 1916 zeigt Soldaten im Ersten Weltkrieg, die sich mit bewegten Bildern von den Gedanken an den Kampf ablenken Bild: Filmarchiv Austria

Die Digitalisierung des historischen Filmerbes wird auf europäischer Ebene besser gefördert als in Deutschland. Davon profitiert ein Projekt des Deutschen Filminstituts Frankfurt.

          Es kommt Bewegung in die Umsetzung der Urheberrechtsnovelle. Bislang durfte ein Musikstück nur dann öffentlich zugänglich gemacht werden, wenn die Rechteinhaber auszumachen waren und diese ihre Einwilligung erteilt hatten. Ohne Rechercheergebnis blieb das Kulturgut unter Verschluss in den Archiven. Das will die EU mit der 2012 verabschiedeten Novelle ändern. Öffentliche Institutionen müssen ihre sorgfältige Urhebersuche dokumentieren, dürfen dann aber in einem zweiten Schritt ihre „verwaisten Werke“ publik machen und auch digitalisiert ins Internet stellen. Den Weg zur Umsetzung in Deutschland hat am 10. April ein Beschluss der Bundesregierung geebnet (F.A.Z. vom 12. April).

          Zwar macht die Neuerung rechtlich den Weg frei für die Digitalisierung verwaister Werke. Doch was geschieht generell mit all den Werken aus der Zeit, als noch analog gedreht wurde? Filme auf Zelluloid halten gut hundert Jahre, digitale Speichermedien indes können schon nach wenigen Jahren nicht mehr auslesbar sein. Trotzdem ist inzwischen gut die Hälfte der deutschen Kinos mit digitalen Projektoren ausgerüstet. Allein aus Platzmangel weichen 16- und 35-Millimeter-Projektoren zusehends. Aber wie soll das Filmerbe auf der Kinoleinwand lebendig gehalten werden, wenn es nicht digital zur Verfügung steht?

          Ein Tropfen auf den heißen Stein

          Als einen „Tropfen auf den heißen Stein“ bezeichnete selbst Peter Dinges kürzlich im Deutschlandradio die Anstrengungen zur Digitalisierung seitens der Filmförderungsanstalt Berlin (FFA), deren Vorstand er ist: 2012 wurde erstmals eine Million Euro von der FFA zur Verfügung gestellt. Mit dieser Summe, die die Filmförderungsanstalt jährlich bereitstellen will, sollen jeweils etwa 66 Filme digitalisiert werden. Doch umfasst die deutsche Produktion etwa 200 Arbeiten pro Jahr. Um FFA-Fördergeld zu erhalten, muss ein Film deswegen schon auf einem A-Festival gezeigt oder für den Deutschen Filmpreis nominiert worden sein.

          Zum Vergleich: Das Centre national de la Cinématographie (CNC) in Frankreich hat 2012 125 Millionen Euro für die Umrüstung der Kinosäle und 125 Millionen Euro für die Filmdigitalisierung erhalten. In diesem Jahr aber ist das CNC-Gesamtbudget um 150 Millionen Euro gekürzt worden. Selbst die Niederlande, die nicht auf ein großes nationales Filmerbe blicken, haben 115 Millionen Euro für die Filmdigitalisierung in die Hand genommen. Und die Europäische Kommission kündigte 2012 an, die Digitalisierung des Filmerbes in einem Zeitraum von sechs Jahren mit 400 Millionen Euro zu fördern. Insgesamt müssten für die Digitalisierung des europäischen Filmerbes zwei Milliarden Euro aufgewendet werden, hat das Oberservatoire européen de l’audiovisuel in Straßburg errechnet.

          Pragmatischer Ansatz

          Doch die Association Cinémathèques Européennes (ACE) schätzt, dass überhaupt erst 1,5 Prozent der Bestände der 42 in diesem europäischen Kinematheken-Verbund organisierten, nationalen und regionalen Filmarchive digitalisiert sind. Ziel der ACE ist es, das europäische Filmerbe zu bewahren und öffentlich zu präsentieren. Sie ist Mitglied der Europeana Foundation, dem Verwaltungsorgan der Europäischen Digitalen Bibliothek, der Europeana. Um Europas Kulturerbe virtuell verfügbar zu machen, bündelt das 2006 gegründete Kulturportal inzwischen Inhalte aus mehr als 2000 Archiven, Museen, audiovisuellen Sammlungen und Nationalbibliotheken. Seit dem Start von www.europeana.eu 2008 wuchs die Datenbank von zwei auf mehr als zwanzig Millionen Dateien. Dazu gehören mehr als 166000 audiovisuelle Medien der erst gut hundert Jahre alten Kunstgattung Film. Karten, Fotografien, Tonträger, Filmmaterial, Bücher, Archivalien und Kunstwerke stehen der Öffentlichkeit weltweit zur Verfügung. Aber auch das ist erst ein Anfang: Gerade einmal ein Prozent aller in Europa archivierten Kunstwerke waren beim Europeana-Start digitalisiert.

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