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Deutsche Börse „Wir haben keine Fehler gemacht“

 ·  Nach dem Scheitern der Fusion will die Börse weiter wachsen. Trotz hoher Kosten liefert sie ein gutes Ergebnis.

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Es ist ein teures Unterfangen gewesen. 82 Millionen Euro hat die gescheiterte Fusion mit der New York Stock Exchange Euronext die Deutsche Börse im vergangenen Jahr gekostet. Weitere 18 Millionen Euro haben die Vorstände für die Abwicklung des Vorhabens im angelaufenen Geschäftsjahr veranschlagt. Vor allem Anwälte haben davon profitiert, die beratenden Investmentbanken und ein bisschen auch die Werbeindustrie. Die 100 Millionen Euro seien aber kein herausgeschmissenes Geld, sagte Vorstandsvorsitzender Reto Francioni am Dienstag bei der Vorlage der Jahresbilanz. Sie seien in ein „Business Case“, also ein Geschäftsszenario, geflossen, das 97Prozent der Aktionäre unterstützt hätten. „Wir haben keine Fehler gemacht“, fügte Francioni hinzu. Alles sei gut gelaufen, „bis wir von Brüssel gestoppt wurden.“

Für persönliche Konsequenzen sieht der Schweizer daher keinen Grund. Seinen bis Herbst 2013 laufenden Vertrag will er zumindest erfüllen. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Gentz stellte sich gestern noch einmal demonstrativ hinter ihn und sagte: „Der an der unrichtigen Entscheidung der EU-Kommission gescheiterte Zusammenschluss ist kein Grund für eine Personaldiskussion.“

Keine weiteren Sparprogramme

Am liebsten würde Francioni gar nicht mehr über die Nyse reden. „Das ist unnötige Vergangenheitsbewältigung“, sagte er. Denn trotz der gescheiterten Fusionsbemühungen war 2011 eines der besten Geschäftsjahre des Frankfurter Börsenbetreibers. Der Umsatz in Höhe von 2,2Milliarden Euro ist der zweithöchste in der Konzerngeschichte nach dem Rekordjahr 2008. Unter dem Strich stand ein Jahresüberschuss von 833 Millionen Euro, bereinigt um einige Sondereffekte 15 Prozent mehr als 2010. Den Aktionären dankt der Vorstand mit einer erhöhten Dividende und einer Sonderausschüttung von einem Euro je Aktie. Die Mitarbeiter hätten bereits im Dezember eine Sonderzahlung von jeweils 1500 Euro bekommen, wie Finanzvorstand Gregor Pottmeyer hervorhob. Außerdem profitiere etwa die Hälfte der Mitarbeiter über ein Aktienprogramm von den Dividendenzahlungen.

Nachdem die Belegschaft in den vergangenen Jahren durch mehrere Sparprogramme verkleinert wurde, sagte Francioni am Dienstag, dass trotz der hohen Kosten aus der Fusionsanbahnung keine weiteren Sparprogramme nötig seien. Man wolle zwar weiter die Effizienz erhöhen, aber „dabei streben wir nicht eine Reduzierung der Zahl der Mitarbeiter an.“ Betriebsräte hatten Francioni jüngst vorgeworfen, außer Sparen kaum Ideen für die Weiterentwicklung des Unternehmens zu haben. Vor allem sie dürften sich daher über dessen Satz freuen: „Straffes Kostenmanagement löst nicht mehr Wachstum aus.“

Erlöse wie im Rekordjahr 2008 erwartet

Stattdessen präsentierte der Vorstandsvorsitzende seinen PlanB, der für den Fall des Scheiterns der Fusion entwickelt worden sei, wie er sagte, und nun unverzüglich umgesetzt werden könne. Vor allem mit der Tochter Clearstream, die Dienstleistungen rund um die Verwahrung von Wertpapieren anbietet, will die Börse stärker auf Kooperationen mit Marktbetreibern in Wachstumsmärkten in Asien, Südamerika und Afrika setzen. Auch die Derivate-Tochter Eurex soll sich stärker nach Asien orientieren. Um von der eigenen Stärke in der Informationstechnologie stärker profitieren zu können, soll diese Geschäftssparte neu aufgestellt werden. Zusammen mit dem Geschäft mit Marktdaten und Analyse, in dem zum Beispiel Indizes wie der Dax entwickelt und errechnet werden, soll eine „schlagkräftige Einheit“ gebildet werden. Der bisherige Vorstand für die IT, Michael Kuhn, verlässt das Unternehmen nach 23 Jahren zum Jahresende.

„Für 2012 erwarten wir einen Anstieg der Umsatzerlöse auf das Niveau des Rekordjahres 2008“, sagte Francioni, auch wenn der Kapitalmarktausblick durch die Verwerfungen in der Euro-Zone und die hohe Verschuldung der Vereinigten Staaten getrübt sei. Auch die angedachte Transaktionssteuer dürfte Auswirkungen auf die Bilanz haben, deren Ausmaß aber stark von Höhe und Ausgestaltung der Steuer abhänge.

Reibungsloser Wechsel auf Xetra-System

Ganz ad acta kann die Deutsche Börse das gescheiterte Fusionsvorhaben mit New York allerdings noch nicht legen. Derzeit sind Juristen damit beschäftigt, die 420 Seiten starke Ablehnungsbegründung der Europäischen Kommission zu durchforsten. „Wir behalten uns ausdrücklich juristische Schritte vor“, sagte Francioni. Ob es etwaige Schadensersatzansprüche gegenüber der Kommission gebe oder zumindest die Marktdefinition, aufgrund derer die Kommission das Vorhaben untersagt hatte, angefochten werde, das werde derzeit geprüft.

Den klassischen Frankfurter Parketthandel, den die Deutsche Börse im Mai abgeschafft hatte, erwähnten die Vorstände erst auf Nachfrage. Die Übertragung des Handels auf das vollelektronischen Xetra-System sei technisch und juristisch reibungslos verlaufen, sagte Vorstandsmitglied Frank Gerstenschläger knapp. In den seit der Umstellung angeschlossenen Auslandsmärkten müsse man nun noch stärker für die Qualitätsvorteile der Frankfurter Wertpapierbörse werben.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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