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Veröffentlicht: 31.01.2013, 18:55 Uhr

Deutsche Bank nach Ackermann Nur Vages zu Headcounts und der „Bi Eytsch Eff“

Frankfurts wichtigste Bank hat sich gewandelt - wie zum Wechsel in der Chefetage angekündigt. Die Deutsche Bank spricht unter ihrer neuen Doppelspitze nun auch nach außen „broken English“.

© Eilmes, Wolfgang Deutsch-indische Konsultationen: die Doppelspitze der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, auf dem Podium

Ganz zum Schluss verliert Anshu Jain dann doch noch die Geduld. Die Frage haben wir doch jetzt schon mehrfach klar beantwortet, sagt der Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank nach zwei Stunden Fragerunde zur Bilanzpressekonferenz gezwungen lächelnd. Die Finanzjournalistin ist nicht die Erste, die gestern Vormittag ein Thema anspricht, das eigentlich schon besprochen wurde.

Tim  Kanning Folgen:

Unwahrscheinlich, dass das nur der Unaufmerksamkeit geschuldet ist. Es könnte auch daran liegen, dass Anshu Jain nach wie vor kein Deutsch spricht und selbst mancher erfahrene Finanzjournalist Schwierigkeiten hat, seinen auf Englisch heruntergeratterten Ausführungen zu folgen. Dass er sich während seiner Rede nur grob an das verteilte Manuskript hält, dass es dieses, wie auch alle anderen Unterlagen, sowohl in deutscher als auch in englischer Ausführung gibt, dass an die Wand englische Grafiken projiziert werden, auf den Tischen aber auf Deutsch formulierte Ausdrucke davon liegen. So viele Sprach-Sprünge machen es schwer, dem Inhalt zu folgen. Dass am Eingang des Hermann-Josef-Abs-Saals Übersetzungsgeräte auslagen, haben die meisten übersehen.

„Bi Eytsch Eff“ und die Zustimmung des Regulierers

„Broken English“, also gebrochenes Englisch, sei die offizielle Geschäftssprache in der Deutschen Bank, hatte Josef Ackermann gerne gesagt, um die Internationalität des Hauses deutlich zu machen. Doch während sich zu dessen Zeiten schon mancher beschwerte, dass die Bank Begriffe wie Accounting nicht ins Deutsche übersetzte, werden nun ganze Passagen der Pressekonferenz auf Englisch abgehalten, nicht nur von Jain, auch von einigen seiner Vorstandskollegen.

Henry Ritchotte etwa sagt irgendwann etwas von „Bi Eytsch Eff“. Dass er damit das Frankfurter Traditionshaus BHF-Bank meint, das die Deutsche Bank seit Jahren versucht zu veräußern, ist nicht jedem sofort klar. Die Zustimmung des Regulierers, also der Bafin, zu dem schon vor Monaten angekündigten Verkauf der BHF an die Beteiligungsgesellschaft RHJ International stehe noch immer aus, sagt Ritchotte.

Ein umfassender Großputz ist notwendig

Frankfurts wichtigste Bank hat sich gewandelt. Und - abgesehen von dem neuen Sprachwirrwarr - ist ein grundlegender Umbau des Hauses auch erklärtes Ziel der seit Mai tätigen neuen Doppelspitze. Jain und Jürgen Fitschen wollen einen Kulturwandel in der Deutschen Bank, vor allem für das Investmentbanking. Mehr Kundenorientierung, mehr Moral, bodenständigere Bezahlung, so lässt sich das Vorhaben zusammenfassen - das werde eher Jahre als Monate dauern, heißt es dazu gestern.

Wie notwendig ein umfassender Großputz ist, zeigen die vielen Negativschlagzeilen der vergangenen Monate, die Gerichtsurteile gegen die Bank, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die Razzien in den Frankfurter Doppeltürmen - das sind zum Großteil die Schatten der Vergangenheit, Folgen der Kultur, die Jain und Fitschen nun verändern wollen. Die Notwendigkeit zeigt sich auch in den Geschäftszahlen: 1,6 Milliarden Euro hat die Bank für absehbare mögliche Strafzahlungen aus Gerichtsprozessen zurückgelegt, Risiken von 2,4 Milliarden Euro hat sie in eine hausinterne Bad Bank umgeschichtet. Beides führt dazu, dass die neue Doppelspitze ihr erstes Geschäftsjahr mit einem mageren Ergebnis von 665Millionen Euro abschließen muss, nach 4,3 Milliarden im Jahr 2011. „Wir vollziehen hier die umfassendste Neuordnung, der sich die Deutsche Bank in der jüngeren Vergangenheit unterzogen hat“, sagt Fitschen.

1350 Stellen wurden schon gestrichen

Bis 2015 wollen er und Jain die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro verringern. Das dürfte kaum ohne den Abbau Tausender Stellen zu erreichen sein. Doch wie viele Mitarbeiter an welchen deutschen Standorten betroffen sein könnten, dazu sagen die beiden wenig. Im Investmentbanking habe man bereits 1350 der geplanten 1500 Stellen gestrichen, heißt es. Weitere Vorhaben würden erst mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt.

Auch wenn er den Umbau als umfassendsten der jüngeren Geschichte der Bank bezeichnet habe, gehe es nicht darum, den Abbau von gut 20000 Stellen zu überbieten, mit dem Josef Ackermann einst als Deutsche-Bank-Chef gestartet war. Auf „broken English“ klingt das dann so: „Wir wollen nicht den Abbau von Headcounts maximieren“, sagt Fitschen.

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Quelle: F.A.Z.

 

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