Nun ist der designierte Deutsche-Bank-Chef im Obligo. Er werde nicht in den Ruhestand gehen, ehe nicht eine Frau im erweiterten Vorstand, dem Group Executive Committee, der Bank sitze, sagt Fitschen im Hermann-Josef-Abs-Saal. Und der 63 Jahre alte Nachfolger von Josef Ackermann hat viele Zuhörer, die dieser Satz sehr interessiert. Gut 260 Frauen und wenige Männer sind an diesem Mittwoch zur Konferenz „Women in European Business“ gekommen, die der gleichnamige Zirkel von Frauen in Führungspositionen in der Deutschen Bank zum dreizehnten Mal organisiert hatte.
Es sollte ausdrücklich nicht um die klassischen Frauenfragen gehen. „Wir wollen hier nicht über bessere Kinderbetreuung sprechen“, sagt Susanne Müller, eine der Organisatorinnen. Vielmehr gehe es darum, weibliche Perspektiven in relevante wirtschaftliche Debatten einzubringen. Angesichts von Stuttgart 21, der Occupy-Bewegung und Fluglärmprotesten solle diskutiert werden, wie sich öffentliche Interessen mit denen von Firmen in Einklang bringen ließen. Unter anderen sind Joschka Fischer und Gesine Schwan als Redner gewonnen worden.
Frauen gegen Quote
Doch irgendwie kommt die Sprache auf die Frauenfrage zurück. Quote ja oder nein? Sind Frauen die besseren Unternehmerinnen? EU-Kommissarin Viviane Reding, die die Eröffnungsrede hält, hat dazu eine klare Ansicht: „Niemand mag Quoten, aber ich mag, was Quoten machen.“ Als Beispiel nennt sie Holland und Frankreich. Die gesetzlichen Frauenquoten hätten dazu geführt, dass der Anteil der Frauen in Aufsichtsräten dort innerhalb eines Jahres von 14 auf 19 Prozent, in Frankreich sogar von zwölf auf 22 Prozent erhöht worden sei. Das sei wesentlich mehr, als die freiwilligen Vorschläge der Unternehmen in Deutschland bewirkt hätten. Applaus im Saal. Es solle nicht darum gehen, qualifizierte Männer durch unqualifizierte Frauen zu ersetzen, sagt die Justizkommissarin. Es solle nur keine Hürden mehr geben für Frauen, die ganz nach oben wollten.
Im Foyer des Abs-Saals, wo Geschäftsführerinnen, weibliche Vorstandsmitglieder und Bereichsleiterinnen verschiedener Unternehmen beim Kaffee plaudern, klingt das ähnlich. Eine, die es in der Commerzbank sehr weit nach oben geschafft hat, ist ebenfalls gegen Quoten, „weil sie jede erfolgreiche Frau zur Quotenfrau diskreditieren“. Tatsächlich habe sich aber in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es ohne Quote offenbar nicht gehe. Es sei schon oft so, dass Frauen schnell „unter dem Radar verschwinden“, wenn Führungspositionen besetzt würden. Sie selbst sei in ihre Position durch harte Arbeit und Vorgesetzte gekommen, die ihr mehr zugetraut hätten.
Das mit den Männerbünden muss sich auch Fitschen anhören
Auch Müller von der Deutschen Bank nennt die männlichen und weiblichen Chefs, die ihr etwas zugetraut hätten, als einen der wichtigsten Gründe, warum sie es zu ihrer heutigen Position gebracht hat. Sie ist Managing Director, „das Höchste, was man unterhalb des Vorstandes werden kann“. 800 Mitarbeiter sind ihr weltweit unterstellt, die sich um die IT in Personalfragen kümmern - nicht gerade eine klassische Frauendomäne. Auch sie ist gegen Quoten. „Frauen wollen nicht Teil einer Quote sein“, sagt sie.
Natürlich geht es auch ums Netzwerken, das Programm sieht viel Zeit zum Kaffeetrinken vor. Männern wird gern unterstellt, über Seilschaften und Männerbünde in die höchsten Positionen zu kommen - viele der Teilnehmerinnen sind gekommen, um solche Kontakte unter erfolgreichen Frauen zu knüpfen.
Das mit den Männerbünden muss sich auch Fitschen anhören. Schließlich haben er und sein designierter Co-Chef Anshu Jain gerade erst drei neue Vorstandsmitglieder vorgeschlagen. Alle sind männlich, zu allen heißt es, sie seien aus alter Verbundenheit zu den neuen Vorstandschefs aufgestiegen. Warum er denn nicht schon diese Chance genutzt habe, eine Frau in den Vorstand zu befördern, wird er im Foyer gefragt. Eine richtige Antwort darauf bleibt Fitschen schuldig.
So ein Unsinn!
Andreas Rheinhardt (AndreasRheinhardt)
- 16.03.2012, 20:30 Uhr