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Veröffentlicht: 11.03.2016, 08:34 Uhr

Deutsche-Bank-Areal Vier Türme und ein Dachgarten

Das Architektenbüro UN Studio gewinnt den städtebaulichen Wettbewerb für das Deutsche-Bank-Areal in Frankfurt. 600 Wohnungen sollen entstehen.

von , Frankfurt
© Frank Röth Am Roßmarkt: Hinter der Filiale der Deutschen Bank wird das neue Hochhausensemble gebaut.

Vier Hochhäuser sollen aus einem gemeinsamen Sockel emporwachsen: Das ist das Ergebnis eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs für das ehemalige Deutsche-Bank-Areal in der Frankfurter Innenstadt. Das Büro UN Studio aus Amsterdam konnte sich mit seinem Entwurf gegen neun weitere Teilnehmer durchsetzen. Auf dem zweiten Platz landete das Büro des Schweizer Architekten Max Dudler. Eine Anerkennung ging an die Architekturbüros 3XN aus Kopenhagen und Raumwerk aus Frankfurt. An den städtebaulichen Wettbewerb soll sich nun noch ein Realisierungswettbewerb zur Gestaltung der Baukörper anschließen. Mitte 2017 will der Bauherr, der Frankfurter Projektentwickler Groß & Partner, mit der Realisierung des Baukomplexes auf dem Grundstück am Roßmarkt beginnen.

Rainer Schulze Folgen:

Geschäftsführer Jürgen Groß verspricht sich von der Entwicklung eine Belebung der Innenstadt. Dazu sollen auch zwei Wohntürme mit 600 Wohnungen, zahlreiche Geschäfte, Cafés und Restaurants im Sockel sowie ein öffentlich nutzbarer Dachgarten beitragen. Das Dach des fünf- bis sechsgeschossigen Sockels, auf dem die Hochhäuser stehen, soll zu diesem Zweck begrünt werden. Dem Siegerentwurf zufolge entstehen insgesamt vier in der Höhenentwicklung gestaffelte Türme. Der mit maximal 228 Metern höchste Turm liegt, vom Roßmarkt betrachtet, im hinteren Teil des Grundstücks und soll für Büros und ein Hotel genutzt werden. Der mit hundert Metern niedrigste Turm entsteht als Bürogebäude auf dem denkmalgeschützten Riegel zur Junghofstraße. Zwei in Richtung Roßmarkt orientierte, mittelhohe Türme sollen als Wohnhochhäuser dienen. Das Hochhaus an der Großen Gallusstraße, in dem die Händler der Deutschen Bank bislang ihre Büros hatten, wird abgerissen.

Denkmalgeschützten Fassaden zu Hotel umgebaut

Der Siegerentwurf konnte die achtköpfige Jury, bestehend aus Vertretern der Stadt, Architekturexperten und dem Auslober, unter anderem wegen der Ensemblewirkung der geplanten Gebäude überzeugen. Außerdem sei es den Architekten gelungen, das bislang von der Deutschen Bank genutzte Areal durch Passagen, Wege und Plätze zu öffnen. Schließlich wurde die Integration der denkmalgeschützten Fassaden an der Junghofstraße als besonders sensibel gewertet.

39027017 © Groß & Partner Vergrößern Siegerentwurf: Zwischen Roßmarkt, Commerzbank-Turm und Main-Tower entstehen vier Hochhäuser auf einem begrünten Sockel. In den vorderen Türmen sind 600 Wohnungen geplant, in den anderen Büros und Hotelzimmer.

Diese denkmalgeschützte, aus den fünfziger Jahren stammende Bausubstanz an der Junghofstraße soll zu einem Hotel umgebaut werden. In Absprache mit dem Denkmalschutz und dem Stadtplanungsamt soll der langgezogene Gebäuderiegel aber durch zwei Einschnitte geöffnet werden. Einer befindet sich in Höhe des Eingangs gegenüber der Alten Rothofstraße, ein zweiter vor dem Hermann-Josef-Abs-Saal. Durch die Öffnung an diesen Stellen soll das gesamte Areal besser an das Quartier rund um Goethestraße und Freßgass’ angebunden werden. Ein weiterer Zugang zu dem Areal soll, vom Roßmarkt betrachtet, links neben der denkmalgeschützten Deutsche-Bank-Filiale liegen, die nicht zu dem Vorhaben dazugehört. Ein neuer Platz entsteht neben dem angrenzenden Metzler-Grundstück, auf dem der Entwickler Tishman Speyer ebenfalls ein Hochhaus baut.

60.000 Quadratmeter auf Wohnraum sollen entstehen

Im Erdgeschoss, Souterrain und ersten Obergeschoss des Sockels sollen Einzelhandel und Gastronomie einziehen. Groß will den Schwerpunkt auf junge Modemarken setzen. Außerdem sind eine Kita und ein Supermarkt für die Nahversorgung der Bevölkerung geplant. In einem der Türme soll es auch eine öffentlich zugängliche „Sky-Lounge“ geben.

Infografik / Karte / ehemaliges deutsche-bank-Areal © F.A.Z. Vergrößern

Der städtische Bebauungsplan für das Grundstück soll dem Wettbewerbsergebnis entsprechend geändert werden. Er sah an dieser Stelle bisher zwei Hochhäuser mit insgesamt 155.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche vor: das alte Handelszentrum der Deutschen Bank und den 228 Meter hohen Büroturm „Max“, für den es im Jahr 2000 schon einmal einen Architektenwettbewerb gegeben hatte. Laut Groß ist es aber sinnvoll, die Baumasse auf mehrere Baukörper zu verteilen. Die Ausnutzung des Grundstücks erhöht sich auf 210.000 Quadratmeter. Davon entfallen etwa 60.000 Quadratmeter auf Wohnraum, 90.000 Quadratmeter auf Büros, 30.000 Quadratmeter auf Hotels und 20.000 Quadratmeter auf Gastronomie und Einzelhandel.

Realisierungswettbewerb folgt

„Wir wollen an dieser Stelle weg von einer monofunktionalen Nutzung und hin zu einer Mischung. Hier wird Leben einziehen“, sagt Groß. Die Architekten hätten kontroverse Entwürfe vorgelegt. Der Siegerentwurf, der sich auch durch die geschickt ausgerichteten Baukörper auszeichne, sei von der Jury schließlich mit deutlichem Abstand auf den ersten Platz gesetzt worden. Die abgerundeten Baukörper sind versetzt zueinander angeordnet. Die genaue Position wurde vorab mit Verschattungsstudien überprüft. Der zweitplazierte Entwurf von Max Dudler wirkt kantiger, die Gassen zwischen den Gebäuden sind schmaler und offenbar schwerer zu beleben. 3XN und Raumwerk haben die Gebäude dichter angeordnet als der Siegerentwurf.

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Zu dem städtebaulichen Ideenwettbewerb waren zehn international und national tätige Büros eingeladen worden. Die Frankfurter Architekturbüros Christoph Mäckler, Jo Franzke und Schneider + Schumacher gingen in der ersten Runde leer aus, sind aber in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter vertreten. Das bisherige Teilnehmerfeld soll für den Realisierungswettbewerb noch einmal um weitere Büros erweitert werden.

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